Cannabis Blütephase verstehen: Detaillierte Anleitung für Anbau und Qualität in der Schweiz
Die Blütephase ist der entscheidende Abschnitt im Lebenszyklus der Cannabispflanze, wenn sich das volle medizinische Potenzial entfaltet. Für Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte sowie Anbauverantwortliche in der Schweiz ist ein präzises Verständnis dieser Phase wesentlich, um konstante Qualität und reproduzierbare Wirkstoffgehalte zu erreichen. Auf dieser Seite erhalten Sie einen strukturierten, praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Überblick über die Blütephase von Cannabis – von den biologischen Grundlagen über Umweltfaktoren bis zur Erntevorbereitung. Der Fokus liegt auf sauberem Indoor- und Gewächshausanbau im Schweizer Kontext, wie er für medizinisches Cannabis relevant ist.
1. Einführung in die Blütephase von Cannabis
Die Blütephase stellt einen wesentlichen Abschnitt im Lebenszyklus der Cannabispflanze dar, der physikalische sowie chemische Veränderungen hervorruft. Während dieser Zeit wendet die Pflanze ihre Energie von der vegetativen Entwicklung zur Blütenproduktion, was für den therapeutischen Einsatz entscheidend ist.
Aus agronomischer Sicht markiert die Blütephase den Übergang von der rein strukturellen Pflanzenentwicklung (Wurzel-, Stamm- und Blattmasse) hin zur Bildung von Blütenständen mit einem komplexen Spektrum an Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden. Für die Herstellung von standardisierten medizinischen Produkten ist diese Phase zentral, weil hier das Wirkstoffprofil, die Blütendichte und die optische Qualität massgeblich geprägt werden. Im professionellen Anbau, wie er für medizinisches Cannabis in der Schweiz eingesetzt wird, erfolgt die Steuerung der Blütephase gezielt über Licht, Klima, Nährstoffversorgung und Sortenwahl. Kleinste Abweichungen können später die Homogenität von Chargen beeinflussen. Ein fundiertes Verständnis der Blütephase hilft deshalb, Ertrag, Wirksamkeit und mikrobiologische Sicherheit der Blüten zu optimieren, was wiederum für Patientinnen und Patienten eine verlässliche Versorgung mit gleichbleibender Qualität ermöglicht.
2. Verstehen der Blütephase: Zeitpunkt, Abläufe und Dauer
Die Blütephase wird durch Änderungen im Lichtzyklus initiiert und variiert je nach Sorte und Anbaumethode. Indoor können Beleuchtungssysteme optimal angepasst werden, während outdoor der Wechsel der Jahreszeiten den Zyklus beeinflusst. Je nach Genetik kann die Blüte zwischen sechs und zehn Wochen dauern.
Bei photoperiodischen Sorten ist der Wechsel von einem typischen vegetativen Beleuchtungsschema (z. B. 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit) auf einen 12/12-Rhythmus (12 Stunden Licht, 12 Stunden Dunkelheit) der zentrale Auslöser der Blütephase. Die Pflanze reagiert auf die verlängerten Dunkelphasen mit hormonellen Umstellungen, die zur Bildung von Blütenkelchen führen. Autoflower-Sorten hingegen beginnen unabhängig vom Lichtzyklus nach einer genetisch vorgegebenen Zeitspanne zu blühen; hier ist die Dauer der Blüte stärker sortenabhängig und weniger steuerbar. Im Schweizer Kontext wird medizinisches Cannabis fast ausschliesslich kontrolliert indoor oder in geschlossenen Gewächshäusern angebaut, um unabhängig von Jahreszeit und Wetter reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Neben der Gesamtdauer der Blüte ist der Zeitpunkt des eigentlichen Reifestadiums entscheidend: Dieser liegt häufig im Fenster von rund 7 bis 10 Wochen nach Einleitung der Blüte, kann aber bei bestimmten Sorten sowohl kürzer als auch etwas länger ausfallen.
3. Phasen der Blüte im Detail: Ein wöchentlicher Überblick
3.1 Woche 1 bis 3: Beginn der Blüte und starkes Wachstum
Zu Beginn der Blüte strecken sich die Pflanzen beachtlich, was Platzoptimierung und zusätzliche Unterstützung erfordert. Gleichzeitig beginnen sich Vorblüten zu entwickeln, Zeichen der bevorstehenden Hauptblüte.
Die ersten drei Wochen der Blütephase werden oft als „Stretch-Phase“ bezeichnet, da viele Cannabissorten in diesem Zeitraum ihre Höhe noch einmal deutlich erhöhen. Aus Sicht des Anbaus ist dies eine kritische Zeit: Die Pflanze benötigt weiterhin eine solide Grundversorgung mit Stickstoff, um den zusätzlichen Zellaufbau zu bewältigen, gleichzeitig sollten bereits blüteorientierte Nährstoffe mit höherem Phosphor- und Kaliumanteil eingeführt werden. Für Indoor-Anlagen in der Schweiz bedeutet dies, dass die Pflanzenhöhe sorgfältig geplant und überwacht werden muss, um genügend Abstand zu den Beleuchtungskörpern zu wahren und eine gleichmässige Lichtverteilung zu sichern. Stützstrukturen wie Netze oder Stäbe können frühzeitig eingesetzt werden, um spätere Bruchstellen zu verhindern. Die ersten Vorblüten erscheinen typischerweise an den Knotenpunkten der Triebe und erlauben auch die Geschlechtsbestimmung. Ein stabiler Klima- und Lichtverlauf in dieser Phase legt den Grundstein für eine starke, aber kontrollierte Hauptblüte mit gut ausgebildeten Blütenständen.
3.2 Woche 4 bis 6: Blütenentwicklung und Harzproduktion
In dieser Phase konzentrieren sich die Pflanzen auf die Blütenbildung. Die Harzproduktion erhöht sich, Blütenkelche bilden sich und das charakteristische Aroma von Cannabis entfaltet sich zunehmend.
Ab etwa der vierten Woche verlangsamt sich das Längenwachstum spürbar, und die Pflanze investiert den grössten Teil ihrer Energie in die Ausbildung dichter Blütenstände. Für die spätere medizinische Nutzung ist dies der Abschnitt, in dem sich die Struktur der Blüten (Kompaktheit, Kelch-Blatt-Verhältnis) und das Terpenprofil stark ausprägen. In professionellen Schweizer Anlagen wird in dieser Phase häufig ein genauer Blick auf die Klimaführung gelegt: Eine leicht reduzierte Luftfeuchtigkeit (im Vergleich zur vegetativen Phase) sowie eine stabile Temperatur im empfohlenen Bereich fördern die Harzbildung und senken gleichzeitig das Risiko für Pilzbefall. Die Nährstofflösung wird nun vorrangig auf Phosphor und Kalium ausgerichtet, während der Stickstoffanteil schrittweise reduziert wird. Visuell erkennt man eine stetige Zunahme der Blütengrösse und eine Verdichtung der Trichome auf den Blüten und Zuckerblättern. Die entstehenden Aromen können je nach Sorte sehr unterschiedlich sein, was für Patientinnen und Patienten relevant ist, da Terpene das subjektive Erleben und mögliche Effekte mitbestimmen.
3.3 Woche 7 bis zur Ernte: Reife und Erntevorbereitung
In den letzten Wochen reifen die Blüten und das Augenmerk liegt auf der optimalen Erntezeit. Beobachtungen der Trichome hinsichtlich Farbänderungen sind essenziell, um den maximalen Cannabinoidgehalt zu ernten.
Die abschliessende Reifephase ist der Moment, in dem viele qualitative Feinheiten entschieden werden. Die Trichome – winzige Harzdrüsen auf der Blütenoberfläche – verändern ihre Farbe von klar über milchig zu leicht bernsteinfarben. In der Regel wird für medizinische Anwendungen ein Erntefenster bevorzugt, in dem der überwiegende Teil der Trichome milchig ist und nur ein kleiner Anteil bereits bernsteinfarben erscheint. Dies deutet auf einen hohen Anteil an aktiven Cannabinoiden hin, bevor Abbauprozesse deutlich einsetzen. In Schweizer Produktionsbetrieben wird dieser Zeitpunkt häufig mit Lupen oder Mikroskopen beurteilt und dokumentiert, um Chargen konsistent zu halten. Parallel wird die Nährstoffzufuhr reduziert oder ganz eingestellt (Spülphase), um Rückstände im Pflanzengewebe zu minimieren. Die letzten Wochen erfordern zudem ein erhöhtes Augenmerk auf Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung, da schwere, dichte Blüten anfällig für Schimmel sein können. Eine sorgfältige Vorbereitung der Ernteabläufe – von der Schnittführung bis zur Trocknung – trägt dazu bei, dass die erarbeiteten Qualitätsmerkmale der Blüte bis zum Endprodukt erhalten bleiben.
4. Einfluss von Licht, Temperatur und Feuchtigkeit
Die richtige Balance von Licht, Temperatur und Feuchtigkeit ist entscheidend für eine erfolgreiche Blütephase. Vor allem die Temperatur sollte zwischen 20–25°C gehalten werden, bei niedriger Luftfeuchtigkeit, um Schimmel zu vermeiden.
Lichtqualität und -intensität bestimmen massgeblich, wie effizient die Pflanze in der Blütephase Energie in Blütenmasse und Harzbildung umsetzt. In der medizinisch orientierten Produktion in der Schweiz kommen häufig LED-Systeme mit spezifischen Spektren zum Einsatz, die für die Blütephase optimiert sind. Eine zu geringe Lichtintensität kann zu lockeren Blüten und reduziertem Wirkstoffgehalt führen, während eine zu hohe Intensität Stress und Lichtverbrennungen verursacht. Die Temperaturspanne von etwa 20 bis 25 °C in der Lichtphase und leicht darunter in der Dunkelphase hat sich als praxistauglich erwiesen, um Stoffwechselprozesse zu optimieren und gleichzeitig das Risiko von Hitzestress gering zu halten. Die relative Luftfeuchtigkeit wird im Verlauf der Blüte meist moderat gesenkt (z. B. von rund 55–60 % zu Beginn auf 45–50 % gegen Ende), um Schimmelbildung vorzubeugen. Eine zuverlässige Luftzirkulation und Filtration sind insbesondere im Schweizer Gesundheitskontext wichtig, um mikrobiologische Belastungen zu kontrollieren. Durch Kombination aus präziser Klimasteuerung, regelmässiger Messung und dokumentierten Sollwerten können Anbaubetriebe stabile Bedingungen schaffen, die für eine gleichbleibende Qualität von medizinischem Cannabis entscheidend sind.
5. Bedeutung der Ernährung: Nährstoffbedarf und Mängel
Während der Blütephase besteht ein erhöhter Bedarf an Phosphor und Kalium, während Stickstoff reduziert werden muss. Wichtig ist das Erkennen und Beheben von Mängeln, um Ernteeinbussen zu vermeiden.
Die Nährstoffstrategie in der Blütephase unterscheidet sich deutlich von jener in der vegetativen Phase. Phosphor unterstützt unter anderem die Energieübertragung und ist an der Blütenbildung beteiligt, während Kalium eine zentrale Rolle bei der Wasserregulation, Festigkeit der Zellwände und Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress einnimmt. Ein zu hoher Stickstoffanteil in der späteren Blüte kann hingegen zu unerwünschtem Blattwachstum auf Kosten der Blütendichte führen und die Trocknung erschweren. Im professionellen Umfeld werden Leitfähigkeit (EC-Wert) und pH des Nährmediums regelmässig kontrolliert, um ein ausgewogenes Verhältnis der Nährstoffe sicherzustellen. Typische Mangelsymptome – wie Vergilben älterer Blätter, braune Blattspitzen oder schwache Blütenentwicklung – werden im Idealfall früh erkannt und dokumentiert, damit die Nährstofflösung sorgfältig angepasst werden kann. Im Schweizer Kontext, wo medizinische Cannabisprodukte strengen Qualitätsanforderungen unterliegen, wird häufig mit standardisierten Düngeschemata und lückenloser Protokollierung gearbeitet, um Reproduzierbarkeit zu gewährleisten, ohne unhaltbare Versprechen zur Ertragssteigerung abzugeben.
6. Geschlechterbestimmung: Weibliche Blüten vs. männliche Pollensäcke
Die Geschlechtsbestimmung erfolgt anhand der Bildung von Blütenkelchen und Pollensäcken. Weibliche Pflanzen sind für die Blütenbildung verantwortlich, während männliche Pflanzen entfernt werden sollten, um eine Bestäubung zu vermeiden.
Die klare Unterscheidung zwischen weiblichen und männlichen Pflanzen ist insbesondere für die Produktion von sinsemilla (samenlosen Blüten) von grosser Bedeutung. Weibliche Pflanzen bilden an den Knotenpunkten kleine Kelche mit zwei feinen, haarähnlichen Strukturen (Stigmen), die meist hell und später leicht verfärbt sind. Männliche Pflanzen entwickeln hingegen traubenartige Gebilde mit Pollensäcken, die sich im weiteren Verlauf öffnen können. In medizinisch ausgerichteten Anlagen in der Schweiz wird in der Regel mit feminisierten Samen oder Stecklingen aus genetisch stabilen Mutterpflanzen gearbeitet, um das Risiko männlicher Pflanzen zu minimieren. Dennoch ist eine visuelle Kontrolle der Bestände essenziell, um mögliche männliche Exemplare frühzeitig zu erkennen und zu entfernen. Auch zwittrige Pflanzen (mit männlichen und weiblichen Merkmalen) können auftreten und werden in der Praxis meist ausgesondert, um unerwünschte Bestäubung und damit Samenbildung zu vermeiden. Dies trägt dazu bei, dass die Blüten kompakt, wirkstoffreich und für die Weiterverarbeitung in standardisierte medizinische Produkte geeignet bleiben.
7. Herausforderungen und Problemlösungen in der Blütephase
- Mängel und Überdüngung vermeiden
- Effektive Schädlingsbekämpfung
- Management der Pflanzenhöhe und -dichte
Während der Blütephase treffen mehrere Herausforderungen zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Einerseits ist die Pflanze in einem intensiven Stoffwechselzustand, was sie empfindlicher auf Nährstoffschwankungen macht: Sowohl Unterversorgung als auch Überdüngung können die Blütenentwicklung beeinträchtigen. Andererseits steigt mit der Dichte und Grösse der Blüten das Risiko für Schädlinge und Krankheiten, insbesondere in engen Beständen und bei unzureichender Luftzirkulation. Ein strukturiertes Management umfasst deshalb die regelmässige visuelle Kontrolle von Blättern und Blüten auf Verfärbungen, Flecken oder Schädlinge, die Überwachung von Substratfeuchte und Nährstoffkonzentration sowie gegebenenfalls den vorsichtigen Einsatz zugelassener, möglichst schonender Pflanzenschutzstrategien. In professionellen Schweizer Anlagen werden integrierte Konzepte genutzt, die Kulturhygiene, präventive Massnahmen und gezielte Eingriffe kombinieren. Ebenso wichtig ist eine vorausschauende Planung der Pflanzenhöhe und -dichte, damit Licht, Luft und Pflegearbeiten jede Pflanze ausreichend erreichen. Diese Faktoren tragen zusammen dazu bei, dass die Blütephase stabil verläuft und die Pflanzen ihr genetisches Potenzial im Rahmen der gewählten Anbaustrategie möglichst gut ausschöpfen können.
8. Schlussfolgerung und vorbereitende Massnahmen für die Ernte
Die Vorbereitung auf die Ernte beinhaltet das Spülen der Pflanzen, um überschüssige Nährstoffe zu entfernen, und die Abstimmung des Erntezeitpunkts, um ein optimales Cannabinoidprofil zu gewährleisten.
Die letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte sind entscheidend, um die zuvor erarbeitete Blütenqualität zu sichern. Unter Spülen versteht man in diesem Zusammenhang das gezielte Reduzieren oder Weglassen konzentrierter Nährstofflösungen und den vermehrten Einsatz von Wasser mit angepasstem pH-Wert, damit verbleibende Nährstoffsalze aus dem Substrat und teilweise aus dem Pflanzengewebe ausgespült werden können. Dies kann sich positiv auf die spätere Trocknung und das Geschmackserleben der Blüten auswirken. Parallel erfolgt eine engmaschige Kontrolle der Trichomreife und des allgemeinen Pflanzenzustands, um das angestrebte Cannabinoid- und Terpenprofil möglichst gut zu treffen. In Schweizer Produktionsbetrieben werden oft standardisierte Protokolle verwendet, um Erntezeitpunkte besser vergleichen zu können. Nach der Ernte schliessen sich Trocknung und ggf. Fermentation unter kontrollierten Bedingungen an, die wesentlich zur mikrobiologischen Sicherheit und Stabilität beitragen. Eine sorgfältig geplante Blütephase mit klar dokumentierten Abläufen erleichtert es, wiederkehrend Produkte in gleichbleibender Qualität für den medizinischen Einsatz bereitzustellen.
Kurzüberblick: Wichtige Eckpunkte der Blütephase
Die Blütephase von Cannabis umfasst typischerweise 6 bis 10 Wochen und lässt sich grob in drei Abschnitte unterteilen: Stretch-Phase (Woche 1–3), Hauptblüte (Woche 4–6) und Reifephase (Woche 7 bis zur Ernte). Entscheidend für stabile Ergebnisse sind ein kontrollierter Lichtzyklus (z. B. 12/12 bei photoperiodischen Sorten), konstante Klimawerte im definierten Zielbereich, eine an die Blüte angepasste Nährstoffversorgung mit erhöhtem Phosphor- und Kaliumanteil sowie regelmässige Kontrollen der Pflanzen auf Nährstoffmängel, Schädlinge und Reifegrad. Für die medizinische Nutzung in der Schweiz stehen dabei Reproduzierbarkeit, Hygiene und dokumentierte Prozesse im Vordergrund, damit Patientinnen und Patienten verlässlich auf Produkte mit definierten Wirkstoffgehalten zugreifen können.
Erweiterte Inhalte zur Optimierung der Blütephase
Optimaler Einsatz von LST (Low Stress Training) während der Blüte
LST (Low Stress Training) bezeichnet eine Technik, bei der Triebe der Pflanze behutsam gebogen und fixiert werden, um eine gleichmässigere Lichtverteilung im Kronenbereich zu erreichen. Im Gegensatz zu stärker eingreifenden Methoden werden die Triebe nicht geschnitten, sondern vorsichtig geleitet. Idealerweise beginnt LST bereits in der späten vegetativen Phase und wird in den ersten Wochen der Blütephase angepasst, wenn sich das Streckwachstum zeigt. Im Indoor-Anbau in der Schweiz kann LST insbesondere in Anlagen mit begrenzter Raumhöhe helfen, den Abstand zur Beleuchtung zu optimieren und Hotspots zu vermeiden. Gleichzeitig verbessert sich die Durchlüftung zwischen den Blütenständen, was das Risiko von Feuchtigkeitsansammlungen reduziert. Aus Sicht der Qualitätskontrolle trägt LST dazu bei, dass mehr Blütenstandorte in einem ähnlichen Licht- und Klimaumfeld reifen, was zu einer homogeneren Blütenstruktur und einem konstanteren Wirkstoffprofil beitragen kann. Wichtig ist ein behutsames Vorgehen: Zu starkes Biegen oder ein abruptes Umpositionieren kann zu Bruchstellen führen, die die Pflanze schwächen. Regelmässige, kleine Anpassungen sind hier in der Praxis meist sinnvoller als einmalige starke Eingriffe.
Techniken zur Steuerung der Blütengrösse und -qualität: Entlaubung und Spitze
Unter Entlaubung versteht man das gezielte Entfernen einzelner Blätter, meist grosser Fächerblätter, um Licht und Luft besser in das Innere der Pflanze zu bringen. Spitzen (auch „Toppen“ genannt) beschreibt das Entfernen der obersten Triebspitze in der vegetativen Phase, um mehrere Haupttriebe zu fördern. Beide Techniken können, bei sorgfältiger Anwendung, die Blütenstruktur und Ausnutzung der Lichtfläche verbessern. Für den medizinisch orientierten Anbau in der Schweiz ist ein vorsichtiges, geplantes Vorgehen wichtig, da übertriebene Entlaubung oder unsachgemässe Schnitte Stress verursachen können, der sich auf Wachstum und Blütenentwicklung auswirkt. Häufig wird moderat entlaubt, um überlappende Blätter zu entfernen, die Blüten vollständig beschatten, während zugleich genügend Blattmasse für die Photosynthese erhalten bleibt. Das Toppen wird meist vor Beginn der Blütephase vorgenommen, um der Pflanze ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben. In der Blüte selbst beschränkt man sich in der Regel auf kleinere Korrekturen und gegebenenfalls das Entfernen sehr schwacher, lichtarmer Triebe („Popcorn-Buds“), wenn dies in das jeweilige Kulturschema passt. Ziel ist eine ausgewogene Pflanze mit mehreren gut belichteten Blütenstandorten, die unter einheitlichen Bedingungen reifen können.
Tabelle: Nährstoffe in der Blütephase
| Nährstoff | Optimale Konzentration | Funktion |
|---|---|---|
| Phosphor (P) | 50–70 ppm | Fördere das Blütenwachstum |
| Kalium (K) | 80–100 ppm | Stärkt die Zellstruktur |
| Stickstoff (N) | Reduziert ab Mitte der Blüte | Senkt den vegetativen Wuchs |
Die in der Tabelle aufgeführten Richtwerte geben einen groben Orientierungsrahmen für die Nährstoffversorgung in der Blütephase. In der Praxis werden diese Werte je nach Substrat, Anbausystem und Sorte angepasst, da unterschiedliche Genetiken variabel auf Nährstoffkonzentrationen reagieren können. Phosphor im Bereich von etwa 50–70 ppm wird häufig gewählt, um die energetischen Prozesse der Blütenbildung zu unterstützen, ohne die Wurzeln oder das Mikrobiom im Substrat zu überlasten. Kalium im Bereich von rund 80–100 ppm ist wesentlich für die Wasseraufnahme, die Enzymaktivität und die Stabilität der Zellwände, was indirekt auch die Standfestigkeit der schweren Blüten beeinflusst. Stickstoff wird im Verlauf der Blüte bewusst reduziert, um das Wachstum der Blattmasse zu bremsen und den Fokus der Pflanze auf die Blütenentwicklung zu lenken. Im Schweizer Kontext ist es üblich, diese Angaben mit regelmässigen Messungen von EC- und pH-Werten zu kombinieren, um eine stabile Nährstoffverfügbarkeit sicherzustellen. Dabei wird berücksichtigt, dass die hier genannten Zahlen Richtgrössen sind und nicht als starre Zielwerte verstanden werden sollten.
Bildliche Darstellung der Blütephase
Visuelle Eindrücke können helfen, die theoretisch beschriebenen Abläufe der Blütephase besser einzuordnen. Bilder von professionellen Indoor-Anlagen, Trichomstrukturen oder der wöchentlichen Entwicklung der Blüten verdeutlichen, wie sich die theoretischen Parameter in der Praxis widerspiegeln. Für Patientinnen und Patienten können solche Darstellungen nachvollziehbar machen, weshalb medizinische Cannabisblüten so sorgfältig angebaut, geerntet und verarbeitet werden und weshalb gewisse Schwankungen innerhalb eines definierten Rahmens normal sein können.
Praktischer Hinweis zur Sortenwahl
Die optimale Gestaltung der Blütephase hängt stark von der gewählten Cannabissorte ab. Unterschiedliche Genetiken variieren nicht nur in der Blütedauer, sondern auch in ihrer Reaktion auf Lichtintensität, Nährstoffstärken und Klimaeinstellungen. Im professionellen Umfeld werden deshalb häufig wenige, gut bekannte Sorten parallel kultiviert, um die individuellen Bedürfnisse im Detail zu verstehen und die Anbaubedingungen gezielt darauf abzustimmen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies, dass Produkte aus gefestigten Sortenreihen meist eine höhere Chargenkonstanz aufweisen, was für die medizinische Anwendung und die Abstimmung des Behandlungsschemas mit der behandelnden Fachperson hilfreich sein kann.
Evidena Care: Orientierung rund um medizinisches Cannabis
Die in diesem Leitfaden beschriebenen Aspekte der Blütephase sind insbesondere für den Anbau von medizinischem Cannabis relevant, wie er in der Schweiz unter regulierten Bedingungen stattfindet. Für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Fachpersonen kann es hilfreich sein, ergänzend Informationen zu Therapieansätzen, Vergleichsmöglichkeiten und Versorgungswegen zu kennen. Nachfolgend finden Sie strukturierte Einstiege in weiterführende Inhalte von Evidena Care, die einen sachlichen Überblick über die Nutzung von Cannabisarzneimitteln im Gesundheitswesen bieten.
Cannabis-Therapie
Erfahren Sie, wie medizinisches Cannabis in der Schweiz eingesetzt wird, welche Indikationen in Frage kommen und welche Rolle standardisierte Blüten und Extrakte in der ärztlichen Therapieplanung spielen.
Info-/Vergleichsportal
Nutzen Sie das Evidena Info- und Vergleichsangebot, um sich einen strukturierten Überblick über unterschiedliche Cannabisarzneimittel, Darreichungsformen und verfügbare Informationsquellen zu verschaffen.
Partner-Apotheken
Finden Sie Apotheken in der Schweiz, die Erfahrung mit der Abgabe von medizinischem Cannabis haben und Patientinnen sowie Fachpersonen bei praktischen Fragen zur Versorgung unterstützen können.
Allgemeine Fragen
Beantworten Sie häufige Fragen zu medizinischem Cannabis, rechtlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz und organisatorischen Abläufen rund um Verschreibung, Bezug und Anwendung.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Blütephase von Cannabis im medizinischen Anbau typischerweise?
In vielen medizinisch ausgerichteten Anbausystemen liegt die Blütephase photoperiodischer Cannabissorten in einem Bereich von etwa 6 bis 10 Wochen, gerechnet ab dem Umstellen des Lichtzyklus auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Die exakte Dauer hängt jedoch stark von der Genetik, der Anbaumethode und den Umgebungsbedingungen ab. Einige Sorten erreichen den gewünschten Reifegrad bereits nach rund 7 Wochen, andere benötigen eher 9 bis 10 Wochen. In professionellen Schweizer Anlagen wird der Erntezeitpunkt meist anhand des Trichomreifegrades und dokumentierter Erfahrungswerte für die jeweilige Sorte bestimmt.
Weshalb ist die Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Blütephase so wichtig?
Während der Blütephase bilden Cannabisblüten eine zunehmend dichte Struktur, in der sich Feuchtigkeit sammeln kann. Eine Temperatur von etwa 20 bis 25 °C und eine kontrolliert reduzierte Luftfeuchtigkeit senken das Risiko von Schimmelbildung und anderen pilzbedingten Problemen. Zugleich beeinflussen Temperatur- und Feuchtigkeitswerte den Stoffwechsel der Pflanze, die Harzbildung und das allgemeine Wachstum. In Schweizer Produktionsbetrieben werden diese Parameter kontinuierlich überwacht, um stabile Bedingungen zu schaffen und eine hohe, reproduzierbare Qualität der Blüten zu erreichen.
Wie erkenne ich den optimalen Erntezeitpunkt der Blüten?
Ein verbreiteter Ansatz zur Bestimmung des Erntezeitpunkts ist die Beobachtung der Trichome auf den Blüten mit einer Lupe oder einem Mikroskop. Solange die Trichome hauptsächlich klar erscheinen, gilt die Blüte als unreif. Im häufig angestrebten Reifestadium ist der grösste Teil der Trichome milchig, während ein kleiner Anteil bereits bernsteinfarben geworden ist. Zusätzlich werden Blütengrösse, Dichte, Aromaentwicklung und der allgemeine Pflanzenzustand einbezogen. In professionellen Schweizer Anlagen werden diese Beobachtungen oft in standardisierten Protokollen dokumentiert, um den Erntezeitpunkt von Charge zu Charge besser vergleichen zu können.
Welche Rolle spielen Nährstoffe in der Blütephase und warum wird Stickstoff reduziert?
In der Blütephase benötigt die Pflanze vermehrt Phosphor und Kalium, um Blütenbildung, Energiehaushalt und Zellstabilität zu unterstützen. Stickstoff, der vor allem das vegetative Wachstum fördert, wird im Verlauf der Blüte schrittweise reduziert, damit die Pflanze ihre Energie stärker in die Blütenentwicklung und Harzbildung investiert. Ein zu hoher Stickstoffgehalt in der späten Blüte kann zu übermässiger Blattmasse, lockereren Blüten und erschwerter Trocknung führen. Daher wird im medizinisch orientierten Anbau grossen Wert auf ein ausgewogenes Nährstoffprofil gelegt, das regelmässig über EC- und pH-Messungen überprüft wird.
Warum ist die Geschlechterbestimmung bei Cannabispflanzen relevant?
Für die Produktion von sinsemilla, also samenlosen Cannabisblüten, werden ausschliesslich weibliche Pflanzen verwendet. Männliche Pflanzen bilden Pollensäcke und können bei unbeabsichtigter Bestäubung dazu führen, dass weibliche Pflanzen ihre Energie in Samenbildung statt in die Blütenentwicklung investieren. Dies verringert die Blütendichte und kann das Wirkstoffprofil beeinflussen. In medizinischen Produktionsanlagen in der Schweiz werden männliche oder zwittrige Pflanzen daher in der Regel frühzeitig entfernt. Häufig wird zusätzlich mit feminisierten Samen oder Stecklingen gearbeitet, um das Risiko unerwünschter Geschlechter weiter zu reduzieren.
Quellen
- Swissmedic – Schweizerisches Heilmittelinstitut: Informationen zu Cannabisarzneimitteln und regulatorischem Rahmen.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Fachinformationen zu medizinischem Cannabis und gesetzlichen Grundlagen in der Schweiz.
- PubMed – Wissenschaftliche Publikationen zu Cannabispflanze, Blütephase und relevanten phytochemischen Prozessen.