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Cannabis bei Schmerzen: Evidenzlage und medizinische Anwendung

1 Min. Lesezeit
Cannabis bei Schmerzen: Evidenzlage und medizinische Anwendung

Chronische Schmerzen – definiert als Schmerzen, die länger als drei Monate andauern – betreffen in der Schweiz schätzungsweise 16 Prozent der Bevölkerung. Sie entstehen durch ein breites Spektrum an Ursachen und erfordern individuell abgestimmte Therapieansätze.

Chronische Schmerzen betreffen Millionen von Menschen und beeinträchtigen Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und soziale Teilhabe erheblich. Sie entstehen durch Schäden an Nerven, Gelenken oder Organen, aber auch durch zentralnervöse Sensibilisierungsprozesse ohne erkennbare Gewebeschädigung.

Formen chronischer Schmerzen

Zu den häufigsten Formen zählen neuropathische Schmerzen (z. B. Polyneuropathie, Zosterneuralgie), muskuloskelettale Schmerzen (z. B. Rückenschmerzen, Fibromyalgie), Tumorschmerzen sowie Kopfschmerzsyndrome. Jede Schmerzform erfordert ein angepasstes Therapiekonzept.

Multimodale Schmerztherapie

Der Goldstandard ist die multimodale Schmerztherapie, die medizinische, psychologische und physiotherapeutische Behandlungsbausteine verbindet. Physiotherapie, Bewegungstherapie und psychologische Begleitung sind feste Bestandteile moderner Schmerzbehandlung. Medikamentös kommen Analgetika, Antidepressiva, Antikonvulsiva sowie topische Wirkstoffe zum Einsatz.

Medizinisches Cannabis bei Schmerzen: Evidenzlage

Medizinisches Cannabis ist in der Schweiz für bestimmte Schmerzindikationen zugelassen, insbesondere bei neuropathischen Schmerzen und Tumorschmerzen, wenn konventionelle Therapien unzureichend wirken. Die Evidenz für die Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen gilt als moderat bis gut. Systematische Reviews zeigen eine statistisch signifikante, wenn auch klinisch moderate Schmerzreduktion.

Voraussetzungen für eine Cannabis-Therapie

In der Schweiz ist medizinisches Cannabis verschreibungspflichtig. Ein Arzt beurteilt, ob die Indikation vorliegt und ob konventionelle Optionen ausgeschöpft wurden. Die Verschreibung erfolgt im Rahmen eines Therapieplans mit regelmässiger Verlaufskontrolle.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen: Cannabis bei Schmerzen

Bei welchen Schmerzen wirkt Cannabis am besten?

Die stärkste Evidenz besteht für neuropathische Schmerzen (z.B. durch Diabetes, MS, HIV, Chemotherapie). Bei akuten oder entzündlichen Schmerzen ist die Evidenz schwächer.

Ersetzt Cannabis starke Schmerzmittel?

In der Regel ergänzt es bestehende Therapien. Bei manchen Patientinnen und Patienten kann es die benötigte Opioidmenge reduzieren. Ein vollständiger Ersatz ist nicht für alle möglich.

Wie schnell wirkt Cannabis gegen Schmerzen?

Bei Inhalation (Vaporizer): 5–15 Minuten. Bei oraler Einnahme (Öl, Kapseln): 45–120 Minuten. Für akute Schmerzdurchbrüche ist die Inhalation daher besser geeignet.

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