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Medizinisches Cannabis in der Schweiz: Anwendung, Recht und digitale Therapie

10 Min. Lesezeit
Ärztin in der Schweiz führt eine telemedizinische Beratung zur Cannabis-Therapie mit einer Patientin am Laptop durch

Medizinisches Cannabis hat sich in der Schweiz seit der Gesetzesänderung 2022 zu einer wichtigen Therapieoption bei ausgewählten chronischen Beschwerden entwickelt. Gleichzeitig eröffnen Telemedizin und digitale Prozesse neue, rechtssichere Wege vom ersten Beratungsgespräch bis zum Rezept und zur angebundenen Apotheke. Diese Seite gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über Chancen, Grenzen und den praktischen Ablauf einer Cannabis-Therapie in der Schweiz. - Verständnis des rechtlichen Rahmens und der Rolle von Ärzt:innen, Apotheken und Behörden - Überblick über häufige Indikationen, Anwendungsformen und Sicherheitsaspekte - Einblick, wie Evidena Care den digitalen Zugang zur Cannabis-Therapie in der Schweiz erleichtert

Einordnung: Was bedeutet medizinisches Cannabis in der Schweiz?

Unter medizinischem Cannabis versteht man in der Schweiz Cannabisarzneimittel, die zu therapeutischen Zwecken unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Dazu gehören Extrakte, Öle, Tinkturen, Kapseln oder standardisierte Blüten, welche die Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) in definierter Qualität enthalten. Im Unterschied zum Freizeitkonsum stehen beim medizinischen Einsatz nicht Rauschwirkung oder Lifestyle im Vordergrund, sondern die Linderung belastender Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen.

Seit der Gesetzesänderung 2022 ist die Verordnung von Cannabisarzneimitteln in die reguläre ärztliche Therapiefreiheit integriert. Das bedeutet: Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt entscheidet nach sorgfältiger Abklärung, ob eine Cannabis-Therapie in Ihrer Situation sinnvoll erscheinen könnte – meist als ergänzende Option, wenn etablierte Behandlungen nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden. Damit die Therapie sicher und nachvollziehbar bleibt, gelten strenge Anforderungen an Qualität, Dokumentation, Meldung an die Behörden und – wo sinnvoll – die telemedizinische Begleitung.

Infografik zum Cannabinoid-Spektrum von medizinischem Cannabis

Rechtlicher Rahmen: Gesetzliche Grundlagen und Rolle der Behörden

Die Schweiz zählt Cannabis grundsätzlich zu den verbotenen Betäubungsmitteln. Mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) wurde per 1. August 2022 jedoch das Verbot für die medizinische Anwendung aufgehoben. Damit ist die Verschreibung von Cannabisarzneimitteln heute grundsätzlich möglich, sofern sie durch eine Ärztin oder einen Arzt verantwortet und im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorgaben erfolgt.

Aufhebung der Ausnahmebewilligung und Pflichten der Ärzt:innen

Vor 2022 war für jede Behandlung mit THC-haltigen Cannabisarzneimitteln eine individuelle Ausnahmebewilligung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) notwendig. Diese Hürde entfällt heute. Ärztinnen und Ärzte können Cannabisarzneimittel im Rahmen ihrer Therapiefreiheit verordnen, ohne vorgängige Bewilligung. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, während der ersten beiden Behandlungsjahre bestimmte Therapiedaten anonymisiert oder pseudonymisiert an das BAG zu melden. Erfasst werden typischerweise Indikation, Dosierung, Darreichungsform, Behandlungsdauer sowie beobachtete Wirkungen und Nebenwirkungen.

Diese Datenerhebung ist bis 2029 befristet und dient dazu, die Versorgungsrealität besser zu verstehen und die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabisarzneimitteln systematisch zu ergänzen. Für Sie als Patient:in bedeutet dies mehr Transparenz und langfristig klarere Empfehlungen, ohne dass individuelle Gesundheitsdaten öffentlich werden.

Swissmedic und Qualitätsanforderungen

Mit der Gesetzesänderung wurden Anbau, Verarbeitung, Herstellung und Handel von medizinischem Cannabis dem Bewilligungs- und Kontrollsystem von Swissmedic unterstellt – ähnlich wie bei anderen Betäubungsmitteln wie Morphin oder Methadon. Nur Betriebe mit entsprechender Bewilligung dürfen Cannabisarzneimittel herstellen oder vertreiben. Das garantiert, dass Produkte, die in Apotheken oder Spitälern eingesetzt werden, definierte Qualitätsstandards erfüllen, etwa in Bezug auf Reinheit, Gehalt an THC und CBD, mikrobiologische Sicherheit und Rückstandskontrollen.

Für Patient:innen ist dieser Aspekt zentral: Anders als bei Produkten aus dem Freizeit- oder Graumarkt wissen Sie bei einem medizinischen Cannabisarzneimittel, dass es nach pharmazeutischen Standards geprüft wurde. Gleichzeitig obliegt die Wahl des passenden Präparates immer der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt in Zusammenarbeit mit einer qualifizierten Apotheke.

Vergütung durch Krankenkassen: Aktueller Stand

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung vergütet Cannabisarzneimittel in der Schweiz bislang nur in Ausnahmefällen. Hintergrund ist, dass die derzeitige Studienlage für eine generelle Aufnahme in die Pflichtleistungen noch als unzureichend beurteilt wird. Dennoch können einzelne Kassen nach individueller Prüfung eine Kostengutsprache erteilen – insbesondere bei schweren, therapieresistenten Beschwerden und wenn andere Optionen ausgeschöpft sind.

In der Praxis bedeutet das: Häufig müssen Ärzt:innen eine begründete Kostengutsprache bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Je genauer Indikation, bisherige Therapieversuche, erwarteter Nutzen und mögliche Risiken dargestellt sind, desto besser lässt sich der Antrag prüfen. Digitale Plattformen wie Evidena Care können diesen Prozess strukturiert unterstützen, indem medizinische Dokumente, Berichte und Verlaufsdaten zentral und datenschutzkonform verfügbar sind.

Grafik zur rechtlichen THC-Grenze und Regulierung von Cannabis in der Schweiz

Indikationen: Wann kommt medizinisches Cannabis in Frage?

Medizinisches Cannabis ist keine Allzwecklösung, sondern wird in der Schweiz vor allem bei ausgewählten, meist chronischen Krankheitsbildern eingesetzt. Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie erfolgt immer individuell, basierend auf Diagnose, bisherigen Behandlungsversuchen, Ihrer persönlichen Situation und einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung durch die Ärztin oder den Arzt.

Chronische Schmerzen und neuropathische Beschwerden

Ein zentrales Einsatzgebiet sind chronische Schmerzzustände, zum Beispiel:

  • Neuropathische Schmerzen (z. B. nach Nervenschädigungen, Polyneuropathie)
  • Schmerzen im Rahmen einer Krebserkrankung
  • Schmerzen bei bestimmten rheumatologischen oder entzündlichen Erkrankungen

Bei chronischen Schmerzen steht häufig nicht die vollständige Schmerzfreiheit im Vordergrund, sondern eine spürbare Linderung und eine bessere Funktionsfähigkeit im Alltag. Cannabisarzneimittel können in ausgewählten Fällen helfen, Schmerzintensität und Schmerzspitzen zu reduzieren. Dabei werden sie oft ergänzend zu anderen therapeutischen Bausteinen eingesetzt, etwa Physiotherapie, Schmerzbewältigungstraining, Bewegungskonzepten oder etablierten Analgetika. Ob diese Kombination für Sie geeignet ist, wird im ärztlichen Gespräch geklärt – zunehmend auch telemedizinisch, was Wege und Wartezeiten reduziert.

Spastik und neurologische Erkrankungen

Ein weiteres wichtiges Indikationsfeld sind Spastik und Krämpfe, zum Beispiel bei:

  • Multipler Sklerose (MS)
  • anderen neurologischen Erkrankungen mit muskulärer Spastik
  • bestimmten Bewegungsstörungen

Zahlreiche Erfahrungsberichte und Studien weisen darauf hin, dass Cannabisarzneimittel bei einem Teil der Betroffenen Muskeltonus, Krampfneigung und damit verbundene Schmerzen reduzieren können. Dies kann etwa zu einer verbesserten Mobilität oder erholsameren Nachtruhe beitragen. Wichtig ist jedoch, dass die Behandlung in enger fachärztlicher Begleitung erfolgt, um Wirksamkeit und allfällige Nebenwirkungen regelmässig zu überprüfen. Dank Telemedizin lassen sich Verlaufskontrollen auch bequem von zu Hause aus durchführen – mit dokumentierten Fragebögen, Videosprechstunden und digital übermittelten Medikamentenplänen.

Übelkeit, Appetitverlust und onkologische Situationen

In der Onkologie werden Cannabisarzneimittel vor allem eingesetzt bei:

  • therapieresistenter Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie
  • ausgeprägtem Appetitverlust mit ungewollter Gewichtsabnahme
  • kombinierten Beschwerden aus Schmerzen, Übelkeit und Schlafstörungen

Hier steht meist die Symptomkontrolle im Vordergrund: Wenn etablierte Antiemetika nicht ausreichend wirken, kann ein THC- oder THC/CBD-haltiges Präparat eine zusätzliche Option sein. Auch Appetit und Schlaf können sich bei einigen Patient:innen verbessern. Eine Cannabis-Therapie ersetzt dabei keine onkologische Standardbehandlung, sondern kann ergänzend eingesetzt werden, um den Alltag mit der Erkrankung besser zu bewältigen. Onkolog:innen und Hausärzt:innen entscheiden gemeinsam mit Ihnen, ob dieser Ansatz sinnvoll ist – unterstützt durch aktuelle Leitlinien, Studien und die vom BAG geforderte strukturierte Dokumentation.

Infografik zu medizinischen Indikationen für Cannabis in der Schweiz

Wirkstoffe und Anwendungsformen: THC, CBD und pharmazeutische Optionen

Die zwei bekanntesten Cannabinoide im medizinischen Kontext sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Sie greifen an unterschiedlichen Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems im Körper an und entfalten so verschiedene Effekte.

THC und CBD: Unterschiede in Wirkung und Nebenwirkungen

THC ist vor allem für psychoaktive Effekte bekannt, kann aber auch schmerzlindernde, muskelentspannende und appetitanregende Wirkungen haben. In zu hoher Dosierung können unerwünschte Effekte auftreten, etwa Müdigkeit, Schwindel, kurzfristige Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit oder – insbesondere bei entsprechender Veranlagung – psychische Beschwerden wie Angst oder Unruhe.

CBD hat kein berauschendes Potenzial und wirkt eher entspannend sowie angst- oder spannungsmindernd. Viele medizinische Präparate kombinieren THC und CBD in unterschiedlichen Verhältnissen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und gleichzeitig das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen zu begrenzen. Welches Verhältnis für Sie sinnvoll ist, wird im ärztlichen Gespräch festgelegt und kann in der Folge langsam angepasst werden.

Grafik zum Vergleich von THC und CBD

Medizinische Darreichungsformen

In der Schweiz werden im medizinischen Bereich vor allem folgende Anwendungsformen genutzt:

  • Öle und Tinkturen zum Einnehmen (oral oder sublingual)
  • Kapseln mit definiertem THC/CBD-Gehalt
  • standardisierte Extrakte für Magistralrezepturen
  • medizinische Cannabisblüten zur Inhalation (z. B. über geeignete Verdampfer)

Öle und Tinkturen ermöglichen eine vergleichsweise feine Dosierung und werden häufig als Einstiegsform gewählt. Kapseln bieten eine klare, reproduzierbare Dosis, sind jedoch weniger flexibel. Die Inhalation über medizinische Vaporizer kann bei bestimmten Indikationen eine rasch einsetzende Wirkung bringen; sie sollte jedoch nur mit exakt dosierbaren, geprüften Produkten und unter klaren ärztlichen Anweisungen erfolgen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, welche Form sich am besten mit Ihrem Alltag, Ihren Vorerkrankungen und Ihren Therapiezielen vereinbaren lässt.

Übersicht medizinischer Anwendungsformen von Cannabis

Magistralrezepturen und Rolle der Apotheken

Ein grosser Teil der Cannabisarzneimittel in der Schweiz wird als sogenannte Magistralrezeptur hergestellt. Das sind individuell für eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patienten in der Apotheke produzierte Arzneimittel, basierend auf einem ärztlichen Rezept.

Was ist eine Magistralrezeptur?

Magistralrezepturen werden von Apotheken unter Einhaltung von Good Manufacturing Practice (GMP) und gemäss dem Schweizerischen Arzneibuch (Pharmakopöe Helvetica) hergestellt. Sie erlauben es, Dosierung, Wirkstoffverhältnis (z. B. THC:CBD), Trägersubstanz und Darreichungsform genau an die Bedürfnisse der einzelnen Person anzupassen. Das ist insbesondere dann wertvoll, wenn keine passende Fertigarznei verfügbar ist oder eine schrittweise Dosisanpassung erforderlich ist.

Für Sie als Patient:in hat dies zwei Vorteile: Erstens erhalten Sie ein Produkt, dessen Zusammensetzung exakt dokumentiert ist. Zweitens ist Ihre Apotheke eine wichtige Ansprechpartnerin für praktische Fragen zur Anwendung, Haltbarkeit, Lagerung und zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Evidena Care arbeitet mit ausgewählten Schweizer Partnerapotheken zusammen, die über ausgewiesene Erfahrung in der Herstellung von Cannabis-Magistralrezepturen verfügen.

Zusammenspiel von Ärzt:innen, Telemedizin und Apotheken

Der Weg von der Diagnose zur fertigen Magistralrezeptur umfasst mehrere Schritte:

  • ärztliche Abklärung (Anamnese, bisherige Therapien, Indikationsstellung)
  • gemeinsame Therapieentscheidung und Aufklärung über Chancen und Risiken
  • Ausstellung eines Rezepts, oft über ein digitales eRezept-System
  • Herstellung der Magistralrezeptur in einer befugten Apotheke

Digitale Plattformen wie Evidena Care unterstützen diese Abläufe, indem die telemedizinische Beratung, die rechtssichere Rezeptübermittlung und die Anbindung an eine geeignete Partnerapotheke auf einer Plattform zusammengeführt werden. Sie müssen keine Papierrezepte per Post versenden, sondern können die einzelnen Behandlungsschritte koordiniert, datenschutzkonform und ortsunabhängig durchlaufen.

Digitale Prozesse: Wie Evidena Care den Zugang erleichtert

Evidena Care versteht sich als digitale Gesundheitsplattform, welche telemedizinische Expertise, moderne Therapieoptionen wie medizinisches Cannabis und einen strukturierten Apothekenservice vereint. Ziel ist es, Ihnen einen transparenten, rechtssicheren und möglichst barrierearmen Zugang zur Cannabis-Therapie zu ermöglichen – unabhängig davon, ob Sie in einer Grossstadt oder in einer ländlichen Region wohnen.

Telemedizinische Beratung

Über Evidena können Sie online einen Termin mit spezialisierten Ärzt:innen vereinbaren. Das Gespräch findet per Video statt – sicher verschlüsselt und datenschutzkonform. In diesem Rahmen werden Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, bisherigen Therapien und Erwartungen an eine mögliche Cannabis-Therapie strukturiert erfasst. Am Ende steht entweder die Empfehlung für eine andere Therapieform oder, falls medizinisch begründet, die Einleitung einer Cannabis-Therapie.

Der Vorteil telemedizinischer Konsultationen liegt auf der Hand: Sie sparen Anfahrtswege, vermeiden Wartezimmer und bleiben in Ihrer vertrauten Umgebung. Gerade bei chronischen Beschwerden, eingeschränkter Mobilität oder bei Patient:innen, die weiter entfernt von spezialisierten Praxen wohnen, kann dies eine spürbare Entlastung bringen.

Digitaler Rezept- und Apothekenservice

Stellt die Ärztin oder der Arzt fest, dass ein Cannabisarzneimittel sinnvoll sein könnte, kann das Rezept digital über die Plattform an eine geeignete Partnerapotheke übermittelt werden. Diese prüft das Rezept, stellt – sofern notwendig – die Magistralrezeptur her und informiert Sie, sobald das Medikament bereitsteht oder versendet wird. Die Kommunikation bleibt dabei zwischen den beteiligten Gesundheitsfachpersonen und Ihnen klar strukturiert und nachvollziehbar.

Ablauf vom Online-Arzttermin bis zum Cannabis-Rezept und zur Apotheke

Dosierung, Titration und Sicherheit in der Cannabis-Therapie

Ein zentrales Prinzip in der Cannabis-Therapie lautet: «Start low, go slow» – langsam einschleichen, schrittweise anpassen. Gerade bei THC-haltigen Präparaten ist es wichtig, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und die Wirkung über mehrere Tage zu beobachten, bevor eine weitere Steigerung erfolgt. So kann das Risiko für unerwünschte Wirkungen reduziert und die individuell passende Dosis gefunden werden.

Typischerweise umfasst eine sichere Therapieplanung:

  • eine klare Startdosis, festgelegt durch die Ärztin oder den Arzt
  • ein schriftlicher Plan zur langsamen Dosissteigerung (Titration)
  • regelmässige Verlaufskontrollen – telemedizinisch oder vor Ort
  • die Besprechung möglicher Nebenwirkungen und Warnsignale

Telemedizin erleichtert diese Phase, weil Rückfragen, Anpassungen und kurze Verlaufschecks ohne grossen organisatorischen Aufwand möglich sind. Über Evidena Care können solche Kontrolltermine strukturiert geplant, dokumentiert und bei Bedarf mit Fragebögen zu Schmerz, Schlaf oder Alltagsfunktion ergänzt werden.

Schema zur Dosierung und Titration von medizinischem Cannabis

Forschung, Daten und Zukunftsperspektiven

Die medizinische Anwendung von Cannabis befindet sich in der Schweiz in einer dynamischen Entwicklungsphase. Das BAG finanziert und koordiniert verschiedene Forschungsprojekte, systematische Übersichtsarbeiten und Begleitforschungen. Ziel ist es, die Evidenzbasis für unterschiedliche Indikationen, Dosierungsschemata und Darreichungsformen zu stärken.

Die aktuell laufende Datenerhebung durch verschreibende Ärztinnen und Ärzte bis 2029 ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie. Sie ermöglicht einen Einblick in die reale Versorgungssituation: Welche Patientengruppen erhalten Cannabisarzneimittel? Welche Symptome stehen im Vordergrund? Welche Wirkungen und Nebenwirkungen werden im Verlauf beobachtet? Auf dieser Grundlage können zukünftige Empfehlungen präziser werden – etwa zu sinnvollen Indikationen, Mindestanforderungen an die Dokumentation oder zu Fragen der Vergütung durch die Krankenversicherung.

Digitale Plattformen wie Evidena Care können diese Entwicklung unterstützen, indem sie standardisierte Dokumentationsprozesse, strukturierte Nachverfolgung und den sicheren Austausch relevanter Informationen zwischen Ärzt:innen, Patient:innen, Apotheken und – wo notwendig – Behörden erleichtern. So entsteht schrittweise ein Gesundheitssystem, in dem innovative Therapien wie medizinisches Cannabis verantwortungsvoll, evidenzbasiert und patientenzentriert eingesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis in der Schweiz

Benötige ich für medizinisches Cannabis noch eine Ausnahmebewilligung des BAG?

Nein. Seit dem 1. August 2022 ist für die ärztliche Verschreibung von Cannabisarzneimitteln keine individuelle Ausnahmebewilligung des BAG mehr erforderlich. Ärztinnen und Ärzte können im Rahmen ihrer Therapiefreiheit Cannabisarzneimittel verordnen. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, während der ersten beiden Behandlungsjahre anonymisierte Therapiedaten an das BAG zu melden, um Forschung und Versorgungsplanung zu unterstützen.

Wird meine Cannabis-Therapie von der Krankenkasse bezahlt?

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt Cannabisarzneimittel derzeit nur in begründeten Einzelfällen. In vielen Situationen ist eine vorgängige Kostengutsprache durch die Krankenkasse notwendig, welche von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beantragt wird. Ob eine Kostenübernahme erfolgt, hängt von der Indikation, bisherigen Therapieversuchen, der individuellen Situation und der internen Beurteilung der Kasse ab. Eine Garantie auf Vergütung gibt es aktuell nicht.

Kann ich mein bisheriges CBD-Produkt aus dem Shop einfach weiterverwenden?

Produkte aus CBD-Shops oder Drogerien sind in der Regel nicht als Arzneimittel zugelassen und erfüllen oft nicht die gleichen Qualitäts- und Dokumentationsstandards wie Cannabisarzneimittel aus der Apotheke. Für eine medizinische Therapie sollten Sie ausschliesslich von Ärzt:innen verschriebene und in Apotheken hergestellte oder abgegebene Präparate verwenden. Nur so sind Dosierung, Wirkstoffgehalt und Reinheit nachvollziehbar, und Ihre Behandlung kann seriös dokumentiert und bewertet werden.

Wie schnell wirkt medizinisches Cannabis und wie lange dauert die Therapie?

Wirkeintritt und Wirkungsdauer hängen von der Darreichungsform, der Dosis und Ihrer individuellen Situation ab. Inhalativ aufgenommene Präparate wirken meist innerhalb von Minuten, oral eingenommene Öle oder Kapseln eher nach 30 bis 90 Minuten. Eine Cannabis-Therapie wird in der Regel über mehrere Wochen sorgfältig eingeschlichen und dann regelmässig überprüft. Ob sie längerfristig fortgesetzt wird, hängt davon ab, ob sich ein klinisch relevanter Nutzen bei akzeptablen Nebenwirkungen zeigt.

Ist medizinisches Cannabis sicher und macht es abhängig?

Wie jedes wirksame Medikament kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen haben. Dazu gehören zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit oder in höheren Dosen auch psychische Effekte wie Unruhe oder Angst. Das Risiko für eine Abhängigkeit ist bei kontrollierter, ärztlich begleiteter Anwendung und vorsichtiger Dosierung geringer als beim unkontrollierten Freizeitkonsum, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Deshalb ist eine strukturierte Verlaufsbeobachtung und Aufklärung Teil jeder seriösen Cannabis-Therapie.

Darf ich mit medizinischem Cannabis Auto fahren oder Maschinen bedienen?

THC kann die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit beeinträchtigen. Ob Sie Auto fahren dürfen, hängt von der Dosis, der individuellen Verträglichkeit und der konkreten Situation ab. Generell gilt: Solange Sie sich schläfrig, benommen oder in Ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt fühlen, sollten Sie weder ein Fahrzeug lenken noch gefährliche Maschinen bedienen. Besprechen Sie diese Frage unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, der Ihre Situation am besten einschätzen kann.

Wie unterstützt mich Evidena Care konkret bei der Cannabis-Therapie?

Evidena Care bietet Ihnen telemedizinische Beratung durch spezialisierte Ärzt:innen, eine digitale Terminplanung und – falls medizinisch sinnvoll – die rechtssichere Ausstellung von Rezepten für Cannabisarzneimittel. Über die Plattform können Rezepte direkt an Partnerapotheken übermittelt werden, welche Magistralrezepturen herstellen und Sie bei praktischen Fragen unterstützen. Gleichzeitig profitieren Sie von einer datenschutzkonformen Dokumentation und strukturierten Nachsorge, ohne lange Wege in Kauf nehmen zu müssen.

Quellen

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