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Cannabis in der Medizin in der Schweiz: Recht, Therapie und Telemedizin

12 Min. Lesezeit
Ärztin in der Schweiz führt eine telemedizinische Beratung zu medizinischem Cannabis mit einem Patienten durch

Medizinisches Cannabis hat sich in der Schweiz zu einer wichtigen Therapieoption entwickelt – insbesondere für Patient:innen mit chronischen Beschwerden. Gleichzeitig hat die Gesetzgebung seit 2022 den Zugang erheblich vereinfacht und Telemedizin eröffnet neue, digitale Wege zur Behandlung. - Verständlicher Überblick zur Rechtslage von Cannabis in der Schweiz - Medizinische Einsatzgebiete, Wirkstoffe und Darreichungsformen erklärt - Wie Sie über Telemedizin rechtssicher zu einer Cannabis-Therapie gelangen

Das medizinische Verständnis von Cannabis hat sich in der Schweiz in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Patient:innen, Ärzt:innen und Behörden beschäftigen sich intensiv mit Chancen, Risiken und rechtlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig eröffnen Telemedizin und digitale Gesundheitsplattformen neue, komfortable Wege, um eine mögliche Cannabis-Therapie strukturiert und sicher zu prüfen. Dieser Beitrag richtet sich an Personen, die sich fundiert über medizinisches Cannabis in der Schweiz informieren möchten – ohne Werbebotschaften, aber mit klarem Fokus auf Rechtssicherheit, medizinischer Seriosität und praktischer Umsetzbarkeit.

Rechtliche Grundlagen von Cannabis in der Schweiz

In der Schweiz hängt die rechtliche Einordnung von Cannabis wesentlich vom THC-Gehalt und vom Verwendungszweck ab. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der psychoaktive Wirkstoff, der für die berauschende Wirkung verantwortlich ist. Ab einem THC-Gehalt von 1 % gilt Cannabis als Betäubungsmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG). Anbau, Einfuhr, Herstellung, Inverkehrbringen und Konsum sind in diesem Bereich grundsätzlich verboten und strafbar, es sei denn, es handelt sich um klar definierte Ausnahmen – darunter der medizinische Einsatz. Produkte mit weniger als 1 % THC fallen nicht unter das BetmG, sie werden je nach Einsatzzweck etwa über das Lebensmittelgesetz, Heilmittelgesetz oder das Tabakproduktegesetz reguliert.

Seit dem 1. August 2022 wurde der Zugang zu medizinischem Cannabis deutlich erleichtert. Betäubungsmittel des Wirkungstyps Cannabis, die zu medizinischen Zwecken verwendet werden, sind nun beschränkt verkehrsfähig. Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz dürfen Cannabisarzneimittel verschreiben, ohne zuvor eine Einzelfallbewilligung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) einzuholen. Die Verantwortung für Indikationsstellung, Dosierung und Verlaufskontrolle liegt bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Parallel dazu laufen in einigen Städten und Kantonen Pilotversuche zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken – diese sind klar vom medizinischen Einsatz zu trennen.

THC, CBD und gesetzliche Schwellenwerte

Für Patient:innen ist es hilfreich, die wichtigsten Begriffe zu kennen: THC (Tetrahydrocannabinol) ist der psychoaktive Hauptwirkstoff der Cannabispflanze und unterliegt ab 1 % strengen betäubungsmittelrechtlichen Vorgaben. CBD (Cannabidiol) ist nicht berauschend und wird unter anderem wegen möglicher krampflösender, entzündungshemmender oder angstlösender Effekte erforscht. CBD-Produkte mit weniger als 1 % THC gelten in der Schweiz rechtlich nicht als Betäubungsmittel, sie müssen aber je nach Produktkategorie andere Anforderungen erfüllen – etwa jene des Heilmittel- oder Lebensmittelrechts. In der medizinischen Praxis werden häufig standardisierte Präparate eingesetzt, in denen THC- und CBD-Gehalt genau definiert sind. So lässt sich die Therapie kontrolliert anpassen. Für die Verordnung von Cannabisarzneimitteln mit mehr als 1 % THC ist eine ärztliche Verschreibung notwendig; der Eigenanbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken ist dagegen weiterhin nicht erlaubt.

Grafische Darstellung der gesetzlichen THC-Grenze von 1 Prozent in der Schweiz

Medizinische Wirkstoffe: Cannabinoide und ihr Potenzial

Die Cannabispflanze enthält eine Vielzahl von Wirkstoffen, vor allem Cannabinoide wie THC und CBD. Beide werden intensiv erforscht und spielen in der medizinischen Anwendung eine wichtige Rolle. THC wirkt unter anderem schmerzlindernd, muskelentspannend und appetitanregend, kann aber auch Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder kognitive Beeinträchtigungen verursachen. CBD wird eher mit möglichen antiepileptischen, angstlösenden oder entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht und hat kein klassisches Rauschpotenzial. Viele Arzneimittel kombinieren THC und CBD in unterschiedlichen Verhältnissen, um eine bestimmte therapeutische Wirkung zu erzielen.

Entscheidend ist, dass die Wirkung von Cannabis sehr individuell ausfallen kann. Faktoren wie Körpergewicht, Stoffwechsel, bisherige Medikamenteneinnahme, psychische Verfassung und Konsumerfahrung spielen eine Rolle. Deshalb erfolgt eine Therapie mit medizinischem Cannabis in der Regel schrittweise („Start low, go slow“). Ärzt:innen beginnen meist mit einer niedrigen Dosis und steigern diese vorsichtig, bis ein sinnvolles Verhältnis zwischen möglichem Nutzen und Nebenwirkungen erreicht ist. Für Patient:innen ist es wichtig zu verstehen, dass eine Cannabis-Therapie kein Standardrezept ist, sondern ein individueller Prozess.

Infografik zu THC und CBD als zentrale Cannabinoide

Spektrum der Cannabinoide und Terpene

Neben THC und CBD existiert ein breites Spektrum weiterer Cannabinoide wie CBG, CBN oder CBC, die Gegenstand aktueller Forschung sind. Zudem enthält die Pflanze aromatische Verbindungen, sogenannte Terpene, die Geruch und Geschmack prägen und möglicherweise die Wirkung der Cannabinoide beeinflussen. Man spricht hier teilweise vom „Entourage-Effekt“, also dem Zusammenspiel mehrerer Substanzen. In der medizinischen Praxis kommen sowohl isolierte Wirkstoffe (z. B. reines CBD) als auch Vollspektrumextrakte zum Einsatz. Welches Produkt geeignet ist, hängt von der Diagnose, dem gewünschten Wirkungsspektrum, der Verträglichkeit und den rechtlichen Vorgaben ab.

Übersicht über das Cannabinoid-Spektrum und Terpene

Typische Anwendungsgebiete von medizinischem Cannabis

Gemäss den aktuellen Vorgaben und der Praxis in der Schweiz wird medizinisches Cannabis vor allem bei Patient:innen eingesetzt, bei denen etablierte Therapien nicht ausreichend wirksam oder nicht gut verträglich waren. Die Entscheidung erfolgt immer individuell. Häufige Einsatzgebiete sind chronische Schmerzen, spastische Beschwerden, Appetitverlust und Übelkeit im Rahmen bestimmter Erkrankungen sowie ausgewählte neurologische Krankheitsbilder.

Chronische Schmerzen und neuropathische Beschwerden

Chronische Schmerzen zählen zu den häufigsten Gründen, weshalb Ärzt:innen eine Cannabis-Therapie in Erwägung ziehen. Dazu gehören unter anderem neuropathische Schmerzen nach Nervenschädigungen, Schmerzen bei Multipler Sklerose oder tumorbedingte Schmerzen im Rahmen einer Krebserkrankung. THC-haltige Präparate können in manchen Fällen Schmerzen und Leidensdruck reduzieren und so helfen, die Lebensqualität zu stabilisieren. Eine vollständige Schmerzfreiheit ist jedoch selten und kann nicht versprochen werden. Oft wird Cannabis in Kombination mit anderen Schmerzmedikamenten eingesetzt, um deren Dosis gegebenenfalls reduzieren zu können.

Neurologische Erkrankungen und Spastik

Bei Multipler Sklerose oder Rückenmarkserkrankungen können Muskelspastiken zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen. Hier werden in der Schweiz standardisierte Cannabisarzneimittel eingesetzt, um Spastiken zu lindern. Auch bestimmte Formen der Epilepsie – vor allem therapieresistente kindliche Epilepsien – werden in spezialisierten Zentren mit CBD-reichen Arzneimitteln behandelt. Solche Therapien erfolgen stets unter neurologischer Fachbetreuung und mit engmaschiger Überwachung, da sie komplexe Fragestellungen zu Dosierung, Wirksamkeit und Interaktionen mit anderen Medikamenten aufwerfen.

Grafik mit typischen medizinischen Indikationen für Cannabis-Therapie

Onkologie, Übelkeit, Appetitverlust

Im onkologischen Bereich kann medizinisches Cannabis unter anderem zur Linderung von tumorbedingten Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit beitragen. Insbesondere bei Patient:innen, die unter Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden oder stark an Gewicht verlieren, prüfen Ärzt:innen gelegentlich eine begleitende Cannabis-Therapie. Hier geht es nicht um eine Behandlung des Tumors selbst, sondern um Symptomkontrolle und Verbesserung der Alltagsbewältigung. Die Einsatzentscheidung erfolgt sorgfältig, insbesondere wenn bereits mehrere Medikamente wie Opioide, Antiemetika oder Psychopharmaka verwendet werden.

Psychische Symptome: Schlaf, Angst, Belastung

Viele Patient:innen berichten von Schlafstörungen, innerer Unruhe oder Angstzuständen im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen. Cannabis kann in Einzelfällen zur Entspannung beitragen, gleichzeitig besteht jedoch bei THC-haltigen Präparaten das Risiko, dass psychische Beschwerden verstärkt oder ausgelöst werden – etwa bei Personen mit einer Neigung zu Psychosen. Daher sind Vorgeschichte, aktuelle psychische Situation und bestehende Diagnosen für die ärztliche Beurteilung zentral. Cannabis ist kein Ersatz für eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung, kann in ausgewählten Konstellationen aber als Baustein im Gesamtbehandlungskonzept geprüft werden.

Chronische Erkrankungen und Cannabis-Therapie in der Telemedizin

Patient:innen mit chronischen Erkrankungen benötigen häufig eine langfristige Begleitung, in der Therapieanpassungen, Kontrolle von Nebenwirkungen und Fragen zum Alltag eine grosse Rolle spielen. Telemedizin ist hier ein wichtiges Instrument: Statt jedes Mal physisch in eine Praxis zu reisen, können Videokonsultationen genutzt werden, um Symptome zu besprechen, Therapieziele zu definieren oder Dosisanpassungen vorzunehmen. Evidena Care ermöglicht es, dass diese Schritte strukturierter ablaufen: Von der Erstanamnese über die ärztliche Beurteilung bis hin zu Verlaufschecks läuft vieles digital, datenschutzkonform und dokumentiert. Das vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen Patient:in, Ärzt:in und Partnerapotheke insbesondere dann, wenn eine Cannabis-Therapie im Rahmen eines chronischen Krankheitsbildes in Betracht gezogen wird.

  • Erweiterte Schmerztherapie durch THC-reiche Präparate
  • Einsatz von CBD zur Behandlung von Epilepsie
  • Psychische und physische Symptomlinderung bei chronischen Erkrankungen

Die genannten Einsatzbereiche zeigen, dass Cannabis-Therapie nie losgelöst, sondern immer in ein gesamtes Behandlungskonzept eingebettet ist. THC-reiche Präparate können in der erweiterten Schmerztherapie eine Option sein, wenn etablierte Medikamente nicht ausreichend helfen oder unverträglich sind. CBD-haltige Arzneien stehen – insbesondere bei Epilepsie – im Fokus spezialisierter Fachzentren und folgen strengen Behandlungsprotokollen. Darüber hinaus berichten einige Patient:innen von einer Entlastung psychischer und physischer Symptome, etwa besserem Schlaf oder weniger innerer Unruhe. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: Diese Effekte sind individuell unterschiedlich, wissenschaftlich je nach Indikation unterschiedlich gut belegt und nicht vorhersagbar. Ärzt:innen prüfen daher immer, ob die erwartbaren Vorteile mögliche Risiken und Nebenwirkungen überwiegen und ob alternative Therapieoptionen bereits ausgeschöpft wurden. Telemedizinische Plattformen unterstützen diesen Prozess, indem sie strukturierte Fragebögen, Verlaufskontrollen und sichere Kommunikation zwischen allen Beteiligten ermöglichen.

Darreichungsformen, Dosierung und sichere Anwendung

Im medizinischen Alltag stehen verschiedene Darreichungsformen von Cannabis zur Verfügung. Üblich sind vor allem standardisierte Öle oder Tropfen, Kapseln sowie in gewissen Fällen Inhalationslösungen für Verdampfer. Jeder Weg hat spezifische Vor- und Nachteile bezüglich Wirkeintritt, Wirkdauer, Dosierbarkeit und Verträglichkeit. In der Schweiz dominiert in der medizinischen Anwendung die orale Einnahme, weil sie gut dosierbar und für eine regelmässige, planbare Therapie geeignet ist. Inhalative Formen werden zurückhaltend eingesetzt und müssen klar von Rauchen oder Selbstmedikation mit illegalen Produkten abgegrenzt werden.

Grafik zu medizinischen Anwendungsformen von Cannabis

Grundsätze der Dosierung („Start low, go slow“)

Ein zentrales Prinzip in der Cannabis-Therapie ist die vorsichtige Eindosierung. Ärzt:innen beginnen meist mit einer niedrigen Dosis und erhöhen diese langsam, bis eine spürbare, aber gut verträgliche Wirkung eintritt. Dieser Prozess kann Tage bis Wochen dauern und erfordert eine enge Kommunikation zwischen Patient:in und Behandler:in. Telemedizin bietet hier Vorteile: Über digitale Fragebögen oder kurze Video-Check-ins können Wirkungen und Nebenwirkungen regelmässig dokumentiert werden. So lässt sich die Dosis schrittweise anpassen, ohne dass für jede Feinjustierung ein Präsenztermin nötig ist.

Infografik zur Dosierung und Titration bei Cannabis-Therapie

Sichere Anwendung und Alltagstauglichkeit

Wer eine Cannabis-Therapie erhält, sollte sich der Auswirkungen auf Alltag und Sicherheit bewusst sein. THC kann Reaktionszeit, Konzentration und Urteilsfähigkeit beeinflussen. Es ist daher wichtig, die ärztlichen Hinweise zum Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen strikt zu befolgen. Viele Patient:innen profitieren davon, die Einnahme zunächst in einem geschützten Rahmen zu testen, um die eigene Reaktion zu beobachten. Zudem müssen alle weiteren Medikamente, Vorerkrankungen und mögliche Suchtproblematiken offen angesprochen werden, bevor eine Therapie gestartet wird. Eine transparente Kommunikation bildet die Grundlage für eine sichere Behandlung.

Telemedizin: Digitaler Zugang zu medizinischem Cannabis

Mit der Gesetzesanpassung von 2022 hat sich nicht nur die Verschreibbarkeit von medizinischem Cannabis vereinfacht, auch die Art des Zugangs befindet sich im Wandel. Telemedizin-Plattformen wie Evidena Care verbinden ärztliche Fachkompetenz mit digitalen Prozessen. Patient:innen können ihre Krankengeschichte online erfassen, medizinische Unterlagen sicher hochladen und anschliessend in einer Videokonsultation ihre Situation mit einer Fachärztin oder einem Facharzt besprechen. Auf Basis dieser Beurteilung wird entschieden, ob eine Cannabis-Therapie sinnvoll erscheint oder ob andere Massnahmen im Vordergrund stehen sollten.

Vorteile der telemedizinischen Versorgung

Telemedizin reduziert Hürden: Lange Anfahrtswege, Wartezimmeraufenthalte oder eingeschränkte Mobilität müssen nicht mehr zwangsläufig ein Hindernis sein. Besonders für Menschen mit chronischen Schmerzen, Fatigue oder Mobilitätseinschränkungen kann der digitale Zugang entlastend wirken. Gleichzeitig profitieren Patient:innen von klar dokumentierten Abläufen, digitalen Terminerinnerungen und der Möglichkeit, Befunde jederzeit im eigenen Patienten-Login einzusehen. Datenschutz spielt dabei eine zentrale Rolle: Seröse Anbieter setzen auf verschlüsselte Verbindungen, gesicherte Serversysteme in Europa und rollenbasierte Zugriffsrechte für medizinisches Personal.

Vom Online-Termin zum Rezept: Typischer Ablauf

Der Weg zu einer möglichen Cannabis-Therapie über Telemedizin folgt klaren Schritten. Zunächst füllen Patient:innen einen strukturierten Online-Fragebogen aus, in dem Beschwerden, bisherige Diagnosen, bestehende Therapien und Vorerkrankungen abgefragt werden. Anschliessend findet eine Videokonsultation mit einer Ärztin oder einem Arzt statt, in der offene Fragen geklärt, medizinische Unterlagen besprochen und Therapieziele definiert werden. Nur wenn medizinisch indiziert und verantwortbar, wird ein Rezept für Cannabisarzneimittel ausgestellt. Dieses wird in der Regel elektronisch direkt an eine Partnerapotheke übermittelt, die das Medikament gemäss Verordnung abgibt. Verlaufs- und Kontrolltermine können wiederum digital stattfinden. Dadurch bleibt die Therapie eng begleitet, ohne Patient:innen organisatorisch zu überlasten.

Grafik zum Ablauf von der Online-Konsultation bis zum Cannabis-Rezept

Rolle der Apotheken und Zusammenarbeit im Versorgungsteam

Apotheken spielen bei der Cannabis-Therapie eine zentrale Rolle. Sie sind für die fachgerechte Herstellung (bei Magistralrezepturen), Lagerung, Abgabe und Beratung rund um Cannabisarzneimittel verantwortlich. In der Schweiz kooperieren spezialisierte Apotheken eng mit verschreibenden Ärzt:innen und telemedizinischen Plattformen. E-Rezepte oder digital übermittelte Verordnungen erleichtern den Informationsfluss und reduzieren Medienbrüche. So können Patient:innen ihr Medikament häufig direkt in einer nahegelegenen Partnerapotheke beziehen oder nach den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben liefern lassen.

Pharmazeutische Beratung ist insbesondere bei Dosierungsfragen, Einnahmezeiten, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder praktischen Themen im Alltag wertvoll. Apotheken unterstützen Patient:innen zudem bei Fragen zur Abrechnung mit der Krankenkasse, etwa wenn es um Kostengutsprache, Rückerstattung oder Dokumentationsanforderungen geht. Diese interprofessionelle Zusammenarbeit – Ärzt:innen, Apotheker:innen und Patient:innen – ist ein wesentlicher Baustein für eine sichere und transparente Cannabis-Therapie.

Cannabis, Landwirtschaft und THC-Grenze von 1 %

Neben dem medizinischen Einsatz ist Cannabis auch als Nutzpflanze („Hanf“) relevant. In der Schweizer Landwirtschaft dürfen Hanfsorten mit einem THC-Gehalt unter 1 % angebaut und legal vermarktet werden, etwa für Fasern, Samen, Öl oder CBD-haltige Produkte. Der Anbau von Hanf mit dem Ziel einer berauschenden Verwendung ist hingegen verboten. Landwirt:innen müssen mit Kontrollen rechnen und die Herkunft des Saatgutes, die Anbaumenge und den Verwendungszweck dokumentieren. Für medizinische Cannabisarzneimittel kommen in der Regel nicht diese landwirtschaftlich geernteten Pflanzen zum Einsatz, sondern standardisierte pharmazeutische Qualitäten, die genauen Kontrollen unterliegen.

Die klare Trennung zwischen Nutzhanf (THC < 1 %) und medizinischem oder rekreativem Cannabis (THC ≥ 1 %) schafft Rechtssicherheit für Landwirtschaft, Behörden und Gesundheitswesen. Patient:innen sollten sich bewusst sein, dass frei verkäufliche CBD-Produkte rechtlich und qualitativ nicht mit ärztlich verschriebenen Cannabisarzneimitteln gleichzusetzen sind. Letztere unterliegen strengen Herstellungs-, Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen und werden im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie eingesetzt.

Zukunft der Cannabis-Therapie in der Schweiz

Die Entwicklung der Cannabis-Therapie in der Schweiz ist dynamisch. Auf gesetzlicher Ebene wird diskutiert, wie ein zukünftiges Cannabisproduktegesetz aussehen könnte, das medizinische und nicht-medizinische Verwendungen umfassend regelt. Die laufenden Pilotversuche zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken liefern wissenschaftliche Daten zu Konsumverhalten, Gesundheitseffekten und Regulierungsmöglichkeiten, die mittel- bis langfristig auch für die Gesundheitspolitik im medizinischen Bereich relevant sein können. Parallel dazu schreitet die Forschung zu Cannabinoiden, neuen Darreichungsformen und Indikationen voran.

Digital Health und Telemedizin werden diesen Bereich voraussichtlich weiter prägen. Standardisierte Anamnesetools, elektronische Patientenakten, datengestützte Verlaufsanalysen und Entscheidungshilfen für Ärzt:innen können helfen, die Therapie mit medizinischem Cannabis noch sicherer und transparenter zu gestalten. Gleichzeitig bleibt wichtig, dass Patient:innen verständliche Informationen erhalten, realistische Erwartungen entwickeln und in Entscheidungen einbezogen werden. Evidena Care positioniert sich hier bewusst als Informations- und Versorgungsplattform, die Wissen, ärztliche Expertise und digitale Prozesse verbindet – stets innerhalb der Schweizer Gesetzgebung und mit Fokus auf Patientensicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis und Telemedizin

Benötige ich für medizinisches Cannabis in der Schweiz eine Bewilligung vom BAG?

Seit der Gesetzesänderung im August 2022 ist für Patient:innen keine individuelle Bewilligung des BAG mehr erforderlich. Ärztinnen und Ärzte dürfen Cannabisarzneimittel zu medizinischen Zwecken ohne vorgängige Sonderbewilligung verschreiben. Die Verantwortung für Indikation, Dosierung und Verlaufsüberwachung liegt bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Wer entscheidet, ob eine Cannabis-Therapie für mich sinnvoll ist?

Die Entscheidung trifft immer eine approbierte Ärztin oder ein Arzt nach individueller medizinischer Beurteilung. Dabei werden Diagnose, bisherige Therapien, Vorerkrankungen, gleichzeitig eingenommene Medikamente und mögliche Risiken berücksichtigt. Cannabis wird in der Regel erst dann in Betracht gezogen, wenn etablierte Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirksam oder schlecht verträglich waren.

Kann ich über Telemedizin ein Rezept für Cannabis erhalten?

Ja, sofern die gesetzlichen Vorgaben eingehalten und die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind. Über Telemedizin-Plattformen wie Evidena Care erfolgt zunächst eine strukturierte Online-Anamnese, gefolgt von einer Videokonsultation mit einer Ärztin oder einem Arzt. Nur wenn nach fachlicher Einschätzung eine Cannabis-Therapie angezeigt und verantwortbar ist, wird ein Rezept ausgestellt und an eine geeignete Apotheke übermittelt.

Werden die Kosten für medizinisches Cannabis von der Krankenkasse übernommen?

Die Kostenübernahme ist von Fall zu Fall unterschiedlich. In bestimmten Situationen kann eine Krankenversicherung ganz oder teilweise Kosten übernehmen, häufig nach individueller Prüfung oder Kostengutsprache. Es gibt aber auch Konstellationen, in denen Patient:innen die Kosten selbst tragen müssen. Apotheken und Ärzt:innen können bei Fragen zur Abrechnung und zu möglichen Anträgen an die Krankenkasse unterstützen.

Ist medizinisches Cannabis sicher und frei von Nebenwirkungen?

Wie jedes wirksame Medikament kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen haben. Dazu zählen unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Konzentrationsstörungen oder Veränderungen der Stimmung. Das Risiko hängt von Dosierung, THC-Gehalt, individueller Empfindlichkeit und weiteren Faktoren ab. Durch eine vorsichtige Eindosierung, enge ärztliche Begleitung und transparente Kommunikation lassen sich Risiken reduzieren, ganz ausschliessen lassen sie sich jedoch nicht.

Darf ich unter einer Cannabis-Therapie Auto fahren?

Ob Sie unter einer Cannabis-Therapie fahrtüchtig sind, hängt von Dosis, individueller Reaktion und weiteren Medikamenten ab. Grundsätzlich dürfen Sie kein Fahrzeug führen, wenn Ihre Fahrfähigkeit beeinträchtigt ist. Besprechen Sie dieses Thema unbedingt mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt. Sie oder er kann Ihnen eine individuelle Empfehlung geben und auf rechtliche Aspekte hinweisen.

Kann ich frei verkäufliche CBD-Produkte anstelle von medizinischem Cannabis verwenden?

Frei verkäufliche CBD-Produkte unterscheiden sich in Qualität, Zusammensetzung und rechtlicher Einordnung deutlich von ärztlich verschriebenen Cannabisarzneimitteln. Sie sind nicht als Ersatz für eine ärztlich begleitete Therapie zu verstehen. Wenn Sie eine medizinische Behandlung mit Cannabinoiden in Erwägung ziehen, sollten Sie dies immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und keine Selbstmedikation mit Produkten aus unklarer Herkunft durchführen.

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