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Cannabis und Epilepsie: Evidenz, Produkte und Behandlung

2 Min. Lesezeit
Cannabis und Epilepsie: Evidenz, Produkte und Behandlung

Epilepsien umfassen eine Gruppe neurologischer Erkrankungen, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet sind. Obwohl für die meisten Patienten wirksame antiepileptische Medikamente verfügbar sind, spricht etwa ein Drittel nicht ausreichend auf die Standardtherapie an.

Cannabis bei Epilepsie – Die Rolle von CBD

Bei kaum einer Indikation ist die Evidenz für Cannabis so überzeugend wie bei bestimmten Formen der Epilepsie. CBD hat in klinischen Studien bei therapieresistenten Epilepsiesyndromen dramatische Wirksamkeit gezeigt und ist heute als Medikament zugelassen.

CBD und Epilepsie: Ein Durchbruch

Das Medikament Epidyolex (reines CBD-Öl, 100 mg/ml) wurde 2019 von der EMA für die Behandlung von Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom zugelassen – zwei seltene, schwere Epilepsieformen. In Studien reduzierte Epidyolex die Anfallefrequenz um 40-50% gegenüber Placebo.

Dravet-Syndrom: Spektakuläre Ergebnisse

Das Dravet-Syndrom ist eine schwere, meist medikamentresistente Epilepsie, die im Säuglingsalter beginnt. CBD (Epidyolex) reduzierte in einer randomisierten Studie die monatliche Anfallsfrequenz um 39% gegenüber 13% Placebo. Für betroffene Familien war dies ein Wendepunkt – erstmals ein wirksames Medikament für eine verzweifelte Situation.

Infografik: Medizinische Indikationen für Cannabis bei neurologischen Erkrankungen

Wirkungsmechanismus: Wie CBD Anfälle hemmt

CBD wirkt über mehrere antiepileptische Mechanismen: Hemmung von Natriumkanälen (wie klassische Antiepileptika), Modulation von GPR55-Rezeptoren, Reduktion von entzündlichen Prozessen im Gehirn, Interaktion mit dem Endocannabinoid-System zur Erregungsdämpfung.

Andere Epilepsieformen: Gemischte Evidenz

Bei anderen Epilepsiesyndromen wie West-Syndrom oder CDKL5-Defizienz zeigt CBD ebenfalls Potenzial, aber die klinische Evidenz ist noch dünner. Viele Familien berichten anekdotisch von Verbesserungen durch CBD-Öl, bevor Epidyolex zugänglich war.

Situation in der Schweiz

Epidyolex ist in der Schweiz über Swissmedic zugelassen und für die Indikationen Lennox-Gastaut und Dravet verschreibungsfähig. Die Krankenkasse kann die Kosten über Artikel 71a KVV übernehmen. Nähere Informationen beim behandelnden Neuropädiater.

Häufige Fragen zu CBD und Epilepsie

Kann ich mein Kind einfach mit CBD-Öl aus dem Handel behandeln?

Nein. Epidyolex ist ein zugelassenes Medikament mit genauer Dosierung und Reinheit. Handel-CBD-Öle sind für Epilepsie-Behandlung nicht geeignet und könnten sogar schädlich sein durch variable CBD-Gehalte und Verunreinigungen.

Gibt es Wechselwirkungen mit Antiepileptika?

Ja, wichtig: CBD erhöht den Clobazam-Spiegel signifikant. Engmaschige Überwachung und Dosisanpassung unter Kinderarzt/Neurologen zwingend.

Fazit

CBD bei Epilepsie ist keine Alternativmedizin, sondern evidenzbasierte Medizin. Für Kinder mit Dravet- oder Lennox-Gastaut-Syndrom kann Epidyolex lebensverändernd sein. Die Therapie gehört in Expertinhaände.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen: Cannabis und Epilepsie

Wirkt CBD bei allen Epilepsieformen?

Nein. Die stärkste Evidenz besteht für Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom. Für andere Epilepsieformen ist die Evidenz deutlich schwächer.

Unterschied zwischen Epidyolex und CBD-Öl aus dem Internet?

Epidyolex ist ein standardisiertes, arzneimittelzugelassenes Präparat mit definiertem CBD-Gehalt, Sicherheitsprofil und klinischer Evidenz. Handelsübliche CBD-Öle sind keine Arzneimittel und haben keine antiepileptische Zulassung oder Dosierungsstandards für diese Indikation.

Kann CBD Antiepileptika ersetzen?

Nein. CBD wird als Zusatztherapie eingesetzt, nicht als Ersatz. Antiepileptika niemals ohne ärztliche Absprache absetzen.

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