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Cannabis und ADHS: Medizinischer Einsatz, Risiken und Rolle in der modernen Therapie

10 Min. Lesezeit
Ärztin in einer modernen Schweizer Praxis bespricht mit erwachsenem ADHS-Patienten eine mögliche medizinische Cannabis-Therapie am Tablet

Cannabis und ADHS ist ein Thema zwischen berechtigter Hoffnung, hoher individueller Belastung und einer noch unzureichenden Studienlage. Dieser Fachbeitrag ordnet den aktuellen Wissensstand ein, zeigt Chancen und Risiken auf und erläutert, welche Rolle eine strukturierte, ärztlich begleitete Cannabis-Therapie in der Schweiz tatsächlich spielen kann. - Verstehen, was zu ADHS gehört – und warum Betroffene besonders häufig Cannabis konsumieren - Einordnen, was die Forschung zu medizinischem Cannabis bei ADHS wirklich zeigt (und was nicht) - Erfahren, wie eine seriöse, digitale Versorgung mit medizinischem Cannabis in der Schweiz aufgebaut ist

Cannabis und ADHS beschäftigen Patientinnen, Angehörige und Ärztinnen gleichermassen. Viele Erwachsene mit ADHS berichten, dass sie durch Cannabis subjektiv ruhiger, fokussierter oder emotional ausgeglichener werden. Gleichzeitig warnen Fachgesellschaften vor einer unkritischen Nutzung und verweisen auf das erhöhte Abhängigkeitsrisiko bei ADHS. Dieser Beitrag fasst den aktuellen Wissensstand zusammen, ordnet die Studienlage ein und beleuchtet, wie eine sorgfältig geplante, ärztlich begleitete Cannabis-Therapie in ein modernes Versorgungssystem – wie es Evidena in der Schweiz anbietet – eingebettet werden kann.

ADHS verstehen: Symptome, Alltag und warum Betroffene nach Alternativen suchen

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die in der Kindheit beginnt und häufig bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Typische Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Viele Erwachsene berichten zusätzlich über emotionale Labilität, innere Unruhe, Schlafstörungen und Schwierigkeiten, ihren Alltag zu strukturieren. In der Schweiz wird der Anteil der Kinder mit ADHS im internationalen Vergleich ähnlich wie in Deutschland auf rund 3–5 Prozent geschätzt, bei Erwachsenen sind es etwa 2–3 Prozent.

Die Standardtherapie umfasst in der Regel:

  • Medikamente wie Methylphenidat oder andere Stimulanzien
  • Psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Verfahren
  • Alltags- und Strukturhilfen, Coaching, Angehörigenberatung

Diese Bausteine gelten international als gut untersucht und wirksam. Gleichzeitig erleben viele Betroffene Einschränkungen: Manche sprechen nur unzureichend auf Stimulanzien an, andere leiden unter ausgeprägten Nebenwirkungen wie Appetitverlust, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder erhöhter Nervosität. Wieder andere erhalten gar keine adäquate Diagnostik oder Behandlung – insbesondere Erwachsene, deren ADHS lange unerkannt blieb. In dieser Situation suchen Patientinnen häufig nach ergänzenden oder alternativen Ansätzen. Cannabis rückt dabei zunehmend in den Fokus, weil einzelne Personen von subjektiven Verbesserungen berichten, insbesondere in Bezug auf Schlaf, Unruhe und Stressbewältigung. Dieser individuelle Erfahrungsgewinn darf jedoch nicht mit einem gesicherten Wirksamkeitsnachweis verwechselt werden und muss immer im Kontext möglicher Risiken betrachtet werden.

Grafische Übersicht häufiger medizinischer Indikationen für Cannabis, ADHS ist eine mögliche Off-Label-Indikation

Cannabis, THC und CBD: Wie wirken Cannabinoide grundsätzlich?

Um die mögliche Rolle von Cannabis bei ADHS zu verstehen, ist ein Blick auf die Wirkstoffe wichtig. Die Cannabispflanze enthält viele unterschiedliche Cannabinoide, von denen vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) klinisch relevant sind. THC ist überwiegend für die berauschende Wirkung verantwortlich, beeinflusst aber auch Schmerzverarbeitung, Appetit und Schlaf. CBD wirkt nicht berauschend, hat jedoch modulierende Effekte auf das Endocannabinoidsystem und wird in Studien unter anderem hinsichtlich Angst, Entzündung und Krampfschwelle untersucht.

Das Endocannabinoidsystem reguliert vielfältige Prozesse im Gehirn, unter anderem:

  • Stressreaktion und emotionale Verarbeitung
  • Aufmerksamkeit, Motivation und Belohnungswahrnehmung
  • Schmerzverarbeitung und Schlaf-Wach-Rhythmus

Bei ADHS sind insbesondere die Netzwerke für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Belohnung verändert. Theoretisch könnte eine Modulation dieses Systems durch Cannabinoide Symptome beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ. Entscheidend ist, in welcher Dosierung, Wirkstoffkombination (THC/CBD), Applikationsform und klinischen Situation Cannabis eingesetzt wird. Spontaner, unkontrollierter Konsum (zum Beispiel Rauchen von Cannabis mit hohem THC-Gehalt) ist etwas völlig anderes als eine niedrig dosierte, medizinisch begleitete Therapie mit standardisierten Präparaten. Genau diese Differenzierung steht im Zentrum moderner, seriöser Versorgungsmodelle.

Infografik zum Vergleich von THC und CBD und ihren unterschiedlichen Wirkprofilen

Studienlage zu Cannabis bei ADHS: Was ist belegt – und was nicht?

Die bisherige Evidenz zum therapeutischen Einsatz von Cannabis bei ADHS ist begrenzt und heterogen. Häufig zitiert wird eine britische Pilotstudie aus dem Jahr 2017, in der Erwachsene mit ADHS über sechs Wochen ein Spray mit gleichen Anteilen von THC und CBD oder ein Placebo erhielten. Beobachtet wurden leichte Verbesserungen in den Bereichen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität/Impulsivität und emotionale Labilität, die jedoch statistisch nicht signifikant waren. Gleichzeitig konnten in dieser kurzen Behandlungsdauer keine ausgeprägten kognitiven Verschlechterungen festgestellt werden.

Weitere klinische Studien mit hoher methodischer Qualität fehlen bislang. Viele Daten stammen aus Beobachtungsstudien, Online-Befragungen oder Fallserien. Typische Beobachtungen sind:

  • Ein Teil der Betroffenen berichtet über kurzfristige Verbesserungen von Unruhe, Schlafstörungen und subjektivem Stress.
  • Langfristige Effekte sind uneinheitlich; ein signifikanter, anhaltender Nutzen ist bisher nicht robust belegt.
  • Gleichzeitig ist ein erhöhtes Risiko für problematischen Konsum und Abhängigkeit bei ADHS dokumentiert.

Internationale Fachgesellschaften bewerten die Datenlage daher aktuell als unzureichend, um eine generelle Empfehlung für Cannabis bei ADHS auszusprechen. Cannabis bleibt – wenn überhaupt – eine mögliche Option im Einzelfall, vor allem dann, wenn etablierte Therapien ausgeschöpft sind oder nicht vertragen werden. Für Ärztinnen und Patienten bedeutet das: sorgfältige Abklärung, realistische Erwartungshaltung und klare Dokumentation, dass es sich um eine Therapie mit begrenzter Evidenz und relevanten Risiken handelt.

ADHS, Selbstmedikation und erhöhtes Risiko für Cannabisabhängigkeit

Menschen mit ADHS beginnen statistisch gesehen früher mit dem Konsum von Cannabis und entwickeln häufiger eine Abhängigkeit als Personen ohne ADHS. Mehrere Faktoren wirken hier zusammen: eine erhöhte Impulsivität, das Bedürfnis nach neuen, intensiven Reizen (Sensation Seeking), emotionale Labilität und das Bestreben, unangenehme Symptome wie innere Unruhe oder Schlafstörungen eigenständig zu regulieren. Viele Betroffene erleben den Cannabiskonsum anfangs als entlastend – die Gedanken rasen weniger, Einschlafen fällt leichter, soziale Situationen wirken weniger anstrengend. Kurzfristig wird das Gehirn mit einer deutlichen Belohnung in Form von Entspannung und Stimmungsaufhellung konfrontiert.

Langfristig kann sich jedoch ein Teufelskreis entwickeln: Das Belohnungssystem passt sich an, höhere Dosen werden nötig, und Symptome wie Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen und emotionale Instabilität können zunehmen. Gerade bei ADHS, wo Selbststeuerung ohnehin erschwert ist, steigt damit das Risiko, in einen problematischen Konsum zu geraten. Deshalb ist es wichtig, zwischen unkontrollierter Selbstmedikation und einer klar strukturierten, ärztlich begleiteten Therapie zu unterscheiden. Letztere setzt immer voraus, dass ein erhöhtes Suchtpotenzial aktiv mitbedacht, regelmässig thematisiert und gegebenenfalls mit spezialisierten Fachstellen vernetzt wird.

Darstellung des Cannabinoid-Spektrums mit Hinweis auf unterschiedliche Sucht- und Wirkprofile

Subjektive Erfahrungen: Was Betroffene über Cannabis bei ADHS berichten

In Befragungen von Erwachsenen mit ADHS gibt ein grosser Teil an, Cannabis vor allem aus therapeutischer Motivation zu nutzen, nicht primär aus Genussgründen. Häufig genannte Ziele sind:

  • Verbesserung der Schlafqualität und Verkürzung der Einschlafzeit
  • Reduktion von innerer Unruhe und motorischer Getriebenheit
  • Erleichterung im Umgang mit Stress, Reizüberflutung und emotionalen Spitzen
  • Linderung von chronischen Schmerzen oder Spannungskopfschmerzen

Kurzfristig berichten viele über eine subjektive Symptomverbesserung, insbesondere nach akutem Konsum. Gleichzeitig zeigen sich bei längerfristigem, hochfrequentem Konsum oft ambivalente Effekte: Einige Betroffene empfinden nach Monaten oder Jahren eher mehr Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und emotionale Abflachung. Zudem kann sich die Wahrnehmung verengen: Cannabis wird als zentrale Bewältigungsstrategie erlebt, während andere, meist nachhaltigere Hilfen (Strukturhilfen, Psychotherapie, Bewegungsprogramme) in den Hintergrund treten.

Für die ärztliche Praxis ist wichtig, diese Erfahrungen ernst zu nehmen, ohne sie mit einer gesicherten Wirksamkeit gleichzusetzen. Eine offene, nicht verurteilende Anamnese zum Cannabiskonsum schafft die Basis, um Risiken zu erkennen, Alternativen zu besprechen und gegebenenfalls eine geordnete, medizinisch begleitete Cannabis-Therapie oder auch einen Ausstieg aus dem Konsum zu planen. Gerade digitale Plattformen können hier unterstützen, indem sie strukturierte Verlaufsdokumentationen, Symptomtagebücher und regelmässige Nachsorgetermine einfach zugänglich machen.

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – insbesondere mit Methylphenidat

Eine zentrale Fragestellung bei ADHS ist die mögliche Wechselwirkung zwischen Cannabis (insbesondere THC) und Stimulanzien wie Methylphenidat. Beide Substanzen beeinflussen das zentrale Nervensystem und können das Herz-Kreislauf-System belasten. In einer kleinen Studie mit gesunden Erwachsenen führte die kombinierte Einnahme von THC und Methylphenidat zu einer deutlich höheren Herzfrequenz im Vergleich zur Einnahme der Einzelsubstanzen. Auch wenn diese Daten nicht direkt auf alle klinischen Situationen übertragbar sind, verdeutlichen sie den Bedarf an Vorsicht.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen umfassen:

  • Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck, insbesondere bei Kombination mehrerer stimulierender Substanzen
  • Verschlechterung von Angststörungen oder psychotischen Symptomen bei vulnerablen Personen
  • Beeinträchtigung von Reaktionsvermögen, Aufmerksamkeit und Fahrtauglichkeit, vor allem bei THC-reichen Präparaten
  • Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit mit Entzugssymptomen wie Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen

Vor Beginn einer möglichen Cannabis-Therapie sollten deshalb immer kardiovaskuläre Risikofaktoren, psychiatrische Komorbiditäten (z. B. Psychosen, schwere Depressionen, Suchterkrankungen) und der aktuelle Medikamentenplan sorgfältig erhoben werden. Während der Behandlung sind regelmässige Kontrolltermine sinnvoll, um Puls, Blutdruck, psychische Stabilität und Konsummuster zu überwachen. Eine eigenständige Kombination von Cannabis und ADHS-Medikamenten ohne ärztliche Begleitung ist aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen.

Schema zur schrittweisen Dosierung und Titration von medizinischem Cannabis

Medizinische Cannabis-Therapie vs. Freizeitkonsum: ein klarer Unterschied

Im Alltag verschwimmen die Grenzen zwischen „Kiffen zur Beruhigung“ und einer bewussten, ärztlich begleiteten Therapie häufig. Für eine seriöse Einordnung ist es entscheidend, diese Formen klar zu trennen. Beim Freizeitkonsum stehen in der Regel kurzfristige Effekte (Rausch, Entspannung) im Vordergrund, Dosierung und Zusammensetzung des Cannabis sind unklar, und eine medizinische Überwachung fehlt. Zudem wird häufig geraucht, was zusätzliche Risiken für die Lunge mit sich bringt.

Eine medizinische Cannabis-Therapie verfolgt hingegen klar definierte Ziele:

  • standardisierte, geprüfte Präparate mit bekanntem THC- und CBD-Gehalt
  • ärztliche Indikationsstellung und Ausschluss klarer Kontraindikationen
  • langsame, kontrollierte Dosistitration („start low, go slow“)
  • dokumentierte Verlaufskontrolle von Wirkung, Nebenwirkungen und Funktionsniveau

In der Schweiz ist medizinisches Cannabis rechtlich streng reguliert. Ärztinnen können unter bestimmten Voraussetzungen und Indikationen entsprechende Präparate verordnen, wobei ADHS derzeit zu den eher seltenen, individuell geprüften Einsatzgebieten gehört. Digitale Plattformen wie Evidena unterstützen, indem sie die einzelnen Prozessschritte – ärztliche Beurteilung, Rezeptmanagement, Apothekenanbindung und strukturierte Nachsorge – in einer sicheren, transparenten Umgebung bündeln. Cannabis bleibt dabei stets ein Bestandteil einer umfassenden Therapie, nicht deren alleiniger Inhalt.

Übersicht verschiedener medizinischer Anwendungsformen von Cannabis (Öl, Blüten, Kapseln, Vaporizer)

Digitale, integrierte Versorgung: Welche Rolle spielt Evidena bei ADHS und Cannabis?

Evidena Care AG positioniert sich als integrierte Plattform für medizinische Cannabis-Therapien in der Schweiz. Im Zentrum steht dabei nicht der schnelle Zugang zu einem Rezept, sondern eine medizinisch fundierte, digital unterstützte Versorgung. Für Menschen mit ADHS kann dies bedeuten, dass verschiedene Bausteine strukturiert miteinander verknüpft werden:

  • Ärztliche Beurteilung der ADHS-Symptomatik, der bisherigen Therapien und möglicher Begleiterkrankungen
  • Prüfung, ob eine Cannabis-Therapie im Einzelfall überhaupt sinnvoll und verantwortbar erscheint
  • Digital organisierte Rezepte und lückenlose Dokumentation der Verordnungen
  • Kooperation mit erfahrenen Apotheken und strukturierte Nachsorge über die Patientenplattform

Telemedizin ist dabei ein Zugangskanal, aber nicht der alleinige Fokus. Gerade bei ADHS, wo Verlaufskontrolle, Adhärenz und Alltagstransfer entscheidend sind, können digitale Tools unterstützen: Symptomtagebücher, digital geführte Fragebögen, Erinnerungssysteme für Termine und eine transparente Darstellung aller Medikationsanpassungen. So wird Cannabis – falls es im Einzelfall eingesetzt wird – nicht isoliert betrachtet, sondern in einen umfassenden Therapieplan eingebettet, der auch nicht-medikamentöse Massnahmen, psychotherapeutische Angebote und Lebensstilfaktoren einbezieht.

Ablauf von der ärztlichen Beurteilung bis zum Cannabis-Rezept und der Apothekenversorgung

Praktische Entscheidungsfragen: Wann kann Cannabis bei ADHS diskutiert werden?

Ob Cannabis bei ADHS überhaupt in Betracht gezogen werden sollte, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Eine typische Reihenfolge in der ärztlichen Entscheidungsfindung umfasst zunächst die Frage, ob eine gesicherte ADHS-Diagnose vorliegt, ob leitliniengerechte Standardtherapien (inklusive Stimulanzien, nicht stimulantischer Medikamente und psychotherapeutischer Verfahren) ausreichend ausgeschöpft wurden und wie stark die aktuelle Beeinträchtigung im Alltag ist. Erst wenn trotz dieser Massnahmen weiterhin eine erhebliche Belastung besteht und gleichzeitig Kontraindikationen gegen Cannabis ausgeschlossen wurden, kann im Rahmen einer differenzierten Nutzen-Risiko-Abwägung über einen befristeten, eng begleiteten therapeutischen Versuch nachgedacht werden.

In einem solchen Setting ist wichtig, vorab klare Ziele zu definieren (z. B. Verbesserung der Schlafqualität, Reduktion bestimmter Symptomcluster), konkrete Verlaufsparameter festzulegen und einen Ausstiegsplan zu vereinbaren, falls sich kein relevanter Nutzen zeigt oder unerwünschte Effekte auftreten. Eine strukturierte, digitale Dokumentation – etwa über eine Patientenplattform – erleichtert es, diese Schritte transparent nachzuvollziehen. Damit bleibt Cannabis eine eng kontrollierte Option unter vielen, nicht jedoch die erste oder einzige Antwort auf komplexe ADHS-Belastungen.

Ausblick: Forschungsbedarf und verantwortungsvoller Umgang

Die Diskussion um Cannabis und ADHS wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln. Wünschenswert sind grössere, gut kontrollierte Studien mit unterschiedlichen Cannabinoidprofilen (THC-dominant, CBD-dominant, ausgewogene Kombinationen), klar definierten Zielgrössen und längeren Beobachtungszeiträumen. Erst dann wird sich belastbar beurteilen lassen, ob es bestimmte Untergruppen von ADHS-Betroffenen gibt, die von einer Cannabis-Therapie in klar benennbaren Bereichen profitieren können – und in welcher Dosis sowie Anwendungsform.

Bis dahin bleibt ein vorsichtiger, verantwortungsvoller Umgang angezeigt. Für Patientinnen bedeutet dies, Selbstmedikation kritisch zu hinterfragen, offene Gespräche mit Fachpersonen zu suchen und auf strukturierte Angebote mit transparenter medizinischer Begleitung zurückzugreifen. Für Ärztinnen und das Versorgungssystem heisst es, die reale Nutzung von Cannabis durch ADHS-Betroffene nicht zu ignorieren, sondern sie in Aufklärung, Risikoabschätzung und Behandlungsplanung aktiv mitzudenken. Integrierte, digitale Plattformen wie Evidena können dabei helfen, diese komplexen Anforderungen zu bündeln – im Sinne einer modernen, patientenzentrierten und zugleich wissenschaftsorientierten Versorgung.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Cannabis und ADHS

Kann Cannabis bei ADHS die Standardtherapie ersetzen?

Nach aktuellem Wissensstand nicht. Stimulanzien wie Methylphenidat und verhaltenstherapeutische Verfahren bleiben die bestuntersuchten und empfohlenen Behandlungsformen bei ADHS. Cannabis kann – wenn überhaupt – nur als ergänzende Option im Einzelfall diskutiert werden, insbesondere wenn etablierte Therapien nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Ein Ersatz der Standardtherapie durch Cannabis wird von Fachgesellschaften derzeit nicht empfohlen.

Wie hoch ist das Risiko einer Cannabisabhängigkeit bei ADHS?

Studien zeigen, dass Menschen mit ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko für problematischen Cannabiskonsum und Abhängigkeit haben. Gründe sind unter anderem eine erhöhte Impulsivität, emotionale Labilität und das Bedürfnis nach schneller Symptomlinderung. Je früher der Konsumbeginn, je höher die Dosis und je unkontrollierter der Gebrauch, desto höher das Risiko. Deshalb ist bei jeder Überlegung zu einer Cannabis-Therapie eine besonders sorgfältige Suchtanamnese und Verlaufskontrolle erforderlich.

Ist CBD eine risikoärmere Alternative zu THC bei ADHS?

CBD wirkt im Gegensatz zu THC nicht berauschend und hat ein anderes Nebenwirkungsprofil. Einige Betroffene berichten, dass CBD-haltige Präparate Unruhe oder Anspannung reduzieren. Gleichzeitig ist die Studienlage zu CBD bei ADHS sehr begrenzt, und ein klarer Wirksamkeitsnachweis steht aus. „Risikoärmer“ bedeutet zudem nicht „risikofrei“: Auch bei CBD sollten Dosierung, Wechselwirkungen und individuelle Verträglichkeit unter ärztlicher Begleitung beurteilt werden.

Darf ich Cannabis konsumieren, wenn ich Methylphenidat einnehme?

Eine eigenständige Kombination von Methylphenidat und Cannabis wird aus medizinischer Sicht nicht empfohlen. Beide Substanzen können das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, und Studien weisen auf eine erhöhte Herzfrequenz bei kombinierter Einnahme hin. Wenn bereits ein regelmässiger Cannabiskonsum besteht, sollte dies unbedingt offen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden, damit Risiken beurteilt und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden können.

Wie läuft eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie über eine Plattform wie Evidena ab?

Zunächst steht immer eine ausführliche medizinische Abklärung: Diagnose, bisherige Therapien, Begleiterkrankungen und aktueller Medikamentenplan werden erhoben. Wenn eine Cannabis-Therapie in Betracht kommt, werden Ziele, mögliche Präparate und ein Dosierungskonzept besprochen. Die Verordnung erfolgt rechtssicher, üblicherweise in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Apotheken. Über die digitale Patientenplattform können Verlauf, Wirkung und Nebenwirkungen dokumentiert und in regelmässigen Nachsorgeterminen besprochen werden. So bleibt die Therapie transparent und adaptierbar.

Kann ich in der Schweiz als ADHS-Betroffene Person unkompliziert ein Cannabis-Rezept erhalten?

Nein. In der Schweiz ist medizinisches Cannabis rechtlich reguliert und an klare Vorgaben gebunden. Ärztinnen prüfen im Einzelfall, ob eine schwerwiegende Symptomatik vorliegt, ob Standardtherapien ausgeschöpft sind und ob eine Cannabis-Therapie verantwortbar erscheint. ADHS ist derzeit keine klassische Hauptindikation für Cannabis, sondern eher ein Grenzbereich, in dem besonders sorgfältig abgewogen werden muss. Ein „unkomplizierter“ oder schneller Zugang ohne gründliche Abklärung entspricht nicht einer seriösen medizinischen Praxis.

Wie kann ich meinen aktuellen Cannabiskonsum als ADHS-Betroffene Person einschätzen lassen?

Ein erster Schritt ist ein offenes Gespräch mit einer Fachperson – etwa Hausärztin, Psychiater oder einer spezialisierten Beratungsstelle. Dort können Konsummuster, Motive und mögliche Risiken systematisch erfasst werden. Ergänzend können anonymisierte Online-Tests oder Fragebögen Hinweise liefern, ersetzen aber keine persönliche Beurteilung. Digitale Angebote wie Evidena können unterstützen, indem sie solche Einschätzungen dokumentieren und bei Bedarf koordiniert an weitere Fachstellen (z. B. Suchtberatung) vernetzen.

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