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Cannabis-Infusionen in der Medizin: Anwendung, Sicherheit und Versorgung in der Schweiz

10 Min. Lesezeit
Aerztin in einer Schweizer Praxis erklaert einer Patientin die Optionen einer medizinischen Cannabis-Therapie anhand eines Wirkprofils von THC und CBD auf dem Bildschirm

Cannabis-Infusionen und andere systemische Anwendungsformen von medizinischem Cannabis werden in der modernen Schmerzmedizin zunehmend diskutiert. Gerade in der Schweiz, mit klar geregeltem Zugang zu Cannabisarzneimitteln, stellt sich für viele Patientinnen und Patienten die Frage, ob und wie solche Therapien sinnvoll eingesetzt werden können. - Verstehen, wie Cannabis im Körper wirkt und welche Rolle Infusionen im Vergleich zu oralen und inhalativen Formen spielen - Einordnung der Chancen und Grenzen bei chronischen Schmerzen und anderen Indikationen - Überblick, wie eine rechtssichere, ärztlich begleitete Cannabis-Therapie in der Schweiz organisiert werden kann

Einordnung: Was sind Cannabis-Infusionen überhaupt?

Wenn im medizinischen Kontext von Cannabis-„Infusionen“ gesprochen wird, sind je nach Umfeld unterschiedliche Dinge gemeint. Im engeren Sinn bezeichnen Infusionen in der Medizin die Verabreichung eines Wirkstoffs direkt in den Blutkreislauf – meist intravenös (i.v.), seltener subkutan (s.c.) oder intrathekal. Für Cannabinoide sind solche parenteralen Formen bislang nur in wenigen, spezialisierten Konstellationen relevant, etwa in klinischen Studien oder in streng überwachten stationären Situationen. Im breiteren Sprachgebrauch werden jedoch häufig auch „Infusionen“ im Sinne von öligen oder alkoholischen Cannabis-Extrakten verstanden, die zum Einnehmen, seltener zur topischen Anwendung vorgesehen sind.

Im Zentrum der medizinischen Versorgung in der Schweiz stehen gegenwärtig orale Cannabisarzneien (z.B. Dronabinol-Tropfen, Cannabisharz-Extrakte in Öl, standardisierte Vollspektrum-Extrakte) sowie – in ausgewählten Fällen – zugelassene Mundsprays. Sie ermöglichen eine relativ gut kalkulierbare Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt, eine alltagstaugliche Anwendung und eine kontrollierte Dosissteigerung. Im Folgenden wird daher der Begriff „Cannabis-Infusion“ vor allem funktionell verstanden: als Systemtherapie mit Cannabinoiden, die im Körper über den Blutkreislauf wirken, unabhängig davon, ob der Zugang oral, inhalativ oder im Spezialfall parenteral erfolgt.

Darstellung des Cannabinoid-Spektrums mit THC, CBD und weiteren Bestandteilen

Medizinische Grundlagen: Wie wirken THC, CBD und andere Cannabinoide?

Die therapeutischen Effekte von Cannabis-Infusionen und -Extrakten beruhen vor allem auf der Wirkung von Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Beide Substanzen greifen in das Endocannabinoid-System des Körpers ein, ein Netzwerk aus Rezeptoren (v.a. CB1 und CB2), körpereigenen Botenstoffen (Endocannabinoiden) und Enzymen. Dieses System ist an der Regulation von Schmerz, Entzündung, Stimmung, Schlaf, Appetit und weiteren Funktionen beteiligt.

THC vs. CBD – unterschiedliche Rollen im Therapiealltag

THC wirkt vor allem über CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Es kann die Schmerzwahrnehmung modulieren, Übelkeit dämpfen, die Muskelspannung beeinflussen und den Appetit anregen. Gleichzeitig ist THC für die typischen psychoaktiven Effekte („High-Gefühl“) verantwortlich und kann unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, Angst oder Verwirrtheit auslösen. CBD bindet nur schwach an klassische Cannabinoid-Rezeptoren, beeinflusst aber andere Signalwege (z.B. Serotonin-Rezeptoren) und kann THC-Effekte modulieren. In klinischen Kontexten wird CBD insbesondere wegen möglicher angstlösender, antikonvulsiver und entzündungsmodulierender Eigenschaften eingesetzt. Viele medizinische Cannabis-Präparate nutzen ein abgestimmtes Verhältnis von THC und CBD, um eine therapeutische Wirkung bei möglichst gut steuerbaren Nebenwirkungen zu erreichen.

Vergleich der Wirkungen von THC und CBD in der medizinischen Anwendung

Rechtliche Situation in der Schweiz: Rahmen für medizinisches Cannabis

Die Schweiz hat in den letzten Jahren den Zugang zu medizinischem Cannabis schrittweise vereinfacht und rechtlich klarer geregelt. Ärztinnen und Ärzte können heute Cannabisarzneimittel für bestimmte Indikationen verordnen, wenn eine fachliche Begründung vorliegt und andere Therapieansätze nicht ausreichend gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Gleichzeitig bleiben Hürden zum Schutz der Patientinnen und Patienten bewusst hoch: Es bestehen Dokumentationspflichten, Anforderungen an Produktqualität und die Notwendigkeit, Nutzen und Risiken laufend zu überprüfen.

Für Betroffene bedeutet dies: Eine Therapie mit medizinischem Cannabis erfolgt nicht „auf Wunsch“, sondern nach ärztlicher Indikationsstellung, meist im Rahmen einer multimodalen Behandlung – also in Kombination mit Physiotherapie, psychologischen Verfahren, klassischer medikamentöser Schmerztherapie und weiteren Massnahmen. Eigenversuche mit nicht standardisierten Produkten, z.B. selbst hergestellten Extrakten oder aus dem Freizeitmarkt bezogenen Blüten, werden aus medizinischer Sicht klar nicht empfohlen, da Dosierbarkeit, Reinheit und Interaktionsrisiken unklar sind.

Rechtliche Leitplanken für Patientinnen und Patienten

Wer in der Schweiz eine medizinische Cannabis-Therapie in Erwägung zieht, bewegt sich innerhalb eines klar definierten Gesundheitssystems: Ärztliche Verschreibung, pharmazeutische Herstellung bzw. Abgabe über zugelassene Apotheken und die Einhaltung der Betäubungsmittelgesetzgebung sind zwingend. Für Patientinnen und Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die Fahrtauglichkeit, der Umgang mit Maschinen, der Konsum weiterer Substanzen (inkl. Alkohol) und die Mitnahme von Cannabisarzneien ins Ausland rechtlich heikle Bereiche sind. Eine ärztliche Beratung zu diesen Themen ist Teil einer seriösen Versorgung.

Grafische Darstellung rechtlicher THC-Grenzen und rechtlicher Aspekte

Darreichungsformen: Wo stehen Infusionen im Vergleich zu oralen und inhalativen Formen?

In der Schmerzmedizin und Onkologie stehen heute drei praktische Anwendungswege von medizinischem Cannabis im Vordergrund: orale Präparate, Mundsprays und inhalative Applikationen (v.a. Vaporizer). Parenterale Infusionen (z.B. intravenöse THC-Gaben) sind derzeit kein Standard in der ambulanten Versorgung und bleiben Sonderfällen vorbehalten. Dennoch hilft ein Vergleich, die Besonderheiten jeder Form zu verstehen.

  • Orale Präparate: Öl-Extrakte, Kapseln oder Tropfen mit standardisiertem THC- und/oder CBD-Gehalt.
  • Mundsprays: z.B. Sprays mit festem THC:CBD-Verhältnis, die über die Mundschleimhaut resorbiert werden.
  • Inhalative Anwendung: kontrollierte Verdampfung medizinischer Blüten mit einem Vaporizer.
  • Parenterale Infusionen: experimentelle oder spezialisierte Form, meist in Studien oder stationären Settings.

Orale und sublinguale Präparate wirken langsamer (Wirkbeginn oft nach 30–90 Minuten), dafür länger und gleichmässiger. Sie sind daher für die Dauerbehandlung chronischer Beschwerden besser geeignet. Inhalative Formen zeigen einen schnelleren Wirkeintritt, was in Einzelsituationen hilfreich sein kann, sind aber schwieriger exakt zu dosieren. Parenterale Infusionen würden theoretisch eine sehr präzise Steuerung des Wirkspiegels erlauben, sind jedoch mit höherem Aufwand, potenziell mehr Nebenwirkungen und fehlenden Langzeitdaten verbunden. Deshalb werden sie in der Routineversorgung gegenwärtig kaum eingesetzt.

Uebersicht medizinischer Cannabis-Darreichungsformen wie Oel, Spray und Inhalation

Indikationen: Bei welchen Erkrankungen kommen Cannabis-Therapien in Frage?

Die Deutsche Schmerzgesellschaft und weitere Fachgesellschaften betonen, dass Cannabisarzneien nur bei einem Teil der chronischen Schmerzsyndrome und anderer Erkrankungen in Studien einen nachweisbaren Nutzen gezeigt haben. Diese Einschätzung ist auch für die Schweiz relevant, da die wissenschaftliche Datenlage weitgehend international ist.

  • Chronische Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen): z.B. Polyneuropathien, postherpetische Neuralgie.
  • Spastik bei Multipler Sklerose: Reduktion von anhaltenden Muskelverkrampfungen.
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen unter Chemotherapie: supportive Therapie.
  • Weitere Schmerzen: bei vielen muskuloskelettalen und viszeralen Schmerzen ist die Evidenz bisher widersprüchlich oder unzureichend.

In der Praxis bedeutet dies: Cannabis kann Schmerzen meist nicht vollständig aufheben, aber die Schmerzintensität reduzieren, schmerzbedingte Schlafstörungen verbessern und die Belastung im Alltag verringern. Für eine Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent liegt jedoch – je nach Indikation – oft kein gesicherter Beweis vor. Umgekehrt ist auch klar, dass viele Patientinnen und Patienten trotz begrenzter Datenlage subjektiv profitieren. Aufgabe der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist es, diese Erfahrungen kritisch zu begleiten, regelmässig zu evaluieren und Therapieziele transparent zu besprechen.

Grafische Uebersicht haeufiger medizinischer Indikationen fuer Cannabis-Therapie

Wirksamkeit und Grenzen von Cannabis-Infusionen und -Extrakten

Die Wirksamkeit von Cannabis-Therapien – unabhängig von der genauen Darreichungsform – ist stark von der zugrunde liegenden Erkrankung, der individuellen Neurobiologie und der Begleittherapie abhängig. Studien zeigen für bestimmte neuropathische Schmerzen und für Spastik bei Multipler Sklerose einen moderaten, aber klinisch relevanten Effekt. Gleichzeitig ist die Rate an Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen, und nicht alle Patientinnen und Patienten sprechen an.

Für Cannabis-Infusionen im engeren Sinn (i.v. oder ähnlich) fehlen derzeit robuste Langzeitdaten. Akut können parenterale Gaben zu einem raschen Anstieg der Wirkstoffkonzentration führen, was sowohl erwünschte als auch unerwünschte Effekte verstärken kann. Deshalb wäre ein solcher Einsatz strengen klinischen Setting vorbehalten. Bei oralen Präparaten ist die Titration schrittweise möglich: Man startet mit einer niedrigen Dosis und steigert behutsam, bis ein individuelles Gleichgewicht zwischen Wirkung und Verträglichkeit gefunden ist.

Multimodale Schmerztherapie bleibt der Standard

Fachgesellschaften empfehlen, Cannabis nie als alleinige Massnahme bei chronischen Schmerzen einzusetzen. Sinnvoller ist die Einbettung in ein multimodales Konzept, das körperliche Therapie (z.B. Physiotherapie), psychologische Verfahren (z.B. kognitive Verhaltenstherapie), aktive Bewegung, edukative Angebote und – wenn nötig – weitere Medikamente kombiniert. Cannabis kann hier ein Baustein sein, um z.B. Schlaf zu verbessern, andere Schmerzmittel zu reduzieren oder die Teilnahme an Aktivierungsprogrammen zu erleichtern. Diese integrative Sichtweise hilft, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und die Behandlung an persönlichen Zielen wie mehr Alltagsfunktion oder besserer Teilhabe auszurichten.

Infografik zur Dosisfindung und Titration bei medizinischem Cannabis

Sicherheit, Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Unter einer Therapie mit Cannabinoiden können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, insbesondere zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerungen oder bei höheren THC-Anteilen. Typische Beschwerden betreffen das zentrale Nervensystem und den Kreislauf.

  • Zentrale Nebenwirkungen: Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, veränderte Wahrnehmung, Stimmungsschwankungen.
  • Körperliche Effekte: Mundtrockenheit, Übelkeit, Blutdruckschwankungen, Herzfrequenzveränderungen, Appetitveränderungen, Gewichtszunahme oder -abnahme.
  • Langzeitrisiken (noch unklar): mögliche Beeinflussung von Gedächtnisfunktionen, Abhängigkeitsrisiko, Auswirkungen auf psychische Stabilität.
  • Kontraindikationen: z.B. unbehandelte Psychosen, aktive Suchterkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit.

Die bisherigen Untersuchungen beziehen sich häufig auf Behandlungszeiträume von Wochen bis Monaten. Die Risiken einer sehr langfristigen Anwendung sind daher noch nicht vollständig geklärt. Umso wichtiger ist eine strukturierte Verlaufskontrolle: Dazu gehören regelmässige ärztliche Gespräche, standardisierte Fragebögen zu Schmerz, Schlaf und Funktion sowie eine laufende Prüfung, ob die Therapieziele erreicht werden. Insbesondere bei bestehenden psychiatrischen Erkrankungen ist Zurückhaltung geboten. Ärztinnen und Ärzte wägen individuell ab, ob der Nutzen das Risiko überwiegt.

Dosis, Titration und praktische Anwendung im Alltag

Eine Cannabis-Therapie wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen, die dann stufenweise erhöht („titriert“) wird. Diese Vorgehensweise hat sich unabhängig von der exakten Darreichungsform bewährt, da die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Cannabinoiden stark variiert.

  • „Start low, go slow“: Beginn mit sehr niedriger THC-Dosis, langsame Steigerung.
  • Kombination mit CBD: kann THC-bedingte Nebenwirkungen teilweise abmildern.
  • Bevorzugt abends starten: um Müdigkeit oder Schwindel nicht in der aktiven Tagesphase zu erleben.
  • Regelmässige Evaluation: Dokumentation von Wirkung, Nebenwirkungen und Alltagsfunktion.

Für viele Patientinnen und Patienten ist die konsequente Führung eines Tagebuchs hilfreich: Zeitpunkt der Einnahme, Dosierung, Schmerzen (z.B. auf einer numerischen Skala), Schlafqualität und besondere Vorkommnisse werden festgehalten. So kann im Gespräch mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt die Dosis angepasst oder – falls notwendig – die Therapie wieder beendet werden. Ein wesentliches Kriterium ist, ob die Belastung durch Nebenwirkungen in einem sinnvollen Verhältnis zur erzielten Linderung steht.

Ablauf von der aerztlichen Beratung bis zum Cannabis-Rezept und zur Apothekenversorgung

Versorgung in der Schweiz: Wie eine moderne Cannabis-Therapie organisiert werden kann

Eine zeitgemässe Cannabis-Therapie erfordert mehr als nur ein Rezept. Sie umfasst Aufklärung, sorgfältige Indikationsstellung, strukturierte Verlaufskontrollen, eine enge Zusammenarbeit mit Apotheken und – wenn möglich – die Einbettung in ein interdisziplinäres Behandlungsteam. Digitale Plattformen wie Evidena Care verbinden diese Elemente zu einem integrierten Versorgungspfad.

Wesentliche Bausteine sind:

  • Ärztliche Betreuung: Anamnese, Prüfung bisheriger Therapien, Indikationsstellung, Aufklärung über Nutzen und Risiken.
  • Therapieplanung: Auswahl geeigneter Präparate, Festlegung eines Titrationsschemas, Beratung zu Alltagsthemen (Fahrtauglichkeit, Beruf, Reisen).
  • Rezept- und Apothekenservice: digitale Übermittlung von Verordnungen, Koordination mit Partner-Apotheken, Sicherstellung der Verfügbarkeit.
  • Nachsorge: regelmässige digitale oder persönliche Follow-ups, Anpassung der Dosis, Entscheidung über Fortführung oder Beendigung.

Telemedizinische Elemente – etwa Video-Sprechstunden – sind dabei ein Zugangskanal, ersetzen aber nicht die ärztliche Verantwortung und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben. Im Gegenteil: Durch dokumentierte Prozesse und eine klare Struktur kann die Sicherheit erhöht werden, etwa durch standardisierte Fragebögen, Erinnerungen an Kontrolltermine und transparente Information zu allen Therapieschritten.

Spezialfall: Warum selbst hergestellte „Infusionen“ in der Medizin keine Rolle spielen

Im nicht-medizinischen Umfeld kursieren zahlreiche Rezepte für Cannabutter, Cannaöle oder alkoholische Auszüge. Diese Produkte werden oft ebenfalls als „Infusionen“ bezeichnet, da Cannabinoide in ein Fett oder Lösungsmittel „eingezogen“ werden. In der medizinischen Versorgung haben solche Eigenzubereitungen jedoch keinen Platz. Gründe sind unter anderem:

  • Unklare Dosierung: Wirkstoffgehalt ist kaum zuverlässig bestimmbar.
  • Schwankende Qualität: Varianz in Sorten, Anbau, Ernte, Lagerung.
  • Fehlende Reinheitskontrolle: mögliche Kontaminanten wie Pestizide, Schwermetalle oder Schimmel.
  • Rechtliche Risiken: Verstoss gegen Betäubungsmittelrecht und Arzneimittelgesetzgebung.

Medizinische Cannabis-Infusionen im weiteren Sinn sollten deshalb immer auf standardisierten, qualitätskontrollierten Ausgangsstoffen beruhen, die über zugelassene Apotheken bezogen werden. Nur so lässt sich ein reproduzierbarer Wirkstoffgehalt sicherstellen, der eine seriöse Dosisanpassung erlaubt und Nebenwirkungen minimierbar macht. Für Patientinnen und Patienten ist es nachvollziehbar, selbst aktiv werden zu wollen – aus medizinischer Sicht überwiegen bei Eigenherstellung jedoch klar die Risiken.

Ausblick: Forschung zu neuen Formulierungen und Anwendungswegen

Die Forschung zu medizinischem Cannabis entwickelt sich dynamisch. Neben klassischen oralen und inhalativen Formen werden in Laboren und klinischen Studien auch neuartige Darreichungsformen geprüft. Dazu gehören etwa:

  • Nanopartikel-Formulierungen: zur verbesserten Bioverfügbarkeit von Cannabinoiden.
  • Transdermale Systeme: Pflaster oder Gele, die über die Haut wirken.
  • Modifizierte Freisetzung: Kapseln mit verzögerter oder gesteuerter Wirkstofffreisetzung.
  • Parenterale Ansätze: z.B. lösliche THC- oder CBD-Derivate für spezialisierte Infusionsbehandlungen.

Noch ist unklar, welche dieser Ansätze sich in der Praxis durchsetzen werden und für welche Indikationen sie den grössten Mehrwert bringen. Für die Schweiz und andere Länder wird entscheidend sein, dass neue Produkte nicht nur technologisch interessant sind, sondern auch ihren Nutzen in unabhängigen Studien belegen und sich in bestehende Versorgungsstrukturen integrieren lassen. Bis dahin bleiben gut untersuchte, oral oder sublingual verabreichte Präparate der Kern der medizinischen Cannabis-Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Haeufige Fragen zu Cannabis-Infusionen und medizinischem Cannabis

Spielen Cannabis-Infusionen (i.v.) in der Schweiz eine praktische Rolle?

Parenterale Cannabis-Infusionen werden in der ambulanten Versorgung derzeit praktisch nicht eingesetzt. Die vorhandene Evidenz und die zugelassenen Präparate beziehen sich vor allem auf orale und sublinguale Formen sowie auf bestimmte Mundsprays. Intravenoese oder andere infusionsbasierte Anwendungen sind eher ein Thema in Forschungskontexten oder stationaeren Spezialsettings. Fuer die meisten Patientinnen und Patienten mit chronischen Beschwerden kommen daher praktische, gut titrierbare Praeparate zum Einnehmen in Frage.

Kann eine Cannabis-Therapie starke Opioide ersetzen?

In Einzelfaellen kann eine gut geplante Cannabis-Therapie dazu beitragen, die Dosis anderer Schmerzmittel, einschliesslich Opioiden, zu reduzieren. Dies ist jedoch nicht garantiert und sollte nie das alleinige Ziel sein. Ob und in welchem Umfang eine Reduktion moeglich ist, haengt von der Grunderkrankung, der bisherigen Medikation und der individuellen Reaktion ab. Ein vorschnelles Absetzen von Opioiden ohne engmaschige aerztliche Begleitung ist nicht ratsam.

Wie schnell wirkt medizinisches Cannabis und wie lange haelt die Wirkung an?

Bei oralen Praeparaten setzt die Wirkung typischerweise nach 30 bis 90 Minuten ein und kann mehrere Stunden anhalten. Mundsprays ueber die Schleimhaut zeigen oft einen etwas schnelleren Wirkeintritt. Inhalative Anwendungen (Vaporizer) wirken meist innerhalb von Minuten, die Wirkzeit ist jedoch kuerzer. Parenterale Infusionen wuerden einen sehr raschen Wirkungseintritt erlauben, werden derzeit aber kaum verwendet. Die individuelle Reaktion kann deutlich variieren, weshalb eine vorsichtige Dosissteigerung besonders wichtig ist.

Ist medizinisches Cannabis sicher, wenn ich psychische Vorerkrankungen habe?

Bei bestehenden psychischen Erkrankungen, insbesondere Psychosen, bipolaren Stoerungen oder Suchterkrankungen, ist besondere Vorsicht geboten. THC-haltige Praeparate koennen Symptome verstaerken oder ein Rueckfallrisiko erhoehen. In solchen Situationen pruefen Fachpersonen sehr genau, ob der potenzielle Nutzen den moeglichen Schaden ueberwiegt, und ziehen alternative Therapieoptionen in Betracht. Eine eigenstaendige Einnahme ohne aerztliche Begleitung ist in dieser Konstellation ausdruecklich nicht empfohlen.

Darf ich unter einer Cannabis-Therapie Auto fahren?

Die Fahrtauglichkeit kann durch THC-haltige Arzneien beeintraechtigt sein, insbesondere zu Beginn der Therapie, bei Dosisanpassungen oder bei hoeheren Dosierungen. Rechtlich und medizinisch relevant ist, ob Ihre Faehigkeit, ein Fahrzeug sicher zu fuehren, eingeschraenkt ist. Dies wird individuell beurteilt. Sie sollten mit Ihrer behandelnden Aerztin oder Ihrem behandelnden Arzt besprechen, wann Sie sicher fahren koennen und welche Dokumente (z.B. aerztliche Bestaetigung zur Medikation) sinnvoll sind. Im Zweifel sollte auf das Fahren verzichtet werden.

Wie lange sollte eine Cannabis-Therapie fortgefuehrt werden?

Die Dauer haengt davon ab, ob die gemeinsam definierten Therapieziele erreicht werden und wie gut die Behandlung vertragen wird. In der Regel wird nach einigen Wochen bis Monaten eine Zwischenbilanz gezogen: Hat sich Schmerz, Schlaf, Funktion oder Lebensqualitaet spuerbar verbessert? Sind Nebenwirkungen akzeptabel? Nur wenn der Nutzen ueberwiegt, wird die Behandlung weitergefuehrt. Ein zeitlich unbegrenzter Einsatz ohne regelmaessige Reevaluation wird nicht empfohlen.

Was ist der Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und Produkten aus dem Freizeitmarkt?

Medizinische Cannabisarzneien unterliegen strengen Qualitaetsanforderungen: standardisierter Wirkstoffgehalt, Kontrolle auf Verunreinigungen, definierte Herstellungsprozesse und aerztliche Verschreibung. Produkte aus dem Freizeitmarkt oder nicht regulierten Quellen koennen stark schwankende THC- und CBD-Gehalte, Rueckstaende von Pestiziden oder Schwermetallen und unbekannte Beimischungen enthalten. Fuer eine medizinische Therapie, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, sind daher nur qualitaetsgesicherte, verschriebene Praeparate geeignet.

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