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Cannabis bei ADHS: Was die Forschung sagt

3 Min. Lesezeit
Ärztin in der Schweiz erklärt per Video einem Patienten die Anwendung eines medizinischen Cannabisgeräts mit Apothekenverpackung auf einem Schreibtisch

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine der häufigsten psychiatrischen Diagnosen, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Die Standardbehandlung mit Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetaminen hilft vielen – aber nicht allen Betroffenen. In der Schweiz fragen sich immer mehr ADHS-Patient:innen, ob medizinisches Cannabis eine ergänzende oder alternative Option sein könnte. Dieser Beitrag fasst den aktuellen Wissensstand zusammen – ehrlich und evidenzbasiert.

ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung – betrifft schätzungsweise 5% der Kinder und 2–3% der Erwachsenen. Viele Betroffene berichten, dass Cannabis ihnen hilft, sich zu konzentrieren, zur Ruhe zu kommen und impulsivere Reaktionen zu dämpfen. Aber was sagt die Wissenschaft? Und wann ist Cannabis bei ADHS eine sinnvolle Option?

ADHS: neurobiologische Grundlagen

ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die mit einem Ungleichgewicht in dopaminergen und noradrenergen Systemen verbunden ist. Das Dopaminsystem – zentral für Motivation, Belohnung und Aufmerksamkeitsssteuerung – funktioniert bei ADHS untypisch. Konventionelle Medikamente wie Methylphenidat (Ritalin) oder Amphetaminsalze steigern die Dopaminverfügbarkeit im Gehirn.

Cannabis, das ECS und ADHS

Das Endocannabinoid-System reguliert dopaminerge Schaltkreise im präfrontalen Kortex – genau die Region, die bei ADHS dysreguliert ist. Cannabinoide, insbesondere CBD, können:

  • Die Freisetzung von Dopamin modulieren
  • Angstzustände reduzieren, die ADHS begleiten
  • Schlafqualität verbessern (schlechter Schlaf verstärkt ADHS-Symptome massiv)
  • Hyperaktivität und innere Unruhe dämpfen
Infografik: Medizinische Indikationen von Cannabis

Studienlage: was wissen wir?

Die Forschung zu Cannabis bei ADHS ist begrenzt, aber wachsend:

  • Eine 2017 veröffentlichte Pilotstudie (Cannabinoids, 2017) zeigte, dass ein ausgewogenes THC:CBD-Präparat bei Erwachsenen mit ADHS die Symptome Hyperaktivität und Impulsivität reduzierte.
  • Beobachtungsstudien aus den USA zeigen, dass ADHS-Betroffene überproportional häufig Cannabis als Selbstmedikation verwenden.
  • CBD allein zeigte in ersten Humanstudien positive Effekte auf Konzentration und Angst bei ADHS.

Fazit: Die Evidenz ist früh und vorwiegend observationell. Randomisierte kontrollierte Studien fehlen noch weitgehend.

Risiken bei ADHS und Cannabis

Besondere Vorsicht ist geboten:

  • Bei Kindern und Jugendlichen: absolut kontraindiziert (Einfluss auf Hirnentwicklung)
  • Bei Komorbiditat mit Angst oder Psychose: THC kann verstärkend wirken
  • Hochdosiertes THC kann Konzentration und Arbeitsgedächtnis kurzfristig verschlechtern
  • Kein Ersatz für Verhaltenstherapie oder bewiesene Medikation

Cannabis bei ADHS in der Schweiz

Medizinisches Cannabis ist in der Schweiz bei ADHS nicht standardmässig zugelassen. In ausgewählten Einzelfällen kann eine Sonderbewilligung des BAG beantragt werden, wenn konventionelle Therapien versagt haben. CBD-Produkte sind ohne Rezept verfügbar und können als Ergänzung begleitender Angst oder Schlafprobleme bei ADHS sinnvoll sein.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich als Erwachsener mit ADHS CBD ausprobieren?

Ja, CBD ist frei erhältlich und kann bei ADHS-begleitenden Symptomen wie Angst oder Schlafproblemen hilfreich sein. Vor der Einnahme mit dem Arzt sprechen, besonders wenn gleichzeitig Ritalin oder andere Medikamente genommen werden.

Ist Cannabis bei ADHS besser als Ritalin?

Ritalin hat deutlich mehr klinische Evidenz. Cannabis könnte eine Alternative sein, wenn Stimulanzien nicht vertragen werden oder unzureichend wirken – aber nur unter ärztlicher Begleitung. Ein direkter Vergleich ist wissenschaftlich nicht belegt.

Hilft Cannabis bei ADHS-Prokrastination?

Anekdotisch berichten manche Betroffenen, dass Cannabis den Einstieg in Aufgaben erleichtert. Wissenschaftlich ist das nicht belegt und hängt stark von Dosis und Sorte ab. Höhere THC-Mengen können Fokus verschlechtern.

Fazit

Cannabis bei ADHS ist kein Allheilmittel, aber für ausgewählte Erwachsene mit therapieresistenten Symptomen eine interessante Erkundung wert. CBD kann begleitende Angst und Schlafprobleme lindern. THC-haltige Präparate sind bei ADHS mit grossen Fragezeichen versehen und sollten nie ohne ärztliche Begleitung eingesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis und Telemedizin

Wer kommt in der Schweiz grundsätzlich für eine Cannabis-Therapie in Frage?

In Frage kommen in der Regel erwachsene Patientinnen und Patienten mit chronischen oder schweren Beschwerden, bei denen etablierte Standardtherapien allein nicht ausreichend wirken oder mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Typische Beispiele sind chronische Schmerzen, Spastik bei neurologischen Erkrankungen, therapieresistente Schlafstörungen oder belastende Symptome im Rahmen onkologischer Behandlungen. Ob im individuellen Fall eine Cannabis-Therapie sinnvoll ist, entscheidet immer eine Ärztin oder ein Arzt nach ausführlicher Anamnese, Sichtung der Vorbefunde und Nutzen-Risiko-Abwägung. Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine Verschreibung.

Wie läuft ein telemedizinischer Termin bei Evidena ab?

Nach der Online-Registrierung füllen Sie einen strukturierten Fragebogen zu Ihren Beschwerden, bisherigen Diagnosen und laufenden Therapien aus und laden, wenn möglich, relevante Arztberichte hoch. Im anschliessenden Videogespräch klärt eine spezialisierte Ärztin oder ein spezialisierter Arzt offene Fragen, diskutiert Therapieziele und prüft, ob medizinisches Cannabis eine geeignete Option ist. Wird eine Therapie begonnen, erhalten Sie ein elektronisches Rezept, das direkt an eine Partnerapotheke gesendet wird. Verlaufskontrollen und eventuelle Dosisanpassungen erfolgen ebenfalls per Video oder über digitale Follow-up-Fragebögen.

Wird die Cannabis-Therapie von der Krankenkasse übernommen?

Die Kostenübernahme hängt von der jeweiligen Versicherung, der konkreten Indikation und dem gewählten Präparat ab. In bestimmten Fällen ist eine (teilweise) Kostenbeteiligung möglich, oft nach individueller Prüfung und ärztlicher Begründung. Evidena und die beteiligten Apotheken können bei der Erstellung der notwendigen Unterlagen unterstützen, können aber keine Kostengutsprache garantieren. Es ist sinnvoll, frühzeitig mit der eigenen Krankenkasse Kontakt aufzunehmen, um die Modalitäten zu klären.

Darf ich unter einer Cannabis-Therapie Auto fahren?

Unter dem Einfluss von THC ist das Führen von Fahrzeugen nicht erlaubt. Da THC im Körper auch nach Abklingen der subjektiven Wirkung nachweisbar sein kann, ist besondere Vorsicht geboten. Ärztinnen und Ärzte sprechen mit Ihnen über die individuelle Situation und geben Hinweise, wie Sie Ihre Therapie so planen können, dass keine Teilnahme am Strassenverkehr unter Wirkung von THC erfolgt. Grundsätzlich gilt: Sicherheit im Verkehr hat Vorrang, und bei Unsicherheit sollte auf das Fahren verzichtet werden.

Wie sicher sind meine Gesundheitsdaten bei der Nutzung von Evidena?

Datenschutz und Datensicherheit haben bei Evidena einen hohen Stellenwert. Die Plattform nutzt verschlüsselte Verbindungen, speichert Daten auf gesicherten Servern und setzt ein rollenbasiertes Berechtigungssystem ein. Nur berechtigte Personen im Behandlungsprozess erhalten Zugriff auf Ihre Daten, und alle Zugriffe werden dokumentiert. Sie können Ihre Unterlagen jederzeit einsehen, herunterladen oder für andere Behandelnde freigeben. Evidena arbeitet nach den geltenden datenschutzrechtlichen Vorgaben in der Schweiz.

Kann eine Cannabis-Therapie bestehende Medikamente ersetzen?

Ob und in welchem Umfang andere Medikamente reduziert werden können, ist sehr individuell und hängt von der Grunderkrankung, bisherigen Therapien und Ihrem Ansprechen auf Cannabis ab. In vielen Fällen wird Cannabis zunächst zusätzlich eingesetzt, um eine Wirkung zu prüfen. Eine Änderung oder Reduktion bestehender Medikamente darf nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen. Eigenmächtiges Absetzen kann zu Verschlechterungen des Gesundheitszustands führen und sollte unbedingt vermieden werden.

Ist medizinisches Cannabis weniger schädlich als Alkohol?

Alkohol ist als Volksdroge sehr gut untersucht und mit einer hohen Zahl an Folgeerkrankungen und Todesfällen verbunden. Medizinisches Cannabis wird in deutlich kleinerem Rahmen, unter ärztlicher Kontrolle und mit standardisierten Produkten eingesetzt. Beide Substanzen sind nicht risikofrei, aber der Kontext ist grundlegend verschieden: Während Alkohol meist ohne medizinische Begleitung und oft in höheren Mengen konsumiert wird, erfolgt die Cannabis-Therapie im Rahmen eines strukturierten Behandlungsplans. Ein direkter Vergleich greift daher zu kurz – entscheidend ist eine sorgfältige medizinische Nutzen-Risiko-Abwägung im Einzelfall.

Quellen

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