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Was ist Cannabis? Pflanze, Wirkstoffe und medizinische Nutzung

2 Min. Lesezeit
Ärztin in der Schweiz führt eine telemedizinische Videosprechstunde mit einem Patienten zur medizinischen Cannabistherapie durch

Cannabis – auch bekannt als Hanf, Marihuana oder Haschisch – ist weltweit eine der bekanntesten und zugleich am meisten missverstandenen Pflanzen. Gleichzeitig erlebt sie eine Renaissance als medizinische Heilpflanze. Dieser Grundlagenbeitrag erklärt, was Cannabis botanisch ist, welche Inhaltsstoffe es enthält und wie es in der modernen Medizin eingesetzt wird.

Was ist Cannabis? – Grundlagen, Inhaltsstoffe und Wirkung

Cannabis ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit und gleichzeitig eine der am meisten diskutierten Substanzen unserer Zeit. Doch was steckt wirklich hinter dem Begriff? Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen – von der Botanik über die Inhaltsstoffe bis zur Wirkung im Körper.

Die Pflanze Cannabis: Botanische Grundlagen

Cannabis sativa L. ist eine einjährige Blütenpflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Ursprünglich in Zentralasien beheimatet, wird sie seit über 10.000 Jahren weltweit angebaut. Die Pflanze ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Nur die weibliche Pflanze produziert die harzreichen Blütenstände mit den begehrten Cannabinoiden.

Die wichtigsten Cannabinoide: THC und CBD

Cannabis enthält über 100 verschiedene Cannabinoide. Die bekanntesten sind: THC (Tetrahydrocannabinol): psychoaktiv, verantwortlich für den „High“-Effekt; CBD (Cannabidiol): nicht-psychoaktiv, wird für therapeutische Zwecke genutzt; CBN (Cannabinol): entsteht beim Abbau von THC, leicht sedierend; CBG (Cannabigerol): Vorläufer vieler Cannabinoide, entzündungshemmend.

Infografik: THC vs. CBD – Wirkungsunterschiede

Das Endocannabinoid-System

Der menschliche Körper besitzt ein eigenes Cannabinoid-System: das Endocannabinoid-System (ECS). Es reguliert viele physiologische Prozesse wie Schlaf, Schmerz, Stimmung und Immunfunktion. Cannabis-Cannabinoide binden an die Rezeptoren CB1 (vor allem im Gehirn) und CB2 (vor allem im Immunsystem) und beeinflussen so diese Prozesse.

Terpene: Das Aroma mit Wirkung

Neben Cannabinoiden enthält Cannabis dutzende Terpene – aromatische Verbindungen, die für den typischen Geruch verantwortlich sind. Terpene haben eigene pharmakologische Eigenschaften und verstärken die Wirkung von Cannabinoiden (Entourage-Effekt). Myrcen wirkt sedierend, Limonen stimmungsaufhellend, Pinen schärft die Konzentration.

Häufige Fragen zu Cannabis

Macht Cannabis abhängig?

Cannabis kann psychische Abhängigkeit auslösen, besonders bei frühem, regelmässigem Konsum. Körperliche Abhängigkeit ist möglich, aber weniger ausgeprägt als bei Alkohol oder Opiaten.

Was ist der Unterschied zwischen Cannabis und Hanf?

Rechtlich unterscheidet man nach THC-Gehalt. „Hanf“ bezeichnet Sorten mit unter 1 % THC (Schweiz) oder 0,3 % THC (EU). Cannabis als Oberbegriff umfasst alle Sorten.

Ist CBD auch Cannabis?

Ja. CBD ist ein Wirkstoff der Cannabispflanze. CBD-Produkte werden aus THC-armem Hanf gewonnen und sind legal.

Fazit

Cannabis ist eine faszinierende Pflanze mit einem komplexen Wirkprofil. Das Verständnis der Inhaltsstoffe und ihrer Wechselwirkungen mit dem Körper ist Grundvoraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang – medizinisch wie recreational.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis und Telemedizin

Ist medizinisches Cannabis in der Schweiz für alle Arten von Schmerzen geeignet?

Nein. Die derzeitige Evidenz spricht vor allem für einen möglichen Nutzen bei bestimmten chronischen Nervenschmerzen und bei Spastik im Rahmen von Multipler Sklerose. Für viele andere Schmerzformen wie akute Schmerzen, unspezifische Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen ist die Studienlage unklar oder negativ. Zudem darf medizinisches Cannabis nur bei schwerwiegenden Erkrankungen und unzureichender Wirksamkeit etablierter Therapien eingesetzt werden. Eine individuelle ärztliche Beurteilung ist deshalb unerlässlich.

Was bedeutet «full digital» bei der Cannabistherapie genau?

«Full digital» beschreibt einen vollständig digitalen Behandlungsweg: Von der Online-Registrierung über die telemedizinische Sprechstunde, die Indikationsprüfung und Rezeptausstellung bis hin zur elektronischen Übermittlung des Rezepts an eine Partnerapotheke läuft der gesamte Prozess online ab. Ergänzt wird dies durch digitale Nachsorgetermine und ein sicheres Patientenportal, in dem Dokumente, Empfehlungen und Therapieverläufe einsehbar sind. Präsenztermine werden nur dann notwendig, wenn medizinische Gründe dies erfordern.

Kann ich durch medizinisches Cannabis schmerzfrei werden?

In der Regel nicht. Fachgesellschaften und Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis bei geeigneten Indikationen eine moderate Linderung bewirken kann – etwa eine Reduktion der Schmerzintensität, eine Verbesserung des Schlafs oder eine etwas höhere Belastbarkeit im Alltag. Eine vollständige Schmerzfreiheit ist selten und sollte nicht als realistisches Primärziel betrachtet werden. Wichtiger ist die Einbettung in ein multimodales Behandlungskonzept mit physiotherapeutischen und psychologischen Elementen.

Wie sicher sind meine Daten bei einer telemedizinischen Plattform?

Seriöse Anbieter in der Schweiz unterliegen strengen Datenschutzvorgaben. Gesundheitsdaten werden verschlüsselt übertragen, der Zugriff ist rollenbasiert geregelt und es bestehen klare Richtlinien zur Aufbewahrung und Nutzung der Informationen. Patient:innen werden transparent darüber informiert, welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden. Zusätzliche technische und organisatorische Massnahmen – wie Protokollierung von Zugriffen, regelmässige Sicherheitsupdates und Schulungen des Personals – dienen dazu, die Vertraulichkeit und Integrität der Daten zu schützen.

Darf ich unter medizinischem Cannabis Auto fahren?

Unter einer laufenden Behandlung mit THC-haltigen Präparaten kann die Fahrtauglichkeit eingeschränkt sein, insbesondere zu Beginn der Therapie, bei Dosiserhöhungen oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer sedierender Medikamente. In dieser Phase sollte auf das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen verzichtet werden. Ob und in welchem Umfang später eine Teilnahme am Strassenverkehr verantwortbar ist, muss individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden – unter Berücksichtigung von Dosis, Stabilität der Therapie und subjektivem Befinden.

Unterscheidet sich medizinisches Cannabis von frei verkäuflichen CBD-Produkten?

Ja. Medizinische Cannabispräparate unterliegen strengen regulatorischen Anforderungen, haben einen definierten Wirkstoffgehalt und werden unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt. Frei verkäufliche CBD-Produkte sind häufig Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetika, deren Qualität, tatsächliche CBD-Konzentration und mögliche Verunreinigungen variieren können. Für viele der im Handel beworbenen Einsatzgebiete von CBD liegen zudem keine robusten klinischen Daten vor. Medizinische Entscheidungen sollten deshalb nicht auf Basis frei verkäuflicher Produkte, sondern nach ärztlicher Beratung und gemäss geltenden Richtlinien getroffen werden.

Kann eine Cannabistherapie jederzeit beendet werden?

Ja. Eine Therapie mit medizinischem Cannabis sollte regelmässig auf ihren Nutzen und mögliche Nebenwirkungen überprüft werden. Wenn sich keine ausreichende Wirkung zeigt, Nebenwirkungen überwiegen oder sich die gesundheitliche Situation verändert, ist ein geordneter Therapieabbruch sinnvoll. Je nach Präparat und Dosis kann eine schrittweise Reduktion (Tapering) empfohlen sein, um mögliche Entzugssymptome zu vermeiden. Diese Schritte sollten immer in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt geplant und begleitet werden.

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