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Cannabis in der Schwangerschaft: Risiken für Mutter und Kind

12 Min. Lesezeit
Schwangere Frau in einer Schweizer Praxis im Gespräch mit einer Ärztin über die Risiken von Cannabis in der Schwangerschaft

Cannabis wird von vielen als „natürlich“ und vergleichsweise harmlos wahrgenommen – doch in der Schwangerschaft gilt das nicht. Aktuelle grosse Studien zeigen klar: Cannabiskonsum erhöht die Risiken für Mutter und Kind deutlich und über alle Trimester hinweg. - Konkrete Zahlen zu Frühgeburt, Wachstumsstörungen und Komplikationen für die Mutter - Verständliche Einordnung: Freizeitkonsum vs. medizinische Cannabis-Therapie - Klare Handlungsempfehlungen und Hinweise, wo Sie in der Schweiz sichere Beratung erhalten

Einordnung: Warum Cannabis in der Schwangerschaft kein „harmloses Kraut“ ist

Der Konsum von Cannabis hat in den letzten Jahren in vielen Ländern, auch in Europa und der Schweiz, deutlich zugenommen. Durch Legalisierungsdiskussionen und die Darstellung als vermeintlich „sanfte“ oder „natürliche“ Substanz entsteht schnell der Eindruck, Cannabis sei insgesamt wenig problematisch. In der Schwangerschaft trifft das jedoch ganz klar nicht zu. Die derzeit verfügbene Evidenz – insbesondere aus grossen, gut durchgeführten Kohortenstudien – zeigt, dass Cannabiskonsum das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei Mutter und Kind signifikant erhöht. Dabei spielen sowohl die Art des Konsums (Rauchen, Vapen, Esswaren), die Häufigkeit und Dosis als auch Begleitfaktoren wie Tabak-, Alkohol- oder Medikamentenkonsum eine Rolle. Wichtig ist ausserdem die Unterscheidung zwischen Freizeitkonsum und einer medizinisch indizierten Cannabis-Therapie. Selbst bei medizinischer Indikation gilt: In einer Schwangerschaft muss der Schutz von Mutter und Fötus konsequent im Vordergrund stehen, und jede Form von Cannabis-Anwendung bedarf einer kritisch-prüfenden, ärztlichen Abwägung und engmaschigen Betreuung.

Schematische Darstellung verschiedener Cannabinoide und ihres Wirkungsspektrums

Wie Cannabis im Körper wirkt – und warum Schwangerschaft eine Ausnahmesituation ist

Cannabis enthält eine Vielzahl von Wirkstoffen, die sogenannten Cannabinoide. Die bekanntesten sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC wirkt vor allem psychoaktiv, während CBD eher dämpfend und anxiolytisch beschrieben wird. Beide greifen in das körpereigene Endocannabinoid-System ein, das unter anderem an der Regulation von Schmerz, Stimmung, Appetit, Kreislauf und der Gefässfunktion beteiligt ist. Dieses System spielt auch in der frühen Schwangerschaft und bei der Funktion der Plazenta eine wichtige Rolle. Studien deuten darauf hin, dass eine übermässige oder von aussen zugeführte Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren (z. B. durch THC) empfindliche Entwicklungsprozesse stören kann, etwa die Einnistung des Embryos oder die Gefässentwicklung in der Plazenta. Anders gesagt: Was ausserhalb einer Schwangerschaft unter bestimmten Umständen therapeutisch genutzt werden kann, kann in der Schwangerschaft zum Risikofaktor werden, weil es fein abgestimmte biologische Abläufe durcheinanderbringt. Diese Besonderheit erklärt, warum Fachgesellschaften trotz therapeutischer Potenziale von Cannabis in anderen Konstellationen in der Schwangerschaft äusserst zurückhaltend sind.

Vergleich THC und CBD in Bezug auf Wirkungen im Körper

Gesundheitsrisiken für die werdende Mutter: Aktuelle Studienlage

Mehrere aktuelle Studien haben die Auswirkungen von Cannabis auf die Gesundheit der Schwangeren selbst untersucht. Besonders relevant ist eine grosse US-Analyse von Young-Wolff und Kolleginnen und Kollegen, die Daten von 316'722 Schwangerschaften auswertete. In dieser Kohorte wurden Frauen während der Schwangerenvorsorge auf Cannabis getestet und anschliessend hinsichtlich verschiedener Komplikationen beobachtet. Wichtig ist dabei, dass es sich nicht nur um Selbstauskünfte, sondern um objektive Nachweise in Urinproben handelt. Dies erhöht die Zuverlässigkeit der Daten, da bekannt ist, dass Cannabiskonsum von Schwangeren in Befragungen häufig unterschätzt wird. Die Ergebnisse zeigen klar erhöhte Risiken für Schwangerschaftsbluthochdruck, Präeklampsie und Plazentaablösung im Vergleich zu nicht konsumierenden Schwangeren. Zusätzlich traten auch ungünstige Verläufe der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft häufiger auf. Diese Faktoren sind nicht nur für die Mutter belastend, sondern stehen auch in engem Zusammenhang mit einem ungünstigen Verlauf für das ungeborene Kind.

Konkrete Risiken: Zahlen aus der Kaiser-Permanente-Studie

Gesundheitsrisiko Relative Risikoerhöhung bei Cannabiskonsum
Schwangerschaftsbluthochdruck +17 %
Präeklampsie +8 %
Plazentaablösung +19 %
Zu geringe Gewichtszunahme +5 %
Zu starke Gewichtszunahme +9 %

Diese Zahlen bedeuten, dass bei Frauen, die in der Schwangerschaft Cannabis konsumieren, im Durchschnitt signifikant häufiger Komplikationen auftreten als bei Frauen, die darauf verzichten. Schwangerschaftsbluthochdruck und Präeklampsie sind ernste Zustände, die sowohl für die Mutter (z. B. mit dem Risiko von Krampfanfällen und Organschäden) als auch für den Fötus (unter anderem durch eine eingeschränkte Durchblutung der Plazenta) bedrohlich sein können. Plazentaablösung stellt einen geburtshilflichen Notfall dar, der mit einem hohen Risiko für Mutter und Kind verbunden ist und häufig eine sofortige Entbindung erfordert. Auch die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist ein sensibler Marker: Sowohl ein zu geringes als auch ein zu starkes Plus an Gewicht kann mit Stoffwechselstörungen und Blutdruckproblemen einhergehen und sich negativ auf das Wachstum des Kindes auswirken. Die Daten sprechen daher deutlich dafür, dass Cannabis kein neutraler Faktor im Schwangerschaftsverlauf ist, sondern die Wahrscheinlichkeit eines komplizierten Verlaufs erhöht.

Plazenta und Blutversorgung: Schlüsselrolle für Mutter und Kind

Die Plazenta ist das zentrale Versorgungsorgan des ungeborenen Kindes. Über sie erhält der Fötus Sauerstoff und Nährstoffe, gleichzeitig werden Abbauprodukte aus dem kindlichen Kreislauf abtransportiert. Vorangehende Studien – unter anderem die nuMoM2b-Analyse von Metz und Team – zeigen, dass Cannabiskonsum mit einer veränderten Plazentafunktion einhergeht. Es wurden unter anderem eine verringerte Plazentadurchblutung und eine reduzierte Sauerstoffverfügbarkeit beschrieben. In der Praxis bedeutet dies: Das Kind kann schlechter wachsen, und das Risiko für Frühgeburten steigt. Zudem sind bestimmte hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, die ihrerseits die Plazenta schädigen, bei Cannabis-Konsumentinnen häufiger. Die Plazenta ist damit ein zentrales Bindeglied zwischen mütterlichem Konsumverhalten und dem Zustand des Kindes. Eine Störung an dieser Schnittstelle kann bereits im ersten Trimester beginnen, wenn sich die Gefässe ausbilden, und sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft verstärken – insbesondere, wenn der Konsum fortgesetzt wird.

Illustration der Plazentaentwicklung in verschiedenen Schwangerschaftsphasen

Auswirkungen auf den Fötus: Wachstum, Frühgeburt und mögliche Langzeitfolgen

Für das ungeborene Kind ist Cannabis in der Schwangerschaft in mehrfacher Hinsicht problematisch. THC passiert die Plazenta und gelangt in den fetalen Kreislauf. Zudem greift Cannabis – wie oben beschrieben – in die Funktion der Plazenta selbst ein. Studien zeigen, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft Cannabis konsumieren, häufiger ein geringes Geburtsgewicht aufweisen und häufiger zu früh zur Welt kommen. In der nuMoM2b-Analyse hatten Frauen mit nachgewiesenem Cannabiskonsum ein um rund 27 % erhöhtes Risiko für ein kombiniertes schlechtes Schwangerschafts-Outcome (unter anderem Frühgeburt, für das Gestationsalter zu niedriges Geburtsgewicht, Totgeburt und hypertensive Erkrankungen). Bei fortgesetztem Konsum über das erste Trimester hinaus lag die Risikoerhöhung sogar bei etwa 33 % im Vergleich zu nicht konsumierenden Schwangeren. Zusätzlich diskutiert die Forschung mögliche Auswirkungen auf die neurologische und kognitive Entwicklung des Kindes, etwa im Bereich Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernverhalten oder Impulskontrolle. Auch wenn hier nicht alle Zusammenhänge abschliessend geklärt sind, handelt es sich um sensible Entwicklungsprozesse, in die eine zusätzliche, nicht notwendige Belastung durch Cannabis möglichst gar nicht eingreifen sollte.

Übersicht medizinisch diskutierter Indikationen und Risiken von Cannabis

Erstes Trimester vs. fortgesetzter Konsum: Zeitliche Dimension der Risiken

Die zeitliche Dimension des Konsums spielt eine wichtige Rolle. In der nuMoM2b-Auswertung wurden Frauen unterschieden, die nur im ersten Trimester Cannabis konsumierten, und solchen, bei denen ein Konsum auch im zweiten und dritten Trimester nachweisbar war. In der Gruppe mit ausschliesslichem Konsum im ersten Trimester trat das kombinierte negative Schwangerschafts-Outcome bei 24,1 % der Frauen auf, in der Gruppe mit fortgesetztem Konsum bei 26,7 %. Auch wenn die absolute Differenz auf den ersten Blick gering erscheint, zeigt sich in den statistischen Modellen nach Anpassung für weitere Risikofaktoren eine signifikant höhere Gefährdung durch den andauernden Konsum. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass ein möglichst früher Ausstieg aus dem Cannabiskonsum die Risiken reduziert, auch wenn eine vollständige Rückkehr auf das Ausgangsrisiko wahrscheinlich nicht in jedem Fall möglich ist. Wer bereits in der Frühschwangerschaft konsumiert hat, sollte dies daher nicht als „zu spät“ interpretieren, sondern im Gegenteil den Ausstieg als sinnvolle und wirksame Massnahme betrachten, um den restlichen Schwangerschaftsverlauf möglichst sicher zu gestalten.

Freizeitkonsum vs. medizinische Cannabis-Therapie

Wichtig ist, zwischen unkontrolliertem Freizeitkonsum und einer ärztlich verordneten medizinischen Cannabis-Therapie zu unterscheiden. Freizeitkonsum erfolgt meist in Form von gerauchten Joints, häufig in Kombination mit Tabak, oder über hochdosierte Edibles. Dosis, Häufigkeit und Reinheit sind oft unklar, und ein begleitender Konsum anderer Substanzen ist nicht selten. Eine medizinische Cannabis-Therapie verfolgt demgegenüber einen therapeutischen Zweck (z. B. bei chronischen Schmerzen, Spastik oder bestimmten neurologischen Erkrankungen), basiert auf standardisierten Produkten und erfolgt unter ärztlicher Kontrolle. Dennoch gilt: Auch bei medizinischer Indikation ist eine Schwangerschaft eine Hochrisikosituation für jegliche Substanz, die in das Endocannabinoid-System eingreift. In den grossen Studien zur Cannabis-Therapie sind Schwangere in der Regel ausgeschlossen, weshalb eine robuste Sicherheitsbewertung kaum möglich ist. Internationale Fachgesellschaften raten daher, eine bestehende oder geplante Cannabis-Therapie bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft kritisch zu prüfen. Wo immer möglich, sollten alternative Behandlungsoptionen erwogen werden.

Typische Motive für Cannabiskonsum in der Schwangerschaft – und sichere Alternativen

Viele Schwangere konsumieren Cannabis nicht aus „Spass“, sondern in der Hoffnung, Beschwerden zu lindern. Häufig genannte Gründe sind Übelkeit in der Frühschwangerschaft, Schmerzen (z. B. Rücken, Beckenboden), Schlafstörungen oder Angstzustände. In Online-Foren kursieren Berichte, dass Cannabis subjektiv helfe, sich zu entspannen oder besser zu schlafen. Problematisch ist, dass solche Erfahrungsberichte selten die möglichen Folgen für Kind und Schwangerschaft berücksichtigen und meist nicht in einem medizinisch kontrollierten Rahmen stattfinden. Ärztlich anerkannte und deutlich besser untersuchte Behandlungsoptionen stehen für die meisten dieser Beschwerden zur Verfügung, zum Beispiel leitliniengerechte Medikamente gegen Hyperemesis gravidarum, nichtmedikamentöse Schmerztherapien, Physiotherapie, psychotherapeutische Unterstützung oder geprüfte Schlafberatung. Wer bereits vor der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen Cannabis verwendet, sollte gemeinsam mit dem Behandlungsteam frühzeitig Alternativen prüfen oder Anpassungen vornehmen, idealerweise bereits bei bestehendem Kinderwunsch. Ein offenes Gespräch ist hier entscheidend; Ziel ist nicht die Verurteilung, sondern die bestmögliche Sicherheit für Mutter und Kind.

Darstellung verschiedener medizinischer Cannabis-Anwendungsformen

Besondere Konstellationen: Kinderwunsch, ungeplante Schwangerschaft und Abhängigkeit

Nicht alle Schwangerschaften sind geplant, und nicht jede Frau kann ihren Konsum von einem Tag auf den anderen beenden. Für die Beratung ist daher eine differenzierte Betrachtung wichtig. Bei Kinderwunsch ist es sinnvoll, den Cannabiskonsum – ob medizinisch oder freizeitbezogen – frühzeitig zu thematisieren. Hinweise deuten darauf hin, dass THC bereits die Einnistung des Embryos beeinträchtigen kann, was das Risiko für eine Risikoschwangerschaft oder einen frühen Schwangerschaftsverlust erhöhen könnte. Bei einer ungeplanten Schwangerschaft, in der in den ersten Wochen noch konsumiert wurde, sollte die Botschaft nicht alarmistisch, sondern lösungsorientiert sein: Ein sofortiger Stopp des Konsums ab dem Zeitpunkt der Kenntnis ist sinnvoll und kann das Risiko für den weiteren Verlauf reduzieren. Bei bestehender Abhängigkeit oder stark eingeübten Konsummustern sind spezialisierte Suchtberatungsstellen und interdisziplinäre Teams (Gynäkologie, Psychiatrie, Suchtmedizin) wertvolle Ansprechspartner. Ziel ist ein gemeinsam erarbeiteter Ausstiegsplan, der sowohl die psychische Stabilität der Mutter als auch den Schutz des Kindes berücksichtigt.

Rechtlicher Rahmen und ärztliche Verantwortung in der Schweiz

In der Schweiz unterliegt Cannabis, je nach THC-Gehalt und Verwendungszweck, unterschiedlichen rechtlichen Regelungen. THC-haltige Cannabisprodukte sind grundsätzlich dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, Ausnahmen gelten für medizinisch indizierte Therapien unter bestimmten Voraussetzungen. Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet dies, dass sie bei der Verordnung von Cannabis besondere Sorgfaltspflichten haben – erst recht bei Patientinnen im gebärfähigen Alter oder mit Kinderwunsch. Eine Schwangerschaft stellt rechtlich und ethisch eine besonders sensible Situation dar, da hier die Gesundheit von zwei Individuen betroffen ist. Entsprechend sind Aufklärung über unbekannte und bekannte Risiken, Dokumentation der Entscheidung und eine laufende Reevaluation der Therapie zentral. Für Patientinnen ist wichtig zu wissen: Eine ehrliche Information über bestehenden oder früheren Konsum ist kein „Fehlverhalten“, sondern eine Grundlage dafür, dass das Behandlungsteam die bestmögliche, individuelle und leitlinienorientierte Betreuung planen kann.

Grafische Darstellung rechtlicher THC-Grenzwerte und Einstufungen

Praktische Empfehlungen: Was Sie als Schwangere oder bei Kinderwunsch tun können

Wer schwanger ist oder eine Schwangerschaft plant und Cannabis konsumiert (oder konsumiert hat), steht oft vor vielen Fragen und Unsicherheiten. Folgende Schritte können helfen, die Situation strukturiert und sicher anzugehen:

  • Offenheit gegenüber der behandelnden Ärztin oder dem Arzt über bisherigen oder aktuellen Cannabiskonsum
  • Möglichst frühzeitiger vollständiger Stopp des Konsums, idealerweise bereits bei Kinderwunsch
  • Gemeinsame Prüfung von Alternativen zur Linderung von Beschwerden (Schmerz, Übelkeit, Schlafstörungen, Angst)
  • Bei Schwierigkeiten mit dem Ausstieg: Einbezug von Suchtberatungsstellen oder psychotherapeutischer Unterstützung
  • Regelmässige Schwangerschaftskontrollen mit Augenmerk auf Blutdruck, Plazenta und fetales Wachstum

Diese Punkte können als Leitfaden dienen, ersetzen jedoch nicht die persönliche Medizinberatung. Entscheidend ist der offene Dialog: Ihre gynäkologische Praxis oder Ihr betreuendes Spital kann Risiken einordnen, geeignete Zusatzuntersuchungen empfehlen und bei Bedarf weitere Fachdisziplinen (z. B. Suchtmedizin, Psychiatrie, Hebammenberatung) einbeziehen. Ein früher Konsum bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft „verloren“ ist – aber er ist ein guter Anlass, die weiteren Wochen und Monate so sicher wie möglich zu gestalten. Je konsequenter Konsumstopp, Vorsorge und Begleittherapien umgesetzt werden, desto eher lassen sich vermeidbare Risiken reduzieren.

Schematischer Ablauf einer strukturierten medizinischen Cannabis-Betreuung

Abgrenzung zu anderen Substanzen: Cannabis ist nicht „weniger schlimm“

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Cannabis oft mit deutlich gefährlicheren Substanzen wie Kokain, Opiaten oder Methamphetamin verglichen und dabei als „das kleinere Übel“ eingestuft. Für die Schwangerschaft ist diese Sichtweise irreführend. Alkohol, Tabak und Cannabis sind zwar gesellschaftlich deutlich stärker verbreitet, können aber gerade deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind haben. Studien zu Alkohol in der Schwangerschaft zeigen beispielsweise, dass schon moderate Mengen das Risiko für Entwicklungsstörungen erhöhen können. Tabakkonsum steigert unter anderem das Risiko für Wachstumsretardierung, Plazentakomplikationen und plötzlichen Kindstod. Cannabis reiht sich in diese Gruppe ein: Auch wenn das toxische Profil anders ist, sprechen die vorliegenden Daten klar gegen einen Konsum in der Schwangerschaft. Entscheidend ist nicht der Vergleich, welche Substanz „schlimmer“ ist, sondern die Frage, welche Risiken vermeidbar sind. Für Cannabis gilt: Die meisten Anwendungen in der Schwangerschaft sind medizinisch nicht notwendig und lassen sich durch andere, besser untersuchte Therapieoptionen ersetzen.

Fazit: Klare Empfehlung zum Verzicht – und zur individuellen Beratung

Zusammenfassend zeigt die aktuelle Studienlage, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft die Risiken für Mutter und Kind deutlich erhöht. Dazu gehören ein gesteigertes Risiko für Schwangerschaftsbluthochdruck, Präeklampsie, Plazentaablösung, ungünstige Gewichtsentwicklung der Mutter sowie Frühgeburt und Wachstumsstörungen beim Kind. Hinweise auf mögliche langfristige Auswirkungen auf die kognitive und emotionale Entwicklung unterstreichen die Notwendigkeit, jede vermeidbare Exposition zu vermeiden. Fachgesellschaften, Suchtberatungsstellen und Gesundheitsbehörden empfehlen deshalb konsistent, während Schwangerschaft und Stillzeit vollständig auf Cannabis zu verzichten. Für Frauen mit medizinischer Cannabis-Therapie oder mit Schwierigkeiten beim Ausstieg ist eine individuell angepasste ärztliche Betreuung zentral. Eine neutrale, evidenzbasierte Informationsplattform wie Evidena kann dabei helfen, den Überblick zu behalten, Fragen zu strukturieren und den Dialog mit behandelnden Fachpersonen vorzubereiten. Im Mittelpunkt stehen dabei stets: Transparenz, Sicherheit und die bestmögliche Unterstützung für eine gesunde Schwangerschaft.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Cannabis in der Schwangerschaft

Ich habe vor der Schwangerschaft regelmässig Cannabis konsumiert. Muss ich mir nun Sorgen machen?

Wenn der Konsum vor der Befruchtung stattgefunden hat und mit Eintritt der Schwangerschaft beendet wurde, ist das Risiko für das Kind deutlich geringer als bei weiterbestehendem Konsum. Wichtig ist, dass Sie Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt offen von Ihrem früheren Konsum berichten, damit der Schwangerschaftsverlauf entsprechend aufmerksam begleitet werden kann. Ein Konsum noch in der Frühschwangerschaft bedeutet nicht automatisch, dass es zu Schäden kommt, ist aber ein Anlass, frühzeitig aufzufhören und gegebenenfalls zusätzliche Kontrollen (z. B. Wachstumsultraschall) zu planen.

Kann ich in der Schwangerschaft zumindest CBD-Produkte verwenden?

CBD gilt im Vergleich zu THC als weniger psychotrop, dennoch greift es in das Endocannabinoid-System ein, das in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Die Datenlage zu CBD in der Schwangerschaft ist sehr begrenzt, und es liegen keine robusten Sicherheitsnachweise vor. Zudem können frei verkäufliche Produkte verunreinigt sein oder unerwartete THC-Gehalte aufweisen. Fachgesellschaften raten deshalb zur Vorsicht und empfehlen, während der Schwangerschaft auf CBD-Produkte zu verzichten, sofern keine zwingende medizinische Indikation besteht und keine ärztliche Begleitung erfolgt.

Hilft Cannabis wirklich gegen Schwangerschaftsübelkeit – und ist das eine Option?

Einzelne Betroffene berichten, dass Cannabis subjektiv gegen Übelkeit hilft. Wissenschaftlich geprüfte, sichere Anwendungen in der Schwangerschaft existieren jedoch nicht. Gleichzeitig gibt es gut etablierte, medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien gegen starke Übelkeit und Erbrechen (z. B. bei Hyperemesis gravidarum), die wesentlich besser untersucht sind. Aufgrund der nachgewiesenen Risiken von Cannabis in der Schwangerschaft wird von einer „Selbsttherapie“ mit Cannabis dringend abgeraten. Sprechen Sie Ihre Beschwerden frühzeitig in der gynäkologischen Praxis an, damit eine leitliniengerechte Behandlung eingeleitet werden kann.

Ich schaffe es nicht, den Konsum allein zu stoppen. An wen kann ich mich wenden?

Wenn es Ihnen schwerfällt, auf Cannabis zu verzichten, ist das kein Einzelfall. Gerade bei länger bestehendem oder hochfrequentem Konsum können psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. In der Schweiz stehen Ihnen Suchtberatungsstellen, psychiatrische Dienste und spezialisierte Angebote für Schwangere mit Substanzkonsum zur Verfügung. Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe kann Sie an geeignete Stellen weiterverweisen und gemeinsam mit Ihnen einen Ausstiegsplan entwickeln. Wichtig ist, dass Sie Hilfe suchen, bevor der Konsum zur zusätzlichen Belastung für Schwangerschaft und Alltag wird.

Darf ich nach der Geburt wieder Cannabis konsumieren, wenn ich stille?

THC und andere Cannabinoide gehen in die Muttermilch über und können vom Säugling aufgenommen werden. Die mögliche Auswirkung auf die Hirnentwicklung des Kindes ist derzeit nicht abschliessend geklärt, es bestehen aber begründete Bedenken. Fachgesellschaften empfehlen daher, während der Stillzeit ebenfalls auf Cannabiskonsum zu verzichten. Wenn ein Verzicht nicht möglich ist, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt und Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen besprechen, um Risiken möglichst zu begrenzen und alternative Strategien zu prüfen.

Gibt es Situationen, in denen eine medizinische Cannabis-Therapie trotz Schwangerschaft fortgeführt wird?

In seltenen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass eine Patientin wegen einer schweren Grunderkrankung bereits vor der Schwangerschaft medizinisches Cannabis einnimmt. In einer solchen Situation ist eine strenge, interdisziplinäre Risiko-Nutzen-Abwägung nötig. Häufig wird versucht, auf besser untersuchte Alternativen umzustellen oder die Dosis zu reduzieren. Da Schwangere in den meisten Studien zur Cannabis-Therapie ausgeschlossen sind, fehlen belastbare Sicherheitsdaten. Jede Entscheidung sollte deshalb individuell, engmaschig überwacht und regelmässig neu bewertet werden.

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