Cannabis: Nutzungsformen in der medizinischen Therapie
Medizinisches Cannabis kann auf verschiedene Arten angewendet werden – jede Form wirkt anders, hat eigene Vorteile und Risiken und passt zu unterschiedlichen Lebenssituationen. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Nutzungsformen verständlich und zeigt, wie eine strukturierte, ärztlich begleitete Therapie in der Schweiz aussehen kann. • Verstehen, wie sich orale, inhalative und topische Anwendungen unterscheiden • Lernen, welche Form sich für welche Beschwerden und Alltagssituationen eignet • Einordnen, welche Rolle eine digitale, koordinierte Versorgung wie bei Evidena spielt
Inhaltsverzeichnis
- 1. Medizinisches Cannabis – Grundlagen der Anwendung
- 2. Orale Anwendungen: Öle, Tropfen, Kapseln und Tee
- 2.1 Cannabisöle und -tropfen
- 2.2 Kapseln
- 2.3 Cannabistee – Möglichkeiten und Grenzen
- 3. Inhalative Anwendungen: Verdampfen statt Rauchen
- 3.1 Medizinisches Vaporisieren von Blüten
- 3.2 Warum Rauchen medizinisch nicht empfohlen wird
- 4. Topische Anwendungen: Cremes, Salben und Gele
- Hinweis: Medizinische vs. kosmetische Produkte
- 5. THC, CBD und das Cannabinoid-Spektrum: Bedeutung für die Anwendungsform
- 6. Strukturierte Dosisfindung und sichere Anwendung im Alltag
- Alltagssicherheit und Teilnahme am Strassenverkehr
- 7. Evidena als digitale Versorgungsplattform: Wie die Nutzungsformen eingebettet werden
- Cannabis-Therapie
- Info-/Vergleichsportal
- Partner-Apotheken
- Allgemeine Fragen
- 8. Nutzen und Grenzen der einzelnen Nutzungsformen im Überblick
Die medizinische Anwendung von Cannabis hat in den letzten Jahren auch in der Schweiz deutlich an Relevanz gewonnen. Gleichzeitig ist die Vielfalt an Präparaten und Nutzungsformen stark gewachsen. Für Patientinnen und Patienten entsteht dadurch häufig Unsicherheit: Welche Form ist für meine Situation sinnvoll? Wie schnell setzt die Wirkung ein, wie lange hält sie an und wie lässt sich die Dosis sicher steuern?
Dieser Beitrag gibt Ihnen eine systematische, unabhängige Einordnung der wichtigsten Anwendungsformen von medizinischem Cannabis – immer mit Fokus auf ärztlich verordnete Therapien, nicht auf Freizeitkonsum. Zudem wird erläutert, wie eine moderne, digitale Versorgungsplattform wie Evidena dabei unterstützt, Therapie, Betreuung und Apothekenversorgung sicher zu koordinieren.
1. Medizinisches Cannabis – Grundlagen der Anwendung
Medizinisches Cannabis umfasst unterschiedliche arzneilich genutzte Zubereitungen aus der Cannabispflanze oder deren Wirkstoffen (vor allem THC und CBD). Wichtig ist die klare Abgrenzung zum Freizeitkonsum: In der Therapie geht es ausschliesslich darum, Beschwerden zu lindern oder die Lebensqualität zu verbessern, immer auf Basis einer ärztlichen Beurteilung und gesetzlicher Vorgaben.
Für die Wahl der Anwendungsform spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Art, Stärke und Häufigkeit der Beschwerden (z. B. chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Spastik)
- Gewünschte Geschwindigkeit des Wirkeintritts
- Dauer der Wirkung im Alltag (z. B. über Nacht, tagsüber mit Berufstätigkeit)
- Begleiterkrankungen und andere Medikamente
- Erfahrungen mit Cannabis sowie individuelle Empfindlichkeit gegenüber THC
Diese Punkte müssen immer gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Erst daraus ergibt sich, ob eher eine langsamer einsetzende, dafür stabile Wirkung (z. B. Tropfen oder Kapseln) oder eine schnell wirksame, gut steuerbare Form (z. B. medizinischer Vaporizer) geeignet ist. In vielen Fällen werden auch Kombinationen eingesetzt, etwa eine Basistherapie mit Öl und eine Bedarfsmedikation per Inhalation für Durchbruchschmerzen.
2. Orale Anwendungen: Öle, Tropfen, Kapseln und Tee
Die orale Einnahme ist eine der häufigsten Formen der medizinischen Cannabis-Therapie. Ziel ist eine gleichmässige, länger anhaltende Wirkung, beispielsweise bei chronischen Schmerzen, Spastik oder Schlafstörungen. Orale Präparate durchlaufen den Magen-Darm-Trakt und werden über die Leber verstoffwechselt. Dadurch setzt die Wirkung zeitverzögert ein, kann aber mehrere Stunden anhalten.
2.1 Cannabisöle und -tropfen
Flüssige Cannabisextrakte und Dronabinol-Tropfen sind in der Schweiz zentrale Bausteine der Cannabis-Therapie. Sie enthalten definierte Mengen an THC, CBD oder einer Kombination beider Wirkstoffe. Die Dosierung erfolgt meist über Tropfen oder eine Dosierpipette. Dies ermöglicht eine sehr feine Titration: Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis ein ausgewogenes Verhältnis von Wirkung und Verträglichkeit erreicht ist.
Typischerweise wird mit einer niedrigen Dosis begonnen (z. B. wenige Tropfen abends) und in Absprache mit der behandelnden Fachperson alle paar Tage leicht gesteigert. Der Wirkeintritt liegt – je nach Stoffwechsel und Nahrungsaufnahme – nach etwa 30 bis 120 Minuten, der Wirkgipfel nach 2 bis 4 Stunden. Die Wirkung kann insgesamt 6 bis 8 Stunden oder länger anhalten, was insbesondere für die Nacht oder für eine gleichmässige Tagesabdeckung sinnvoll sein kann.
- Dronabinol als Tropfen
- Standardisierte Vollspektrum-Extrakte mit THC und/oder CBD
- Ölbasierte Zubereitungen zur oralen Einnahme
Alle drei Formen haben gemeinsam, dass sie vergleichsweise gut standardisiert und wissenschaftlich untersucht sind. Dronabinol (synthetisches THC) erlaubt eine gezielte THC-Dosierung. Vollspektrum-Extrakte enthalten neben THC und CBD weitere Cannabinoide und Terpene, die pharmakologisch relevant sein können. Ölige Zubereitungen sind besonders alltagstauglich, weil sie einfach tropfenweise eingenommen und gut dosiert werden können. Wichtig ist, dass Patientinnen und Patienten eine Einnahmeroutine entwickeln (z. B. immer zur gleichen Uhrzeit, vorzugsweise mit etwas fetthaltiger Nahrung), um Wirkverlauf und Verträglichkeit besser einschätzen zu können.
2.2 Kapseln
Kapseln enthalten definierte Mengen an Wirkstoff (z. B. Dronabinol) und werden wie andere Arzneikapseln mit Wasser geschluckt. Sie eignen sich besonders für Menschen, die eine sehr konstante, reproduzierbare Dosis wünschen oder Schwierigkeiten mit Tropfen haben. Auch hier setzt die Wirkung verzögert ein, hält dafür aber häufig lange an.
Die starre Dosis pro Kapsel ist Vor- und Nachteil zugleich: Die Einnahme ist einfach und diskret, die Dosis lässt sich jedoch nur in grösseren Schritten anpassen. Gerade zu Beginn der Therapie kann deshalb eine Kombination aus Kapseln und flüssigen Präparaten sinnvoll sein, um die Feinabstimmung zu erleichtern.
2.3 Cannabistee – Möglichkeiten und Grenzen
Cannabistee ist eine traditionelle Form der Einnahme, in der modernen Therapie aber eher nachrangig. Der Hauptgrund: Die Zubereitung ist technisch anspruchsvoll und die Wirkstoffausbeute schwer vorhersehbar. In den getrockneten Blüten liegen THC und andere Cannabinoide überwiegend in ihrer Säureform vor (z. B. THCA). Erst durch Erhitzen werden sie via Decarboxylierung in die pharmakologisch aktive Form (z. B. THC) überführt.
- Aufwendige Zubereitung mit genau definiertem Erhitzungs- und Ziehprozess
- Wechselnde Wirkstoffgehalte der Blüten erschweren die Standardisierung
- Im Vergleich zu Öl oder Tropfen meist weniger gut kontrollierbare Dosis
In der Praxis bedeutet dies: Cannabistee kann zwar eine milde, länger anhaltende Wirkung entfalten, die Stärke ist aber schwer kalkulierbar. Ärztinnen und Ärzte setzen Tee deshalb eher zurückhaltend ein und bevorzugen standardisierte Extrakte. Wenn Tee verordnet wird, erhalten Patientinnen und Patienten in der Regel eine genaue Anleitung (z. B. 1 g Blüten auf 1 Liter Wasser, 15 Minuten Sieden, heiss trinken, maximal bestimmte Menge pro Tag). Eine Dosisanpassung darf immer nur in ärztlicher Rücksprache erfolgen.
3. Inhalative Anwendungen: Verdampfen statt Rauchen
Die inhalative Anwendung über medizinische Vaporizer spielt besonders dann eine Rolle, wenn ein schneller Wirkeintritt gewünscht ist – etwa bei plötzlichen Schmerzspitzen, spastischen Krisen oder Übelkeit. Im Gegensatz zum Rauchen werden bei der Verdampfung die Blüten oder Extrakte erhitzt, ohne dass es zu einer Verbrennung kommt. Dadurch werden weniger Verbrennungsprodukte freigesetzt, was aus medizinischer Sicht vorteilhaft ist.
3.1 Medizinisches Vaporisieren von Blüten
Beim Vaporisieren werden standardisierte Cannabisblüten in einer dafür vorgesehenen Kammer auf eine definierte Temperatur erhitzt. Ab etwa 180–210 °C gehen die gewünschten Cannabinoide in Dampf über und können über ein Mundstück eingeatmet werden. Der Effekt tritt meist innerhalb von Minuten ein, erreicht nach etwa 10–20 Minuten seinen Höhepunkt und klingt nach 2–4 Stunden wieder ab.
- Schneller Wirkeintritt – geeignet bei plötzlich auftretenden Beschwerden
- Im Vergleich zum Rauchen deutlich geringere Belastung der Atemwege
- Feindosierung möglich durch Anzahl der Züge und Temperatursteuerung
Die Herausforderung liegt in der Dosierbarkeit: Verschiedene Blütensorten unterscheiden sich stark im THC- und CBD-Gehalt, und Patientinnen und Patienten reagieren individuell unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass die verordnende Arztpraxis und die Apotheke eng zusammenarbeiten. Oft wird die individuell passende Sorte und Dosis erst nach mehreren Anpassungen gefunden. Moderne Plattformen können hier unterstützen, indem sie den Verlauf strukturiert dokumentieren und Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten systematisch erfassen.
3.2 Warum Rauchen medizinisch nicht empfohlen wird
Aus medizinischer Sicht wird das Rauchen von Cannabis – etwa in Form eines Joints – nicht als sinnvolle Anwendungsform betrachtet. Beim Verbrennen entstehen wie beim Tabakkonsum zahlreiche Schadstoffe und Reizgase, die Bronchien und Lunge belasten können. Insbesondere das Mischen mit Tabak erhöht das Risiko für Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Belastungen deutlich.
Zudem werden bei hohen Verbrennungstemperaturen Teile der Cannabinoide zerstört, bevor sie wirken können. Damit ist das Verhältnis zwischen erwünschtem Effekt und gesundheitlicher Belastung ungünstiger als beim sachgerechten Vaporisieren. In ärztlich begleiteten Therapien wird deshalb dringend empfohlen, auf reine Verbrennungsformen zu verzichten und – falls inhalative Anwendung angezeigt ist – auf geprüfte Vaporizer zurückzugreifen.
4. Topische Anwendungen: Cremes, Salben und Gele
Topische Cannabispräparate werden auf die Haut aufgetragen und wirken primär lokal, zum Beispiel an Gelenken, Muskeln oder bei bestimmten Hauterkrankungen. Dabei dringen Cannabinoide nur in begrenztem Umfang in den Blutkreislauf ein, sodass zentrale Effekte wie ein Rauschzustand in der Regel nicht zu erwarten sind.
- Lokal begrenzte Anwendung z. B. bei Muskel- und Gelenkbeschwerden
- Geringes Risiko für systemische Nebenwirkungen
- Wissenschaftliche Datenlage noch begrenzt und teils uneinheitlich
Für Patientinnen und Patienten, die andere Medikamente einnehmen oder empfindlich auf THC reagieren, kann dies ein theoretischer Vorteil sein. Gleichzeitig sind viele topische Produkte bislang weniger gut untersucht als orale oder inhalative Arzneimittel. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dies bei der Indikationsstellung und Aufklärung. Wichtig ist, nur medizinisch geprüfte Präparate zu verwenden und individuelle Hautreaktionen (z. B. Rötungen, Juckreiz) zu beobachten und gegebenenfalls zu melden.
Hinweis: Medizinische vs. kosmetische Produkte
Auf dem Markt finden sich zahlreiche CBD-haltige Cremes und Kosmetika, die nicht als Arzneimittel zugelassen sind. Für sie gelten andere Qualitäts- und Wirksamkeitsanforderungen. Bei medizinisch begründeten Beschwerden sollte die Anwendung immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. So kann geprüft werden, ob eine topische Cannabistherapie sinnvoll ist, ob alternative Therapieoptionen existieren und wie eine Kombination mit bestehenden Behandlungen sicher gestaltet werden kann.
5. THC, CBD und das Cannabinoid-Spektrum: Bedeutung für die Anwendungsform
Neben der Frage der Darreichungsform ist entscheidend, welche Wirkstoff-Zusammensetzung eingesetzt wird. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der vorwiegend psychoaktive Bestandteil, CBD (Cannabidiol) wirkt nicht berauschend und kann bestimmte Effekte von THC modulieren. Viele medizinische Präparate nutzen ein definiertes Verhältnis beider Substanzen.
Je nach Indikation und individueller Verträglichkeit können unterschiedliche Profile sinnvoll sein:
- THC-dominante Präparate mit stärkerer zentraler Wirkung, z. B. bei bestimmten Schmerzsyndromen
- CBD-dominante Präparate mit geringem Risiko für psychoaktive Effekte
- Ausgewogene THC:CBD-Verhältnisse, um Wirkung und Verträglichkeit zu balancieren
Die Anwendungsform beeinflusst, wie diese Profile im Körper ankommen. So kann dieselbe THC-Menge als Tropfen anders erlebt werden als beim Vaporisieren, weil Aufnahmegeschwindigkeit und Stoffwechsel sich unterscheiden. Deshalb gehört zur Therapieplanung immer eine genaue Besprechung von Wirkstoffgehalt, Form und Einnahmezeitpunkten. Digitale Unterstützung, etwa durch Protokollfunktionen in Patientenportalen, hilft, individuelle Muster frühzeitig zu erkennen und die Therapie darauf abzustimmen.
6. Strukturierte Dosisfindung und sichere Anwendung im Alltag
Unabhängig von der Anwendungsform gilt in der medizinischen Cannabis-Therapie der Grundsatz: „Start low, go slow“ – niedrig beginnen, langsam steigern. Ziel ist, die individuell niedrigste Dosis zu finden, mit der die vereinbarten Therapieziele erreicht werden, ohne dass belastende Nebenwirkungen auftreten.
- Langsame Dosissteigerung nach ärztlichem Schema
- Dokumentation von Wirkung, Nebenwirkungen und Alltagstauglichkeit
- Regelmässige ärztliche Kontrollen und Anpassungen
In der Praxis bedeutet das: Zu Therapiebeginn wird eine Startdosis und ein Einnahmeplan festgelegt. Patientinnen und Patienten beobachten in den ersten Tagen und Wochen sorgfältig, wie sich Symptome, Schlaf, Konzentration und Stimmung entwickeln. Wichtig ist auch, ob sich der Alltag (z. B. Beruf, Mobilität, Familienleben) weiterhin sicher bewältigen lässt. Rückmeldungen fliessen bei den Verlaufskontrollen in die weitere Planung ein. Digitale Plattformen können diesen Prozess erleichtern, indem sie strukturierte Fragebögen, Verlaufsdiagramme und eine einfache Kommunikation mit der behandelnden Praxis bereitstellen.
Alltagssicherheit und Teilnahme am Strassenverkehr
Medizinisches Cannabis kann die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit beeinflussen, insbesondere zu Beginn der Therapie, nach Dosisanpassungen oder bei THC-dominanten Präparaten. In der Schweiz gelten strenge Regeln für das Führen von Fahrzeugen unter Einfluss psychoaktiver Substanzen. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, in welchen Situationen Sie auf das Autofahren verzichten sollten, und informieren Sie sich über die jeweils geltenden gesetzlichen Grenzwerte. Eine verantwortungsvolle Planung der Einnahmezeiten ist Teil einer sicheren Therapie.
7. Evidena als digitale Versorgungsplattform: Wie die Nutzungsformen eingebettet werden
Medizinisches Cannabis ist keine isolierte Massnahme, sondern Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts. Genau hier setzt Evidena an: Die Plattform verbindet ärztliche Betreuung, Cannabis-Therapie, digitales Rezeptmanagement und Apothekenanbindung zu einem durchgängigen Versorgungspfad. Telemedizin ist dabei ein Zugangskanal, aber nicht der alleinige Fokus.
Cannabis-Therapie
Erfahren Sie, wie eine ärztlich geführte Cannabis-Therapie über Evidena strukturiert wird – von der Indikationsprüfung über die Wahl der passenden Anwendungsform bis zur laufenden Anpassung der Behandlung.
Info-/Vergleichsportal
Vergleichen Sie objektiv unterschiedliche Therapieoptionen, Präparateformen und Rahmenbedingungen – neutral aufbereitet für Patientinnen, Patienten und Fachpersonen.
Partner-Apotheken
Finden Sie angebundene Schweizer Apotheken, die mit medizinischen Cannabispräparaten vertraut sind und eine sichere Abgabe nach ärztlicher Verordnung gewährleisten.
Allgemeine Fragen
Antworten auf häufige Fragen zur medizinischen Cannabis-Anwendung, zu rechtlichen Rahmenbedingungen und zur Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und Apotheken.
Im Zentrum steht immer die medizinische Beurteilung: Welche Indikation liegt vor? Welche evidenzbasierten Therapieoptionen existieren? Wo kann Cannabis eine sinnvolle Ergänzung sein, wo eher nicht? Die Plattform unterstützt diese Entscheidungsprozesse digital, ersetzt aber nie das ärztliche Urteil. Nach der Verordnung werden Rezeptabwicklung, Austausch mit der Apotheke und Verlaufsdokumentation weitgehend digitalisiert. Dadurch bleibt mehr Zeit für die inhaltliche Besprechung von Zielen, Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen der gewählten Anwendungsform.
8. Nutzen und Grenzen der einzelnen Nutzungsformen im Überblick
Keine Anwendungsform ist „besser“ im absoluten Sinn – jede hat spezifische Stärken und Grenzen. Die passende Wahl ergibt sich aus der individuellen Situation, den Therapiezielen und der persönlichen Lebensrealität.
- Oral (Öle, Tropfen, Kapseln): gut geeignet für chronische Beschwerden, bei denen eine stabile, länger anhaltende Wirkung gewünscht ist. Wirkeintritt verzögert, Dosierung gut steuerbar, insbesondere bei Tropfen.
- Inhalativ (Vaporizer): sinnvoll bei Bedarf nach rascher Linderung, z. B. bei Durchbruchschmerzen. Erfordert sorgfältige Einweisung in Gerät und Dosierung, Rauchen wird aus medizinischer Sicht nicht empfohlen.
- Topisch (Cremes/Salben): eher bei lokal begrenzten Beschwerden; begrenzte Datenlage, geringeres Risiko systemischer Effekte, aber weniger robust untersucht als orale oder inhalative Arzneimittel.
Entscheidend ist, dass Sie sich nicht allein auf Informationen aus dem Internet verlassen, sondern Ihre Fragen mit einer erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt besprechen. Strukturierte, digitale Angebote können helfen, Informationen zu ordnen, Vorlieben zu klären und die gemeinsam getroffenen Entscheidungen im Alltag konsequent umzusetzen. So wird aus der reinen „Nutzungsform“ eine individuell passende Therapieform, die laufend überprüft und angepasst werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Häufige Fragen zu Nutzungsformen von medizinischem Cannabis
Wirkt Cannabis bei jeder Anwendungsform gleich stark?
Nein. Die Stärke und Art der Wirkung hängt nicht nur von THC- und CBD-Gehalt ab, sondern auch stark von der Anwendungsform. Beim Vaporisieren tritt der Effekt schnell und oft intensiver ein, klingt jedoch schneller ab. Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung später ein, kann dafür über viele Stunden anhalten. Topische Anwendungen wirken in der Regel eher lokal. Diese Unterschiede müssen bei der Therapieplanung immer berücksichtigt werden.
Welche Anwendungsform ist für Einsteigerinnen und Einsteiger am ehesten geeignet?
Das hängt von Ihrer Indikation, Ihren Beschwerden und Ihrer persönlichen Situation ab. Häufig werden bei Neueinstellungen niedrig dosierte orale Präparate (z. B. Tropfen) gewählt, weil sie gut titrierbar sind und eine gleichmässige Wirkung ermöglichen. Ob zusätzlich eine inhalative Bedarfstherapie sinnvoll ist, sollte immer individuell mit der behandelnden Fachperson besprochen werden. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.
Kann ich von einer Form auf eine andere wechseln?
Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, sollte aber nie ohne ärztliche Begleitung erfolgen. Durch die unterschiedlichen Aufnahmewege kann eine scheinbar „gleiche“ Menge THC oder CBD je nach Form anders wirken. Beim Wechsel ist deshalb eine erneute, vorsichtige Dosisfindung erforderlich. Digitale Verlaufsdokumentation kann hier helfen, den Effekt der neuen Form objektiv zu beurteilen.
Ist medizinischer Vaporizer-Gebrauch genauso schädlich wie Rauchen?
Beim sachgerechten Vaporisieren werden Blüten oder Extrakte erhitzt, ohne sie zu verbrennen. Dadurch entstehen deutlich weniger Verbrennungsprodukte als beim Rauchen, was aus medizinischer Sicht günstiger ist. Dennoch handelt es sich um eine inhalative Anwendung, die bei bestehenden Lungenerkrankungen sorgfältig abgewogen werden sollte. Das Mischen mit Tabak ist aus gesundheitlicher Sicht nicht zu empfehlen und gehört nicht zu einer medizinischen Therapie.
Darf ich mit medizinischem Cannabis Auto fahren?
In der Schweiz ist das Führen eines Fahrzeugs unter Einfluss psychoaktiver Substanzen rechtlich streng geregelt. Auch bei ärztlich verordnetem Cannabis können THC-Spiegel im Blut relevant sein. Ob und unter welchen Bedingungen Sie fahren dürfen, hängt von Dosis, Anwendungsform, individuellem Ansprechen und geltenden Grenzwerten ab. Besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und beachten Sie die aktuellen rechtlichen Vorgaben.
Kann es zu Abhängigkeit kommen, wenn Cannabis medizinisch eingesetzt wird?
Ein gewisses Abhängigkeitspotenzial besteht prinzipiell, insbesondere bei längerfristiger, THC-reicher Anwendung. In der medizinischen Therapie wird diesem Risiko durch sorgfältige Indikationsstellung, moderate Dosierungen, regelmässige Kontrollen und klare Therapieziele begegnet. Mit ärztlicher Begleitung und bewusster Anwendung lässt sich das Risiko besser einschätzen und eingrenzen. Bei Anzeichen von problematischem Konsum sollte frühzeitig das Gespräch gesucht werden.
Ersetzt medizinisches Cannabis andere Medikamente?
In manchen Situationen kann Cannabis eine bestehende Therapie ergänzen oder in Einzelfällen dazu beitragen, andere Medikamente zu reduzieren. Es handelt sich jedoch nicht um ein universelles Ersatzmittel. Ob Anpassungen möglich sind, hängt von Ihrer Grunderkrankung, bisherigen Therapien und individuellen Zielen ab. Änderungen an bestehenden Medikamenten sollten nie ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.
Quellen
- Bundesamt für Gesundheit BAG – Informationen zu Cannabis und Gesundheit
- Swissmedic – Heilmittelinstitut der Schweiz, Fachinformationen zu Cannabis-Arzneimitteln
- Infodrog / Infodrog – Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht
- Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie – Positionspapiere zu Cannabis