Warum CBD nicht high macht: wissenschaftliche Einblicke
Viele Menschen verbinden Cannabis automatisch mit einem Rauschzustand – dabei gilt das nicht für alle Inhaltsstoffe der Pflanze. Cannabidiol (CBD) wirkt im Körper grundlegend anders als Tetrahydrocannabinol (THC) und verursacht in therapeutischen Dosen kein klassisches High. • Verstehen, wie CBD im Endocannabinoid-System wirkt – und warum es nicht berauschend ist • Unterschiede zwischen CBD und THC, inklusive rechtlicher Grenzen in der Schweiz • Einordnung: Welche Rolle spielt CBD in einer ärztlich begleiteten, medizinischen Cannabis-Therapie?
Einleitung: Warum die Frage „Macht CBD high?“ so wichtig ist
CBD ist in den letzten Jahren zu einem festen Begriff in der öffentlichen Wahrnehmung geworden – von frei verkäuflichen Ölen bis zur ärztlich begleiteten medizinischen Cannabis-Therapie. Gleichzeitig hält sich die Verunsicherung hartnäckig: Wenn CBD aus derselben Pflanze stammt wie THC, warum macht es dann nicht high? Und stimmt das überhaupt immer? Für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Fachpersonen ist diese Unterscheidung zentral, denn sie beeinflusst sowohl Sicherheitsfragen als auch rechtliche Einschätzungen und Therapieentscheidungen.
Dieser Beitrag erklärt auf wissenschaftlicher Basis, weshalb CBD im typischen therapeutischen Einsatz nicht zu einem klassischen Cannabis-Rausch führt, wie es sich chemisch und pharmakologisch von THC unterscheidet und welche Feinheiten die Forschung inzwischen aufgezeigt hat. Besonderes Augenmerk liegt auf der Situation in der Schweiz: rechtliche THC-Grenzen, der Einsatz von Vollspektrum-Extrakten und die Rolle von CBD im Rahmen einer ärztlich überwachten medizinischen Cannabis-Behandlung.
Wichtige Kernpunkte auf einen Blick
CBD wird als nicht berauschendes Cannabinoid eingeordnet, weil es das Bewusstsein nicht in typischer THC-Manier verändert und kein klassisches High auslöst. Es kann jedoch je nach Dosis Müdigkeit, Entspannung oder subtil veränderte Wahrnehmung begünstigen. In Kombination mit THC beeinflusst CBD dessen Wirkung komplex und dosisabhängig. Für die Praxis bedeutet dies: Eine sorgfältige ärztliche Einschätzung, eine schrittweise Dosistitration und die Einhaltung der gesetzlichen THC-Grenzwerte sind entscheidend, um die Vorteile einer Cannabinoid-Therapie sicher zu nutzen.
CBD im Überblick: Chemie, Herkunft und Rolle im Körper
Cannabidiol (CBD) ist eines von über 100 bekannten Cannabinoiden der Cannabispflanze. Chemisch betrachtet gehört es – wie THC – zu den sogenannten Phytocannabinoiden, unterscheidet sich aber in seiner räumlichen Struktur. Aus denselben Grundbausteinen (Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff) entsteht ein Molekül, das an anderen Rezeptoren andockt und andere Signale auslöst. Diese scheinbar kleine strukturelle Differenz hat grosse funktionelle Folgen für das Gehirn und das zentrale Nervensystem.
Im Gegensatz zu THC löst CBD in therapeutisch üblichen Dosen keine Euphorie, Halluzinationen oder ausgeprägte Bewusstseinsveränderungen aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft CBD als Substanz mit gutem Sicherheitsprofil und ohne nachweisbares Abhängigkeitspotenzial ein. Gleichzeitig beschreibt die Forschung eine Vielzahl möglicher Wirkmechanismen, die von entzündungsmodulierenden Effekten bis zu angstlösenden Eigenschaften reichen. Wichtig ist: Diese Effekte werden heute zunehmend im medizinischen Kontext genutzt, etwa ergänzend bei chronischen Schmerzen oder bestimmten neurologischen Erkrankungen – immer ärztlich begleitet und rechtlich reguliert.
CBD und das Endocannabinoid-System: Warum kein klassisches High entsteht
Um zu verstehen, weshalb CBD in der Regel nicht high macht, lohnt sich ein Blick auf das Endocannabinoid-System (ECS). Dieses körpereigene Regelsystem besteht aus Rezeptoren (vor allem CB1 und CB2), endogenen Liganden (körpereigene Cannabinoide wie Anandamid) und Enzymen, welche diese Signalstoffe auf- und abbauen. Es ist an zentralen Prozessen wie Schmerzverarbeitung, Stimmung, Schlaf, Appetit, Stressantwort und Immunsystem beteiligt.
THC wirkt stark psychoaktiv, weil es als sogenannter partieller Agonist direkt und relativ fest an den CB1-Rezeptoren im Gehirn bindet. Diese sitzen in hoher Dichte in Regionen, die Bewusstsein, Wahrnehmung und Belohnungsverarbeitung steuern. CBD hingegen besitzt nur eine sehr geringe Affinität zu CB1 und CB2 und bindet nicht in derselben Weise. Es wirkt vielmehr als Modulator: es verändert die Aktivität der Rezeptoren und beteiligter Signalwege indirekt, ohne sie stark zu aktivieren.
- Rezeptorbindung: CBD hat eine schwache Affinität zu CB1-Rezeptoren.
- Neurotransmitter: Förderung der Freisetzung von Serotonin und Dopamin.
Diese beiden Punkte bilden den Kern des „nicht berauschenden“ Profils von CBD. Die schwache Affinität zu CB1 verhindert die intensive Aktivierung jener Hirnareale, die für das typische Cannabis-High verantwortlich sind. Stattdessen moduliert CBD über verschiedene Mechanismen die Aktivität von CB1 und CB2 und beeinflusst indirekt andere Neurotransmittersysteme. Die Förderung oder Stabilisierung von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin äussert sich eher in subjektiver Entspannung, Stressreduktion oder verbesserter Schlafqualität – ohne den Kontrollverlust oder die Wahrnehmungsverzerrung, die mit THC assoziiert wird. In ärztlich begleiteten Therapien wird diese Eigenschaft genutzt, um belastende Symptome zu lindern, während Patientinnen und Patienten im Alltag funktionsfähig bleiben.
THC vs. CBD: Zentrale Unterschiede für Bewusstsein, Risiko und Therapie
THC und CBD stammen zwar aus derselben Pflanze, verhalten sich im Organismus aber grundlegend verschieden. Diese Unterschiede sind nicht nur für die subjektive Erfahrung relevant, sondern auch für Suchtpotenzial, Risiko-Nutzen-Abwägung und rechtliche Einordnung. Während THC gezielt Bewusstseinsveränderungen auslöst, wird CBD als nicht berauschend eingestuft – auch wenn es durchaus spürbare Effekte haben kann.
Auf molekularer Ebene bindet THC direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn, stimuliert dopaminerge Belohnungspfade und kann bei vulnerablen Personen psychotische Episoden triggern. CBD dagegen wirkt eher protektiv auf bestimmte neuronale Strukturen, zeigt in Studien antiinflammatorische und anxiolytische Effekte und besitzt kein nachgewiesenes Suchtpotenzial. Für die medizinische Praxis bedeutet dies: THC kann – in klar begründeten Fällen und in kontrollierten Dosen – therapeutisch genutzt werden, erfordert aber immer eine strenge Indikationsstellung und Überwachung. CBD kann in vielen Fällen breiter eingesetzt werden, ist aber ebenfalls kein harmloses Lifestyle-Produkt, sondern ein pharmakologisch aktiver Stoff, der fachlich korrekt dosiert und begleitet werden sollte.
Was die Forschung zeigt: Kann CBD doch psychoaktive Effekte haben?
Lange wurde CBD in der Fachliteratur quasi als „nicht psychoaktiv“ beschrieben. Neuere, differenziertere Studien legen jedoch nahe, dass diese Aussage präzisiert werden muss. Eine viel zitierte, randomisierte Studie von Solowij et al. (2019) untersuchte 36 Personen mit Cannabiserfahrung, die in verschiedenen Sitzungen entweder Placebo, reines THC, reines CBD (niedrig und hoch dosiert) oder eine Kombination aus beiden Wirkstoffen über einen Vaporizer inhalierten.
Die Ergebnisse zeigten: Eine hohe inhalative Einzeldosis von 400 mg CBD führte bei den Teilnehmenden zu klar erkennbaren Rauschzuständen, wenn auch weniger ausgeprägt als bei THC. Diese Zustände wurden sowohl von den Probandinnen und Probanden selbst als auch von geschulten Beobachtenden als „Intoxikation“ klassifiziert. Daraus lässt sich ableiten, dass CBD bei sehr hohen Dosen durchaus psychoaktive Effekte entfalten kann – nur eben anderer Natur und Intensität als THC.
Zusätzlich wies die Studie auf einen dosisabhängigen, sogenannten biphasischen Effekt von CBD in Kombination mit THC hin: niedrige CBD-Dosen verstärkten die THC-Wirkung, hohe Dosen schwächten sie deutlich ab. Diese Komplexität ist wichtig für die ärztliche Praxis, insbesondere wenn Vollspektrum-Extrakte oder spezifische THC/CBD-Kombinationen eingesetzt werden. Sie zeigt auch: Die Aussage „CBD macht nicht high“ stimmt in der Regel für übliche Dosen, muss aber immer im Kontext von Dosis, Applikationsform und individueller Empfindlichkeit betrachtet werden.
Einordnung der Evidenz für die Praxis
Für den klinischen Alltag ist entscheidend, dass die in Studien verwendeten Extremdosen und experimentellen Setups nicht direkt auf die kontrollierte medizinische Versorgung übertragbar sind. In der Schweiz werden CBD-Dosen in der Regel deutlich niedriger angesetzt und langsam titriert, oft in oraler Form statt als hochkonzentrierter Vapour. Unter diesen Bedingungen zeigen sich überwiegend nicht berauschende, aber dennoch spürbare Effekte wie Entspannung oder Schmerzlinderung. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dabei systematisch Begleiterkrankungen, andere Medikamente und psychosoziale Faktoren, um eine sichere, individuell passende Cannabinoid-Therapie zu planen.
Mögliche Missverständnisse und Mythen rund um CBD und Rausch
Weil CBD aus der Cannabispflanze stammt, wird es häufig automatisch mit Freizeitkonsum und Rausch assoziiert. Diese Gleichsetzung führt zu mehreren Missverständnissen, die sowohl Patientinnen und Patienten als auch Fachpersonen verunsichern können. Zudem unterscheiden sich frei verkäufliche CBD-Produkte und ärztlich verordnete Cannabinoid-Therapien wesentlich in Qualitätskontrolle, Dosisgestaltung und rechtlicher Einbindung.
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass „alle Cannabisprodukte high machen“. Tatsächlich sind es hauptsächlich THC-reiche Zubereitungen, die den klassischen Rausch auslösen. Ein zweiter Mythos lautet, CBD sei wirkungslos („reines Placebo“) – was im Widerspruch zu einer wachsenden Zahl von präklinischen und klinischen Studien steht. Gleichzeitig ist richtig, dass für viele Indikationen noch offene Fragen zur Langzeitwirksamkeit und zu optimalen Dosierungen bestehen. Seriöse Aufklärung unterscheidet darum klar zwischen gesicherter Evidenz, plausiblen, aber noch unzureichend belegten Einsatzgebieten und Marketingversprechen.
- Mythos 1: Alle Cannabisprodukte machen high – falsch
- Mythos 2: CBD ist ein Placebo – wissenschaftlich widerlegt
Diese beiden Mythen sind aus Sicht der Versorgungsrealität besonders problematisch. Die pauschale Gleichsetzung von Cannabis mit Rausch erschwert Patientinnen und Patienten den Zugang zu potenziell hilfreichen Therapien, weil sie Stigmatisierung oder rechtliche Konsequenzen befürchten. Die Gegenposition, CBD sei „nur Placebo“, ignoriert belastbare Daten zu neuronalen, immunologischen und psychologischen Effekten. Eine differenzierte Betrachtung anerkennt: CBD ist pharmakologisch aktiv, kann in hohen Dosen subtile psychoaktive Veränderungen erzeugen, verursacht aber in den üblichen medizinischen Dosierungen kein klassisches High. In der Schweiz kommt hinzu, dass der THC-Gehalt in CBD-Produkten rechtlich limitiert ist (bei frei verkäuflichem CBD in der Regel maximal 1 %), was einen unbewussten Missbrauch mit stark berauschenden Effekten erheblich einschränkt.
Rechtlicher Rahmen in der Schweiz: THC-Grenzen und medizinische Anwendung
Die rechtliche Einordnung von CBD in der Schweiz ist eng an den THC-Gehalt gekoppelt. Cannabisprodukte gelten dann als nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, wenn ihr Gesamt-THC-Gehalt unter 1 % liegt. Diese Grenze gilt auch für viele frei verkäufliche CBD-Produkte, während medizinische Cannabinoid-Zubereitungen mit höherem THC-Anteil nur auf ärztliche Verschreibung und mit spezieller Bewilligung zugänglich sind.
Für die praktische Versorgung bedeutet dies: CBD-dominante Präparate mit sehr geringem THC-Gehalt führen unter Einhaltung der gesetzlichen Limits nicht zu vergleichbaren Rauschzuständen wie hochpotentes Freizeitcannabis. Für Patientinnen und Patienten ist es dennoch wichtig, zu wissen, dass Spuren von THC nach wiederholter Einnahme im Körper nachweisbar sein können. Ärztliche Beratung berücksichtigt daher unter anderem berufliche Anforderungen (z. B. Führen von Fahrzeugen oder Maschinen), andere Medikamente und Vorerkrankungen. Medizinische Cannabis-Therapie wird in der Schweiz als Behandlung – nicht als Produktkauf – verstanden: Indikation, Nutzen-Risiko-Abwägung, Verlaufsbeurteilung und Anpassung der Therapie erfolgen in enger ärztlicher Begleitung.
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CBD, Dosierung und Titration: Warum „mehr“ nicht automatisch besser ist
Auch wenn CBD nicht dieselbe Rauschgefahr birgt wie THC, bleibt es eine pharmakologisch wirksame Substanz. Dosis, Einnahmeform und Therapiedauer bestimmen massgeblich, welche Effekte auftreten – erwünschte wie unerwünschte. In der medizinischen Praxis hat sich daher das Prinzip „start low, go slow“ etabliert: zu Beginn wird mit einer niedrigen Dosis gestartet, die in kleinen Schritten gesteigert wird, bis eine klinisch relevante Wirkung erreicht wird oder Nebenwirkungen limitieren.
Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen von CBD zählen Müdigkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, gelegentliche gastrointestinale Beschwerden oder Veränderungen des Appetits. Besonders bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, die über die Leberenzyme CYP3A4 oder CYP2C19 verstoffwechselt werden, ist Vorsicht geboten, da CBD diese Enzyme hemmen kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung, insbesondere bei komplexen Vorerkrankungen.
In der Schweizer Versorgungspraxis erfolgt die Dosisfindung häufig über mehrere Wochen, wobei die individuelle Situation im Vordergrund steht: Körpergewicht, Alter, Nieren- und Leberfunktion, Begleitmedikation, psychosoziale Faktoren und die zu behandelnde Symptomatik. Ziel ist nicht ein maximal spürbarer Effekt, sondern eine stabile, alltagsverträgliche Linderung der Beschwerden. Dass CBD in den eingesetzten Dosen kein High verursacht, ist dabei ein wichtiger Sicherheitsfaktor, ersetzt aber nicht die sorgfältige Überwachung von Wirksamkeit und Verträglichkeit.
CBD im Rahmen der medizinischen Cannabis-Therapie: Ganzheitliche Versorgung statt isoliertes Produkt
In der Schweiz wird medizinisches Cannabis zunehmend als integrierter Bestandteil moderner Versorgungsmodelle verstanden. Dabei steht nicht die einzelne Substanz im Vordergrund, sondern die gesamte Therapie: Indikationsstellung, Wahl des Cannabinoidprofils (z. B. THC-dominant, CBD-dominant oder ausgewogene Kombination), Applikationsform (Öl, Kapsel, standardisiertes Blütenmaterial, andere Darreichungen), Verlaufskontrolle und Nachsorge.
CBD spielt in diesem Kontext mehrere Rollen. Bei manchen Indikationen steht es im Vordergrund, etwa wenn entzündungsmodulierende, angstlösende oder krampflösende Effekte genutzt werden sollen, ohne dass ein Rausch erwünscht ist. In anderen Fällen wird CBD gezielt mit THC kombiniert, um dessen Wirkspektrum zu erweitern und gleichzeitig bestimmte Nebenwirkungen abzuschwächen. Insbesondere digital unterstützte Versorgungsmodelle ermöglichen eine engmaschige Rückmeldung durch Patientinnen und Patienten, etwa via Symptomtagebücher oder standardisierte Scores, sodass Therapieanpassungen zeitnah erfolgen können. So bleibt die Behandlung transparent, nachvollziehbar und im Alltag der Betroffenen verankert.
Fazit und Ausblick: CBD differenziert betrachten, sicher anwenden
Die wissenschaftliche Evidenz zeigt: CBD unterscheidet sich fundamental von THC und verursacht in therapeutisch üblichen Dosierungen kein klassisches High. Es wirkt nicht als starker Agonist an CB1-Rezeptoren, sondern moduliert das Endocannabinoid-System und weitere Signalwege indirekt. Dennoch ist CBD alles andere als wirkungslos: Es kann spürbare Veränderungen in Stimmung, Schlaf, Schmerzwahrnehmung und Stressverarbeitung mit sich bringen. In hohen experimentellen Dosen konnten sogar deutliche Intoxikationserscheinungen beobachtet werden, und in Kombination mit THC zeigt sich eine komplexe, dosisabhängige Wechselwirkung.
Für die medizinische Anwendung in der Schweiz bedeutet dies: CBD sollte weder dramatisiert noch verharmlost werden. Es ist ein pharmakologisch aktiver Baustein in einer ärztlich gesteuerten Cannabis-Therapie, der bei sorgfältiger Dosierung und Beachtung von Kontraindikationen ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil aufweist. Die Zukunft der Cannabinoid-Medizin wird voraussichtlich von noch präziser standardisierten Präparaten, digital unterstützter Verlaufsdokumentation und einer engeren Verzahnung von Hausärztinnen, Spezialisten und Apotheken geprägt sein. Ziel bleibt eine moderne, sichere und transparente Versorgung, in der Patientinnen und Patienten fundiert entscheiden können – auch darüber, welche Rolle CBD in ihrer individuellen Therapie spielen soll.
Häufig gestellte Fragen
Häufige Fragen zu CBD und Rausch
Macht CBD in medizinischen Dosen high?
In den bei medizinischer Anwendung üblichen Dosen führt CBD in der Regel nicht zu einem klassischen Rausch im Sinne von Euphorie, starker Wahrnehmungsveränderung oder Kontrollverlust. Der Grund liegt in der geringen Affinität von CBD zu CB1-Rezeptoren im Gehirn, die für die psychoaktiven Effekte von THC zentral sind. Viele Patientinnen und Patienten berichten vielmehr von subtilen Effekten wie Entspannung, besserem Schlaf oder verminderter Schmerzintensität. Gleichwohl kann es – insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei Dosissteigerungen – zu Müdigkeit oder Benommenheit kommen. Diese Effekte werden im Rahmen der ärztlichen Begleitung berücksichtigt und können durch Anpassung der Dosis meist gut gesteuert werden.
Können sehr hohe Dosen CBD psychoaktive Effekte auslösen?
Experimentelle Studien zeigen, dass sehr hohe Einzeldosen CBD – deutlich oberhalb dessen, was in der Routineversorgung eingesetzt wird – messbare Intoxikationserscheinungen hervorrufen können. In der Studie von Solowij et al. traten bei 400 mg inhalativem CBD subjektiv wahrnehmbare Rauschzustände auf. Solche Dosen und Applikationsformen entsprechen jedoch nicht dem üblichen Vorgehen in einer kontrollierten medizinischen Therapie in der Schweiz. Dort werden Dosen langsam titriert, individuell angepasst und überwiegend oral verabreicht. Wichtig ist dennoch: CBD ist pharmakologisch aktiv, und „je mehr, desto besser“ gilt nicht. Hohe Dosen sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
Verstärkt oder schwächt CBD die Wirkung von THC?
Die Antwort ist komplex und dosisabhängig. In Kombination mit THC kann CBD in niedriger Dosierung die THC-Wirkung eher verstärken, während höhere CBD-Dosen die psychoaktiven Effekte von THC deutlich abschwächen können. Studien beschreiben diesen Zusammenhang als biphasischen Effekt. Für die medizinische Praxis heisst das: Die Wahl des Verhältnisses von THC zu CBD sowie die absolute Dosis beider Komponenten sollten bewusst und individuell erfolgen. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dabei Indikation, bisherige Cannabis-Erfahrung, psychische Vorerkrankungen und Alltagsanforderungen. So lässt sich das Nutzen-Risiko-Profil optimieren und unerwünschte Rauscherlebnisse möglichst vermeiden.
Ist CBD in der Schweiz legal und wie wirkt sich der THC-Gehalt aus?
In der Schweiz sind CBD-Produkte grundsätzlich erlaubt, sofern ihr Gesamt-THC-Gehalt unter 1 % liegt und sie die entsprechenden regulatorischen Vorgaben erfüllen. Produkte mit höherem THC-Anteil fallen unter das Betäubungsmittelrecht und dürfen nur im Rahmen einer medizinischen Verschreibung verwendet werden. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: CBD-dominante Präparate mit niedrigem THC-Anteil führen unter Einhaltung der Grenzwerte nicht zu einem vergleichbaren High wie Freizeitcannabis mit hohem THC-Gehalt. Dennoch kann THC – auch in Spuren – bei regelmässiger Einnahme im Körper nachweisbar sein, was etwa bei arbeitsrechtlichen Fragestellungen oder Fahreignungsprüfungen berücksichtigt werden sollte.
Darf man unter CBD-Einnahme Auto fahren?
CBD selbst ist nicht als klassisch berauschende Substanz eingestuft, und ein therapeutischer Einsatz schliesst das Autofahren nicht pauschal aus. Entscheidend ist die individuelle Reaktion: Wenn Müdigkeit, Schwindel oder verminderte Aufmerksamkeit auftreten, sollte vorübergehend auf das Führen von Fahrzeugen verzichtet werden. Darüber hinaus ist zu beachten, dass bestimmte medizinische Cannabispräparate THC enthalten können, welches die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Ärztinnen und Ärzte gehen auf diese Aspekte in der Beratung explizit ein und empfehlen gegebenenfalls Anpassungen der Dosis oder Einnahmezeitpunkte, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Kann man von CBD abhängig werden?
Nach aktuellem Wissensstand weist CBD kein relevantes Abhängigkeitspotenzial auf. Weder in klinischen Studien noch in epidemiologischen Daten finden sich Hinweise auf ein typisches Suchtverhalten im Zusammenhang mit reinen oder CBD-dominierten Präparaten. Das unterscheidet CBD deutlich von THC, das bei einem Teil der Konsumierenden zu einer Cannabisgebrauchsstörung führen kann. Dennoch ist es sinnvoll, CBD – insbesondere im Rahmen einer längerfristigen Therapie – regelmässig gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu reflektieren: Zielerreichung, Dosierung, Verträglichkeit und gegebenenfalls Alternativen sollten in angemessenen Abständen überprüft werden.
Für wen ist besondere Vorsicht bei CBD angezeigt?
Besondere Vorsicht ist geboten bei Personen mit schweren Lebererkrankungen, komplexer Dauermedikation (insbesondere Medikamenten, die über CYP3A4 oder CYP2C19 abgebaut werden), in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei schweren psychiatrischen Vorerkrankungen. In diesen Situationen sollte eine Cannabinoid-Therapie – einschliesslich CBD – nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachärztinnen und Fachärzten erfolgen. Auch ältere Menschen oder Personen mit erhöhter Sturzgefahr profitieren von einer besonders vorsichtigen Dosissteigerung, da selbst nicht berauschende Substanzen wie CBD Müdigkeit oder Benommenheit verstärken können.