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Medizinisches Cannabis für Kinder und Jugendliche: Was gilt in der Schweiz?

3 Min. Lesezeit
Medizinisches Cannabis für Kinder und Jugendliche: Was gilt in der Schweiz?

Die Frage, ob und wann medizinisches Cannabis bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden kann, gehört zu den sensibelsten Themen der pädiatrischen Medizin. Entwicklungsbedingte Besonderheiten und das besondere Schutzbedürfnis junger Patienten erfordern höchste Sorgfalt.

Medizinisches Cannabis für Kinder und Jugendliche ist ein sensibles Thema, das häufig missverstanden wird. In bestimmten klar definierten Indikationen – vor allem therapieresistente Epilepsie – ist CBD-basiertes Cannabis medizinisch anerkannt und lebensverändernd wirksam. Dieser Artikel erklärt, wann, wie und für welche Kinder Cannabis in Frage kommt.

Grundlage: Das sich entwickelnde Gehirn und Cannabinoide

Das Gehirn von Kindern und Jugendlichen ist bis etwa zum 25. Lebensjahr in aktiver Entwicklung. Das Endocannabinoid-System (ECS) spielt eine kritische Rolle bei dieser Entwicklung: Neuronale Verschaltung, Synapsenformierung und kognitive Reifung hängen vom ECS ab. Externe Cannabinoide – insbesondere THC – können diese Prozesse stören und haben bei Kindern und Jugendlichen daher ein höheres Risikomuster.

CBD hingegen hat ein deutlich günstigeres Sicherheitsprofil: In klinisch angewendeten Dosierungen zeigt CBD keine psychoaktiven Effekte und beeinflusst die kognitive Entwicklung nicht negativ.

Infografik: Medizinisches Cannabis für Kinder – zugelassene Indikationen und Sicherheitsprofil

Indikation 1: Therapieresistente Epilepsie

Dies ist die am besten belegte Indikation für Cannabis bei Kindern. Das pharmazeutische CBD-Präparat Epidiolex (hoch dosiertes CBD-Öl) ist in den USA und Europa offiziell zugelassen für:

  • Dravet-Syndrom: Schwere, therapieresistente Epilepsie mit Beginn im Kleinkind-alter
  • Lennox-Gastaut-Syndrom: Multifokale Epilepsie mit kognitiver Beeinträchtigung
  • TSC (Tuberöse Sklerose-Komplex): Seltene Erkrankung mit Gehirntumoren und Epilepsie

In Studien reduzierte Epidiolex die Anfallhäufigkeit bei 40–60 % der Kinder um mehr als 50 % – bei Kindern, bei denen alle anderen Medikamente versagt hatten. Für betroffene Familien ist das oft transformativ.

Indikation 2: ADHS (in Erforschung)

Einige frühe Studien und klinische Beobachtungen zeigen, dass CBD bei ADHS-Symptomen wie Impulsivität und Konzentrationsproblemen hilfreich sein könnte. Die Evidenz ist hier aber noch dünner. Bei Kindern wird Cannabis für ADHS aktuell nur in Einzelfällen und unter strenger ärztlicher Aufsicht eingesetzt, wenn Standardmedikamente nicht vertragen werden.

Indikation 3: Schmerztherapie bei schwer kranken Kindern

Bei Kindern mit schweren Krebserkrankungen, Spastik (z.B. bei Zerebralparese) oder chronischen Schmerzen kann CBD-basiertes Cannabis als palliativer Zusatz in Betracht gezogen werden. Immer unter onkologischer oder palliativmedizinischer Betreuung.

THC bei Kindern: Klare Kontraindikationen

THC ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (ausser in sehr seltenen Ausnahmefällen) kontraindiziert. Gründe:

  • Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung (Lernfähigkeit, Arbeitsgedächtnis)
  • Erhöhtes Psychoserisiko bei genetischer Prädisposition
  • Verstärkte Toleranzentwicklung und Abhängigkeitsgefähr

Vorgehen in der Schweiz: Wie bekommt ein Kind Epidiolex?

  1. Epil eptologische Abklärung an einem Kinderspital oder Neurozentrum
  2. Diagnose einer zugelassenen Epilepsie-Form
  3. Ärztliche Verschreibung durch Spezialisten (Neuropaediatrie)
  4. Apothekenbezug – Epidiolex ist in der Schweiz über spezielle Kantonale Anfragen zugänglich

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meinem Kind CBD-Öl aus dem Supermarkt geben?

Das ist nicht empfohlen. Handelsprods CBD-Öle sind nicht für Kinder dosiert, keine klinisch geprüften Präparate und können Qualitätsmängel aufweisen. Bei Kindern mit medizinischer Indikation: immer über Arzt und Apotheke.

Macht CBD-Öl Kinder high?

Nein. Reines CBD ist nicht psychoaktiv. Klinische CBD-Präparate (wie Epidiolex) enth alten kein THC. Die Kinder bleiben wach, reaktionsfähig und klar in der Kognition.

Fazit

Medizinisches Cannabis hat bei Kindern eine klar umrissene, evidenzbasierte Rolle – vor allem bei therapieresistenter Epilepsie. Der therapeutische Einsatz rettet in Einzelfällen buchstäblich Leben und verbessert die Lebensqualität massiv. Die strenge Beschränkung auf CBD (nicht THC) und medizinisch indizierte Präparate ist dabei nicht Vorsicht, sondern kluge, evidenzbasierte Medizin.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis bei Kindern

Ist CBD für Kinder sicher?

Epidyolex (reines CBD) ist für bestimmte Epilepsieformen ab 1–2 Jahren klinisch erprobt und zugelassen. Ausserhalb dieser Indikationen fehlt ausreichende Evidenz für Unbedenklichkeit im Kindesalter.

Kann mein Kind mit Epilepsie von CBD profitieren?

Wenn ein Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom oder tuberöse Sklerose vorliegt, ist Epidyolex eine zugelassene Option. Die Behandlung muss durch eine Spezialistin/einen Spezialisten begleitet werden.

Ist THC für Kinder gefährlich?

Ja. THC hat nachgewiesene Risiken für das sich entwickelnde Gehirn. Es sollte bei Kindern und Jugendlichen nur in eng definierten medizinischen Ausnahmesituationen eingesetzt werden.

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