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Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis in der Schweiz

11 Min. Lesezeit
Ärztin in einer Schweizer Praxis bespricht mit einem Patienten verschiedene Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis

Medizinisches Cannabis hat sich in der Schweiz seit der Gesetzesänderung 2022 von einer Nischentherapie zu einer relevanten Behandlungsoption für bestimmte Patientengruppen entwickelt. Gleichzeitig besteht bei vielen Betroffenen, Angehörigen und auch bei Gesundheitsfachpersonen Unsicherheit: Wer kommt für eine Cannabistherapie in Frage, wie funktioniert die Verschreibung, welche Darreichungsformen gibt es und was ist im Schweizer Recht konkret geregelt? Dieser strukturierte Überblick erklärt praxisnah, wie medizinisches Cannabis hierzulande eingesetzt werden kann, welche Rolle Ärztinnen und Ärzte, Apotheken und Versicherungen spielen und worauf Patientinnen und Patienten in der Therapie achten sollten. Der Fokus liegt auf transparenter Orientierung im Schweizer Versorgungssystem, damit informierte Entscheidungen gemeinsam mit der behandelnden Fachperson möglich werden.

Einführung in die medizinische Verwendung von Cannabis

Die Diskussion um die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken hat in der Schweiz insbesondere seit der Gesetzesänderung von 2022 an Bedeutung gewonnen. Diese Anpassung erlaubt eine umfassendere Nutzung von Cannabisarzneimitteln zur Therapie vielfacher Erkrankungen, wobei die ärztliche Verschreibung unter Einhaltung strenger Regularien erfolgt. Der Zugang zu geeigneten medizinischen Produkten kann für Patient:innen, die an chronischen Leiden oder Erkrankungen, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, erleichtert werden. Ein breites Spektrum pharmakologischer Möglichkeiten durch Cannabis eröffnet sich, von der Schmerztherapie bis hin zur Unterstützung bei neurologischen Störungen.

Gleichzeitig ist wichtig, die medizinische Verwendung klar von der nicht-medizinischen Nutzung zu trennen. In der Schweiz werden für die Therapie zugelassene Cannabispräparate ärztlich verordnet, dosiert und dokumentiert. Es handelt sich um kontrollierte Arzneimittel mit definierten Wirkstoffgehalten von THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), die in der Regel über spezialisierte Apotheken abgegeben werden. Die Behandlung erfolgt eingebettet in ein gesamtes Therapiekonzept und ersetzt andere wirksame Standardtherapien nicht automatisch, sondern kann sie ergänzen oder – wenn diese ausgeschöpft sind – in ausgewählten Fällen eine alternative Option darstellen.

Wichtiger Hinweis zur medizinischen Cannabistherapie in der Schweiz

Medizinisches Cannabis ist in der Schweiz kein frei verfügbares Produkt, sondern ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Ob eine Therapie sinnvoll ist, beurteilen ausschliesslich Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Erfahrung. Der vorliegende Überblick ersetzt keine persönliche Beratung, sondern hilft, sich auf ein strukturiertes Gespräch mit der behandelnden Fachperson vorzubereiten und die eigenen Erwartungen realistisch einzuordnen.

Anwendungsbereiche: Wo medizinisches Cannabis helfen kann

Medizinisches Cannabis kommt in verschiedenen therapeutischen Kontexten zum Einsatz. Zu den häufigsten Anwendungsgebieten zählen:

  • Chronischer Schmerz: Bei neuropathischen Beschwerden oder Schmerzen infolge von Krebs hilft Cannabis, die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren.
  • Neurologische Erkrankungen: Bei Multiple Sklerose oder Epilepsie zeigt sich Cannabis nützlich zur Reduktion von Spastik und Krämpfen.
  • Appetit- und Gewichtsverlust: Insbesondere bei Chemotherapie-Patient:innen kann medizinisches Cannabis Übelkeit lindern und den Appetit fördern.

Diese Anwendungsbeispiele spiegeln Bereiche wider, in denen in der Schweiz und international bereits klinische Erfahrungen vorliegen. Wichtig ist jedoch, dass nicht jede Person mit chronischen Schmerzen, neurologischen Beschwerden oder Appetitverlust automatisch von einer Cannabistherapie profitiert. In der Praxis prüfen Ärztinnen und Ärzte zunächst, ob etablierte Standardtherapien (z. B. klassische Schmerzmittel, Antikonvulsiva oder antiemetische Medikamente) ausgeschöpft oder nicht ausreichend wirksam sind oder zu belastenden Nebenwirkungen führen. Erst dann wird gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten bewertet, ob medizinisches Cannabis als ergänzende oder alternative Option in Frage kommen kann. Dabei fliessen Art und Schwere der Symptome, bisherige Therapieversuche, allfällige Begleiterkrankungen sowie individuelle Therapieziele – etwa bessere Schlafqualität oder mehr Teilhabe am Alltag – in die Entscheidungsfindung ein.

Vertiefung: Weitere mögliche Einsatzgebiete im Schweizer Kontext

Neben den häufig genannten Indikationen werden Cannabisarzneimittel in der Schweiz teilweise auch in anderen klinischen Situationen eingesetzt, sofern die behandelnde Fachperson dies medizinisch begründet und dokumentiert. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Formen von Spastik bei Rückenmarkserkrankungen, belastende Symptome bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen oder therapieresistente Übelkeit. In Einzelfällen kommen Cannabispräparate zudem zur Unterstützung des Schlafs oder zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen in Betracht.

Entscheidend ist stets, dass der Einsatz im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Vorgaben erfolgt und in ein ganzheitliches Behandlungskonzept eingebettet ist. Dazu gehört auch, dass Bedenken der Patient:innen – etwa hinsichtlich Fahrtüchtigkeit, Interaktionen mit anderen Medikamenten oder möglicher psychoaktiver Effekte – offen angesprochen werden. Viele Schweizer Spitäler und Praxen verfügen mittlerweile über interne Richtlinien oder Empfehlungen, wie eine Cannabistherapie strukturiert eingeführt, kontrolliert und bei Bedarf auch wieder beendet wird. Die kontinuierliche Erfassung von Wirkung und Nebenwirkungen trägt dazu bei, die Datenlage zu verbessern und künftigen Patient:innen fundiertere Empfehlungen geben zu können.

Darreichungsformen medizinischen Cannabis in der Schweiz

In der Schweiz gibt es mehrere Darreichungsformen von medizinischem Cannabis, die jeweils ihre spezifischen Wirkmechanismen und Vorteilen bieten. Zu den gängigsten zählen:

  • Cannabisblüten zur Inhalation. Durch Verdampfen wird eine rasche Aufnahme der Wirkstoffe erreicht.
  • Ölige Cannabisextrakte, die oral eingenommen werden und eine langanhaltende Wirkung erzielen.
  • Fertigmassnahmen wie Mundsprays, welche eine genaue Dosierung ermöglichen.

Die Wahl der geeigneten Darreichungsform hängt stark von der individuellen Situation ab. Inhalierte Cannabisblüten werden häufig eingesetzt, wenn ein schneller Wirkungseintritt gewünscht ist, etwa bei plötzlich auftretenden Schmerzspitzen oder Krämpfen. Ölige Extrakte bieten sich an, wenn eine gleichmässigere, länger anhaltende Wirkung über den Tag oder die Nacht erreicht werden soll. Mundsprays ermöglichen eine relativ exakte Dosierung und können insbesondere dann hilfreich sein, wenn kleine, gut steuerbare Dosisanpassungen nötig sind. In der Schweiz werden diese Präparate über zugelassene Apotheken bezogen, die auch zur praktischen Anwendung, Lagerung und Handhabung beraten. Viele Ärzt:innen bevorzugen standardisierte Extrakte oder Sprays, da hier der Gehalt an THC und CBD genau definiert ist und sich Therapieanpassungen besser nachvollziehen lassen.

Schweizer Besonderheiten bei Herstellung und Abgabe

Für die Herstellung medizinischer Cannabispräparate in der Schweiz gelten strenge Qualitätsanforderungen. Produzenten benötigen entsprechende Bewilligungen, und jede Charge wird im Hinblick auf Wirkstoffgehalt und Verunreinigungen kontrolliert. Dies soll sicherstellen, dass Patient:innen verlässliche und reproduzierbare Produkte erhalten. In den Apotheken erfolgt die Abgabe in der Regel auf ärztliches Betäubungsmittelrezept, ergänzt durch eine individuelle Beratung zur Einnahme und zu praktischen Aspekten wie Aufbewahrung, Reisebestimmungen oder der gleichzeitigen Einnahme anderer Medikamente.

Da medizinisches Cannabis rechtlich weiterhin in den Bereich der kontrollierten Substanzen fällt, ist eine besonders sorgfältige Dokumentation vorgeschrieben. Dies betrifft sowohl die verordnende Praxis als auch die abgebende Apotheke. Patient:innen sollten sich bewusst sein, dass diese Dokumentation nicht Ausdruck von Misstrauen, sondern ein wichtiger Bestandteil der Arzneimittelsicherheit und der gesetzlichen Anforderungen ist. Im Vergleich zu frei zugänglichen Produkten aus nicht-medizinischen Quellen profitieren Patient:innen in der ärztlich begleiteten Therapie von geprüfter Qualität, klarer Dosierbarkeit und einer professionellen Begleitung über den gesamten Behandlungsverlauf.

Anpassung der Cannabistherapie an individuelle Bedürfnisse

Die Wahl der Behandlungsform erfolgt in der Regel gemeinsam mit betreuenden Ärzt:innen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Dabei spielen Faktoren wie die Art der Erkrankung, das individuelle Ansprechen auf die Cannabinoide, sowie mögliche Nebenwirkungen eine Rolle. Besonders wichtig ist eine regelmässige Überprüfung und Anpassung der Therapie, um sowohl Wirksamkeit als auch Sicherheit zu optimieren.

In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass zu Beginn ein klares Therapieziel definiert wird: Sollen Schmerzen um einen bestimmten Grad reduziert, Spastiken gelockert, die Schlafqualität verbessert oder der Appetit stabilisiert werden? Anhand solcher Zielgrössen können Ärzt:innen und Patient:innen gemeinsam beurteilen, ob die Behandlung den gewünschten Effekt zeigt. Regelmässige Verlaufskontrollen – anfänglich oft im Abstand von wenigen Wochen – ermöglichen eine strukturierte Anpassung von Dosis, Einnahmezeitpunkten oder Darreichungsform. Gleichzeitig werden mögliche unerwünschte Wirkungen erfasst und mit der Patientin oder dem Patienten besprochen. Diese enge Zusammenarbeit ist zentral, damit medizinisches Cannabis als Baustein einer individuellen Therapie sinnvoll integriert und bei ausbleibendem Nutzen auch wieder reduziert oder beendet werden kann.

Individuelle Therapieplanung Schritt für Schritt

In der Schweiz wird eine Cannabistherapie in der Regel in mehreren Schritten aufgebaut: Zuerst erfolgt eine sorgfältige Anamnese und Prüfung bisheriger Behandlungen, gefolgt von der Auswahl eines geeigneten Präparats. Danach wird mit einer niedrigen Dosis gestartet, die langsam erhöht wird. Bei jeder Anpassung stehen Wirkung im Alltag, Verträglichkeit und persönliche Therapieziele im Mittelpunkt. So entsteht eine Behandlung, die möglichst gut zu Lebenssituation und Bedürfnissen der einzelnen Person passt.

Dosierungsrichtlinien und Überwachung

Die Dosierung medizinischen Cannabis variiert stark. Allgemein wird mit einer niedrigen Dosis gestartet, die schrittweise erhöht wird, bis die gewünschten Effekte eintreten. Zu beachten ist auch die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation der Therapieeffekte und Nebenwirkungen durch Ärzt:innen, die essenziell für die weitere Forschung sein können.

In der Praxis orientieren sich viele Schweizer Ärzt:innen an dem Prinzip „start low, go slow“: Es wird mit einer möglichst niedrigen Startdosis begonnen, um die individuelle Empfindlichkeit gegenüber THC und CBD zu testen. Anschliessend erfolgt eine vorsichtige Steigerung in kleinen Schritten, bis ein Gleichgewicht zwischen gewünschter Symptomlinderung und akzeptabler Verträglichkeit gefunden ist. Dabei spielen Faktoren wie Körpergewicht, Alter, Begleitmedikation und Vorerkrankungen (zum Beispiel Leber- oder Nierenerkrankungen) eine wichtige Rolle. Inhalative Formen wirken rasch, dafür kürzer; orale Extrakte oder Sprays setzen langsamer ein, wirken aber meist länger. Diese Unterschiede fliessen in die Dosierungsplanung ein.

Zur Überwachung der Therapie führen viele Patient:innen ein einfaches Symptomtagebuch, in dem sie Dosis, Einnahmezeitpunkt, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen festhalten. Diese Aufzeichnungen erleichtern die Auswertung in der ärztlichen Sprechstunde und helfen, unnötige Dosissteigerungen zu vermeiden. Darüber hinaus unterstützen die gesetzlich vorgesehenen Dokumentationspflichten die Sammlung wertvoller Real-World-Daten, welche die wissenschaftliche Evidenzlage im Schweizer Kontext Schritt für Schritt erweitern.

Vergütung und rechtliche Rahmenbedingungen

Obwohl das Arzneimittelgesetz die Anwendung medizinischen Cannabis massgeblich erleichtert hat, übernimmt die obligatorische Krankenversicherung die Kosten derzeit nur in Ausnahmefällen. Die Begründung liegt in der noch limitierten Evidenzbasis für die Wirksamkeit und Kosteneffizienz dieser Produkte. Ein innovativer Ansatz könnte jedoch in spezialisierten Studien und Pilotprojekten ihre potenziellen Vorteile weiter qualifizieren und quantifizieren.

Für Patient:innen bedeutet dies, dass die Frage der Kostendeckung frühzeitig mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt thematisiert werden sollte. In begründeten Einzelfällen kann eine Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) beantragt werden. Hierfür ist in der Regel eine detaillierte medizinische Begründung notwendig, welche die bisherige Therapiegeschichte, die aktuelle Diagnose, den Schweregrad der Beschwerden und das Therapieziel der Cannabisbehandlung beschreibt. Die Kasse prüft anschliessend, ob eine Ausnahmevergütung möglich ist. Parallel dazu gibt es Situationen, in denen private Zusatzversicherungen einzelne Leistungen übernehmen können. Da die Regelungen je nach Versicherer variieren, lohnt sich eine sorgfältige Abklärung vor Beginn einer langfristigen Therapie.

Rechtlich betrachtet bleibt medizinisches Cannabis in der Schweiz eine kontrollierte Substanz, deren Verschreibung an klare Vorgaben gebunden ist. Ärzt:innen müssen über die notwendige Bewilligung verfügen und die Verschreibung lückenlos dokumentieren. Für Patient:innen ist es wichtig, sich an die vereinbarten Dosierungen zu halten, Präparate nicht weiterzugeben und sich über länder- und kantonsspezifische Regelungen zu Reisen und Transport zu informieren. So lassen sich rechtliche Unsicherheiten vermeiden und die Therapie kann in einem klar definierbaren, sicheren Rahmen stattfinden.

Zukunftsaussichten der Cannabistherapie

Die Zukunft der Cannabistherapie in der Schweiz ist vielversprechend. Die kontinuierliche Datenerhebung und wissenschaftliche Begleitforschung ermöglichen ein besseres Verständnis der vielseitigen Effekte von Cannabisarzneimitteln. Langfristig könnte diese Erhebung auch dazu beitragen, die allgemeine Akzeptanz und die Versicherungsvergütung für eine breitere Patient:innen-Kategorie zu erhöhen.

Parallel dazu werden weltweit laufend neue Studien publiziert, die gezielt einzelne Indikationen, Dosierungsschemata oder Kombinationen von THC und CBD untersuchen. Auch in der Schweiz beteiligen sich Spitäler, Universitätskliniken und spezialisierte Praxen an solchen Forschungsprojekten oder führen eigene Beobachtungsstudien durch. Diese Daten helfen, offene Fragen zu klären – etwa, für welche Patientengruppen der Nutzen besonders deutlich ist, wie lange eine Therapie sinnvoll fortgeführt werden sollte oder in welchen Konstellationen ein Absetzen empfehlenswert ist. Je präziser diese Fragen beantwortet werden können, desto gezielter lässt sich medizinisches Cannabis als Therapiebaustein einsetzen.

Darüber hinaus wird erwartet, dass die Produktpalette an standardisierten Präparaten weiter wächst und sich die Möglichkeiten der individuellen Anpassung verbessern. Dies betrifft zum Beispiel unterschiedliche Verhältnisse von THC zu CBD, neue Darreichungsformen oder optimierte Applikationshilfen. Für Patient:innen können solche Weiterentwicklungen bedeuten, dass im Verlauf der kommenden Jahre noch besser auf ihre spezifischen Bedürfnisse eingegangen werden kann – immer vorausgesetzt, dass Nutzen und Sicherheit in Studien ausreichend belegt sind und die regulatorischen Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden.

Schlussfolgerung: Ein vielversprechender Ansatz

Die Integration der Cannabistherapie in den schweizerischen Gesundheitssektor stellt eine wichtige Entwicklung in der modernen Medizin dar. Durch eine handhabbare rechtliche Umgebung und umfassende medizinische Betreuung können Patient:innen profitieren, und die evidenzbasierte Forschung schafft das Fundament für künftige Behandlungserfolge. Wichtiger ist der verantwortungsvolle Umgang mit diesen Therapiemöglichkeiten, um sowohl Nutzen als auch Risiken adäquat abzuwägen.

Für Betroffene bedeutet dies konkret, dass eine Therapie mit medizinischem Cannabis immer gut informiert, gemeinsam mit einer erfahrenen Fachperson und im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts erfolgen sollte. Eine klare Zielsetzung, eine vorsichtige Dosierung, regelmässige Verlaufskontrollen und die Bereitschaft, die Behandlung bei ausbleibendem Nutzen kritisch zu hinterfragen, sind zentrale Erfolgsfaktoren. Wer sich mit dem Gedanken an eine solche Therapie trägt, profitiert davon, sich frühzeitig über die rechtlichen Voraussetzungen, die Frage der Kostenübernahme und die Rolle der eigenen Hausärztin oder des Hausarztes zu informieren. So kann medizinisches Cannabis dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll ist – als ergänzender Baustein in einer verantwortungsvoll gestalteten, patientenorientierten Behandlung.

Anwendungsform Beschreibung Vorteile
Inhalation Vaporisation von Cannabisblüten Schnell auftretende Wirkung, einfache Dosierung
Ölige Extrakte Orale Einnahme Längere Wirkungsdauer, diskret in der Anwendung
Mundspray Direkte Applikation in die Mundhöhle Exakte Dosierbarkeit, schneller Wirkungseintritt

Häufig gestellte Fragen

Wer kommt in der Schweiz grundsätzlich für eine Therapie mit medizinischem Cannabis in Frage?

In der Schweiz kann medizinisches Cannabis bei erwachsenen Patient:innen in Betracht gezogen werden, wenn eine ärztlich gesicherte Diagnose vorliegt und etablierte Standardtherapien unzurereichend wirken oder nicht vertragen werden. Häufig betrifft dies chronische Schmerzen, neurologische Erkrankungen mit Spastik oder Krampfneigung sowie belastende Symptome im Rahmen schwerer körperlicher Erkrankungen. Die Entscheidung liegt immer bei der behandelnden Fachperson, welche die individuelle Situation, Begleiterkrankungen, aktuelle Medikamente und persönliche Therapieziele sorgfältig abwägt.

Wie läuft die Verschreibung von medizinischem Cannabis im Schweizer Alltag ab?

Am Anfang steht ein ausführliches ärztliches Gespräch mit Anamnese und Prüfung bisheriger Behandlungen. Wenn eine Cannabistherapie sinnvoll erscheint, wählt die Ärztin oder der Arzt ein passendes Präparat und legt ein vorsichtiges Dosierungsschema fest. Die Verschreibung erfolgt auf einem speziellen Betäubungsmittelrezept, das in einer entsprechend berechtigten Apotheke eingelöst wird. Nach Beginn der Therapie finden in der Regel engmaschige Verlaufskontrollen statt, um Wirkung, Verträglichkeit und allfällige Anpassungen zu besprechen.

Wer übernimmt die Kosten für medizinisches Cannabis in der Schweiz?

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kosten medizinischer Cannabisarzneimittel derzeit nur in ausgewählten Einzelfällen, wenn eine entsprechende medizinische Begründung vorliegt und die Versicherung zustimmt. Üblicherweise ist dafür ein individueller Antrag mit detaillierter Dokumentation erforderlich. Ob allenfalls eine private Zusatzversicherung gewisse Kosten mitträgt, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Vor Beginn einer längerfristigen Therapie lohnt sich deshalb eine sorgfältige Klärung der Kostensituation mit Ärzt:in und Versicherung.

Darf ich unter einer Cannabistherapie in der Schweiz Auto fahren?

Die Fahrtüchtigkeit muss bei einer Behandlung mit medizinischem Cannabis immer individuell beurteilt werden. THC-haltige Präparate können Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Urteilsvermögen beeinträchtigen, insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei Dosisanpassungen. Patient:innen sollten daher mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, ob und ab wann Fahren im Strassenverkehr verantwortbar ist. Im Zweifel ist Zurückhaltung angezeigt, zumal im Falle eines Unfalls die Fahrtüchtigkeit rechtlich relevant geprüft werden kann.

Kann medizinisches Cannabis andere Medikamente ersetzen?

Medizinisches Cannabis wird meist als ergänzender Baustein im Behandlungskonzept eingesetzt und ersetzt etablierte, wirksame Therapien nicht automatisch. Ob sich bestimmte Medikamente reduzieren lassen, hängt vom individuellen Verlauf, der jeweiligen Erkrankung und der Rückmeldung der Patientin oder des Patienten ab. Anpassungen der bestehenden Medikation erfolgen grundsätzlich nur in Absprache mit der behandelnden Fachperson, damit Wechselwirkungen und Risiken berücksichtigt werden.

Quellen

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