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Cannabis-Innovationspipeline in der Schweiz

10 Min. Lesezeit
Ärztin in einer Schweizer Praxis bespricht mit einem Patienten die digitale Planung einer medizinischen Cannabis-Therapie am Tablet

Die Innovationspipeline im Cannabis-Sektor verändert die Versorgung mit medizinischem Cannabis in der Schweiz grundlegend. Regulatorische Pilotprojekte, technologische Fortschritte und neue Versorgungsmodelle schaffen die Basis für eine moderne, digitale und zugleich medizinisch-seriöse Cannabis-Therapie. - Überblick über die wichtigsten Cannabis-Innovationen von Anbau bis Therapie - Einordnung der Schweizer Pilotprojekte im internationalen Kontext - Rolle digitaler Plattformen wie Evidena in der modernen Versorgung

In den letzten Jahren hat sich der Cannabis-Sektor in der Schweiz und international von einer Nische zu einem hochdynamischen Innovationsfeld entwickelt. Medizinische Anwendungen, regulierte Pilotprojekte zum Genusskonsum und digitale Versorgungsmodelle greifen zunehmend ineinander. Für Patientinnen und Patienten stellt sich die Frage: Wie profitieren Sie konkret von dieser Innovationspipeline – und wie bleibt die Versorgung gleichzeitig sicher, evidenzbasiert und gut betreut?

Schematische Darstellung des Cannabinoid-Spektrums in modernen Cannabispräparaten

Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Bausteine der Cannabis-Innovationspipeline – von Regulierungsmodellen über Produktion und Technologie bis zur medizinischen Anwendung und digitalen Versorgung. Besonderes Augenmerk liegt auf der Schweiz, wo evidenzbasierte Pilotversuche, hohe Qualitätsanforderungen und neue Plattformen wie Evidena die Rahmenbedingungen prägen.

Regulatorische Entwicklungen in der Schweiz: Vom Pilotversuch zur Versorgungsrealität

Regulatorische Anpassungen sind der zentrale Motor der aktuellen Entwicklung. Mit der Änderung des Schweizer Betäubungsmittelgesetzes per 15. Mai 2021 wurden Pilotversuche mit kontrollierter Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken ermöglicht. Diese Pilotprojekte sind bewusst nicht als Freigabe des Marktes gestaltet, sondern als wissenschaftliche Studien mit klar definierten Zielen: Sie sollen robuste Daten zur gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkung verschiedener Regulierungsmodelle liefern.

Für die medizinische Versorgung sind diese Projekte aus zwei Gründen relevant. Erstens schaffen sie ein besseres Verständnis für Konsummuster, Risiken und Schutzfaktoren – insbesondere in Bezug auf Jugend- und Gesundheitsschutz. Zweitens führen sie zu einer beispiellosen Standardisierung und Qualitätssicherung in der Produktion von Cannabis, von der auch die medizinische Nutzung direkt profitiert. Im Zentrum steht dabei immer stärker die Frage, wie ein regulierter, sicherer und transparent nachvollziehbarer Zugang gestaltet werden kann, ohne den medizinischen Charakter der Therapie zu verwässern.

Schweizer Pilotprojekte: Züri Can, Grashaus Projects und Swiss Cannabis Research

Ein prominentes Beispiel ist das Projekt «Züri Can – Cannabis mit Verantwortung» der Stadt Zürich. SwissExtract fungiert hier als Hauptlieferant und baut rund 2 500 Cannabispflanzen in einem hochmodernen Gewächshaus an. Für die Studie wurden drei Strains mit definierten Cannabinoidprofilen ausgewählt: eine Sorte mit maximal zulässigem THC-Gehalt (20 %), eine mittlere Variante (12–13 % THC) und eine ausgewogene Sorte mit etwa 10 % THC und 10 % CBD. Diese klare Differenzierung erlaubt es den Forschenden, Effekte unterschiedlicher Wirkstoffprofile systematisch zu vergleichen und Rückschlüsse für künftige Regulierungsmodelle zu ziehen.

Der Pilotversuch «Grashaus Projects» im Kanton Basel-Landschaft, getragen vom Schweizerischen Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) und der Sanity Group Switzerland, verfolgt eine ähnliche Zielsetzung, erweitert sie aber um ein breites Produktspektrum. SwissExtract liefert hier Blüten, Haschisch, Vapes, THC-Öle und Edibles – alle BioSuisse-zertifiziert und durchgängig rückverfolgbar. Ergänzt wird das Feld durch den Verein Swiss Cannabis Research, der mit rund 7 500 Probandinnen und Probanden die bislang grösste Schweizer Cannabisstudie lanciert hat. Ein unabhängiges Forschungsteam der Universität Zürich und der KOF/ETH sowie Ärztinnen und Ärzte des Arud, des grössten Zentrums für Suchtmedizin in der Schweiz, stellen sicher, dass gesundheitliche Aspekte systematisch erfasst werden.

Was diese Pilotprojekte für Patientinnen und Patienten bedeuten

Auch wenn die genannten Projekte primär auf Genusskonsum fokussieren, wirken ihre Erkenntnisse direkt auf die medizinische Versorgung zurück. Standardisierte THC- und CBD-Gehalte, definierte Terpenprofile, klar dokumentierte Anbau- und Extraktionsverfahren sowie engmaschige Begleitforschung schaffen eine Wissensbasis, die für medizinische Behandlungen mit Cannabis zentral ist. Ärztinnen und Ärzte erhalten ein besseres Verständnis für Dosierung, Wirkungen und Risiken in unterschiedlichen Patientengruppen. Gleichzeitig entstehen robuste Qualitätsstandards für Anbau, Verarbeitung und Laborkontrolle, die auch bei medizinischen Cannabisprodukten Anwendung finden. Für Patientinnen und Patienten ist das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Sicherheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Cannabis-Therapie.

Technologische Fortschritte in Produktion und Biotechnologie

Neben regulatorischen Rahmenbedingungen ist die technologische Entwicklung ein weiterer Kernbaustein der Cannabis-Innovationspipeline. Moderne Gewächshäuser, präzise Klimasteuerung, datengetriebene Anbausysteme und biotechnologische Verfahren ermöglichen heute eine Konsistenz und Qualität, die vor wenigen Jahren kaum denkbar war. Unternehmen wie SwissExtract und Vindica zeigen exemplarisch, wie weit diese Entwicklung bereits gediehen ist.

Grafische Darstellung der Wachstumsphasen der Cannabispflanze im kontrollierten Indoor-Anbau

SwissExtract setzt bei den Pilotprojekten auf grossflächige, hochmoderne Gewächshäuser mit präziser Steuerung von Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Nährstoffzufuhr. Die gesamte Wertschöpfungskette – vom Samen über den Anbau bis zum Extrakt – liegt unter einem Dach. Das reduziert Schnittstellenrisiken, vereinfacht die Rückverfolgbarkeit und erleichtert die Implementierung einheitlicher Qualitätsstandards. Ergänzt wird dies durch BioSuisse-Zertifizierungen und systematische Laboranalysen.

Biotechnologie als Motor für Standardisierung

Vindica fokussiert sich auf die biotechnologische Optimierung der Cannabis- und Hanfproduktion. In Zusammenarbeit mit öffentlichen Schweizer Partnern arbeitet das Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der genetischen Selektion über die Kulturführung bis hin zu industriellen und medizinischen Anwendungen. Ziel ist es, stabile Sorten mit definierten Cannabinoid- und Terpenprofilen zu entwickeln, die reproduzierbar unter kontrollierten Bedingungen produziert werden können.

In diesem Kontext kommen Methoden der Pflanzenbiotechnologie, Gewebekultur, molekularen Analytik und datenbasierten Kulturoptimierung zum Einsatz. Das Ergebnis sind robuste Pflanzenlinien mit gleichmässiger Wirkstoffzusammensetzung und hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Umweltstress. Gleichzeitig werden Prozesse so gestaltet, dass Produktionskosten sinken, ohne Kompromisse bei Qualität und Sicherheit einzugehen. Gerade für die medizinische Anwendung ist diese Standardisierung von grosser Bedeutung, da sie eine verlässliche Dosierung und eine bessere Vergleichbarkeit von Studienergebnissen ermöglicht.

Qualität, Sicherheit und medizinische Standards

Mit der zunehmenden Professionalisierung des Cannabis-Sektors rückt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Wie wird sichergestellt, dass Cannabis-Produkte für medizinische Zwecke konstant, sicher und transparent geprüft sind? Nationale und internationale Regulatoren – in der Schweiz insbesondere BAG und Swissmedic – verlangen für medizinisches Cannabis vergleichbare Standards wie für andere Arzneimittel oder Arzneimittelrohstoffe.

Vergleich von THC- und CBD-Gehalten in standardisierten Cannabispräparaten

Das beginnt bei der Sortenauswahl und dem Anbau (z. B. Kontrolle auf Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle und mikrobiologische Belastungen) und reicht bis zu standardisierten Extraktions- und Prüfverfahren. Für die medizinische Anwendung ist nicht nur der absolute THC- oder CBD-Gehalt relevant, sondern das gesamte Cannabinoid- und Terpenprofil. Unterschiedliche Profile können bei gleichen THC-Gehalten andere klinische Wirkungen und Nebenwirkungsmuster aufweisen. Entsprechend wichtig sind detaillierte Laborauswertungen und transparente Chargeninformationen.

Standardisierung in der Produktion: Von der Blüte zum Präparat

Die Standardisierung der Produktionsprozesse verfolgt mehrere Ziele. Einerseits soll die Variabilität zwischen Chargen minimiert werden, damit Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten möglichst konstante Wirkprofile erwarten können. Andererseits werden durch klare Spezifikationen die Voraussetzungen für klinische Studien geschaffen, in denen Wirkungen und Risiken gezielt untersucht werden. Biotechnologische Verfahren wie Klonierung, definierte Nährlösungen, GMP-konforme Extraktion und Validierung der Analysemethoden sind dabei zentrale Bausteine.

Unternehmen, die in der medizinischen Versorgung tätig sind, orientieren sich zunehmend an pharmazeutischen Qualitätsrichtlinien. Das umfasst z. B. standardisierte THC-Öle mit definierter Konzentration, Blüten mit engen Toleranzbereichen der Cannabinoid-Gehalte und inhalierbare Produkte mit klar dokumentierten Lösungs- und Trägerstoffen. Für Patientinnen und Patienten erhöht dies die Transparenz: Sie können gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besser nachvollziehen, welches Präparat in welcher Dosis eingesetzt wird und wie sich Veränderungen auf Wirkung und Verträglichkeit auswirken.

Marktdynamik, internationale Akteure und die Rolle der Schweiz

Die Innovationspipeline endet nicht an der Landesgrenze. Die Schweiz ist eingebettet in einen europäischen und globalen Markt, in dem Unternehmen wie GrowGroup PLC, Synbiotic oder CannaMedical aktiv sind. Diese Akteure entwickeln internationale Lieferketten, investieren in Anbau- und Verarbeitungsinfrastruktur und schaffen Logistiklösungen für regulierte Produkte.

GrowGroup PLC etwa setzt auf ein Portfolio, das die gesamte Lieferkette abdeckt – von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Vertrieb von Cannabis-Produkten, primär für medizinische Anwendungen. CannaMedical wiederum positioniert sich als Grosshändler für medizinisches Cannabis und arbeitet mit Anbaubetrieben weltweit zusammen, um europäische Apotheken und Kliniken zu beliefern. Vor einer Zusammenarbeit stehen intensive Audits und Qualitätsprüfungen, die sich teilweise über ein Jahr erstrecken, bevor ein Produzent in den Lieferantenkreis aufgenommen wird.

Grafik zum Ablauf von der ärztlichen Beurteilung bis zur Abgabe eines Cannabis-Rezepts in der Apotheke

Für die Schweiz ergeben sich daraus zwei zentrale Perspektiven. Einerseits kann sie von der internationalen Erfahrung profitieren, insbesondere bei Logistik, Pharmakovigilanz und Zulassungsverfahren. Andererseits verfügt sie mit ihren Pilotprojekten, hohen Qualitätsanforderungen und starken Forschungseinrichtungen über ideale Voraussetzungen, um selbst einen führenden Platz in der Entwicklung von evidenzbasierten Cannabis-Therapien einzunehmen. Digitale Plattformen können dabei helfen, die Versorgung im Alltag abzubilden und Daten aus der realen Versorgung (Real-World-Data) strukturiert zu erfassen.

Medizinische Cannabis-Therapie: Von der Innovation zur gelebten Versorgung

Die Innovationspipeline entfaltet ihren Nutzen erst dann voll, wenn sie in konkrete Versorgungslösungen übersetzt wird. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Sie brauchen verständliche Informationen, ärztliche Beratung, eine klare Indikationsstellung und eine strukturierte Begleitung, wenn medizinisches Cannabis als Therapieoption geprüft wird. Der reine Zugang zu Produkten – sei es über Apotheken oder andere Kanäle – reicht dafür nicht aus.

Übersicht verschiedener medizinischer Darreichungsformen von Cannabis wie Öl, Blüten und Kapseln

Moderne Versorgungsmodelle setzen deshalb auf integrierte Plattformen, die medizinische und organisatorische Aspekte bündeln. Evidena beispielsweise versteht sich nicht als reiner Telemedizin-Anbieter, sondern als digitale Infrastruktur für eine umfassende Cannabis-Therapie. Ärztliche Konsultationen (online oder vor Ort), Therapieplanung, Rezeptabwicklung, Apothekenanbindung und Nachsorge fliessen in einem System zusammen. So wird die Innovationspipeline – von der Regulierung über die Produktion bis zur Verordnung – für Patientinnen und Patienten konkret nutzbar gemacht, ohne den medizinischen Charakter der Behandlung zu relativieren.

Ärztliche Begleitung, Indikation und Dosistitration

Bei medizinischer Cannabis-Therapie steht immer die Indikation im Vordergrund. Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob eine Cannabis-Therapie in der individuellen Situation sinnvoll erscheint, welche Alternativen bereits ausgeschöpft wurden und welche Risiken zu berücksichtigen sind. Die Dosis wird in der Regel schrittweise («start low, go slow») titriert, um Wirkung und Verträglichkeit sorgfältig zu beobachten. Digitale Tools können unterstützen, indem sie Verlauf, eingenommene Dosen und Begleitsymptome strukturieren.

Darstellung einer vorsichtigen Titrationskurve zur Dosierung von medizinischem Cannabis

Für die sichere Anwendung sind zudem Informationen zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zu Kontraindikationen (z. B. Schwangerschaft, bestimmte psychiatrische Erkrankungen) und zur Teilnahme am Strassenverkehr wichtig. Plattformen wie Evidena können hier helfen, evidenzbasierte Informationen so aufzubereiten, dass sie für Patientinnen und Patienten verständlich bleiben und die ärztliche Beratung ergänzen.

Digitale Infrastruktur: Wie Plattformen die Innovationspipeline nutzbar machen

Telemedizin und digitale Gesundheitsdienste sind in der Cannabis-Therapie kein Selbstzweck, sondern ein Zugangskanal zu ärztlicher Expertise und zu koordinierten Versorgungsprozessen. Evidena bündelt mehrere Funktionen in einer Plattform:

  • Ärztliche Betreuung (online und – je nach Kooperationsmodell – vor Ort)
  • Therapieplanung und Dokumentation
  • Digitaler Rezept- und Apothekenservice
  • Patientenplattform für Organisation, Nachsorge und Informationszugang

Diese Kombination soll nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, sondern medizinische Abläufe vereinfachen und transparenter machen. Für Patientinnen und Patienten kann das bedeuten, dass weniger Wege notwendig sind, dass Informationen zentral gebündelt vorliegen und dass Rückfragen strukturiert gestellt und beantwortet werden können. Ärztinnen und Ärzte profitieren wiederum von besser aufbereiteten Verlaufsdaten und einer klaren Übersicht über Verordnungen und Anpassungen. Im Hintergrund greifen die regulatorischen Vorgaben, Pilotprojekterkenntnisse sowie die Qualitätsstandards der Produzenten ineinander – die Plattform fungiert als Schnittstelle zwischen diesen Ebenen.

Vorteile integrierter digitaler Versorgung für die Cannabis-Therapie

Eine integrierte, digitale Infrastruktur kann die Brücke zwischen Innovationspipeline und klinischem Alltag schlagen. Indem ärztliche Konsultationen, Dokumentation, Rezepte und Apothekenprozesse digital koordiniert werden, entstehen weniger Medienbrüche und geringere Reibungsverluste. Für Patientinnen und Patienten kann dies zu kürzeren Wartezeiten, klareren Abläufen und einer besser nachvollziehbaren Therapieplanung führen. Gleichzeitig erleichtert eine zentrale Plattform die Einhaltung rechtlicher Anforderungen (z. B. Dokumentationspflichten, Nachverfolgung von Verordnungen) und unterstützt eine verantwortungsvolle Anwendung. Wichtig bleibt, dass digitale Lösungen immer in eine ärztlich verantwortete, individuelle Behandlung eingebettet sind und nicht als eigenständiger Zugang zu Cannabis-Produkten verstanden werden.

Zukunftsperspektiven: Wohin entwickelt sich die Cannabis-Innovationspipeline?

Die nächsten Jahre werden im Cannabis-Sektor voraussichtlich durch drei Entwicklungen geprägt: erstens die Auswertung der laufenden Pilotprojekte und die mögliche Anpassung gesetzlicher Regelungen, zweitens weitere technologische Fortschritte in Anbau, Verarbeitung und Analytik und drittens die Integration von Cannabis-Therapien in digitale Versorgungssysteme und klinische Leitlinien. Dabei wird sich zeigen, wie sich medizinische und nicht-medizinische Nutzung klar trennen lassen und wie Schutzkonzepte – etwa für Jugendliche oder Menschen mit erhöhtem Risiko – ausgestaltet werden.

Für die Schweiz bietet die Kombination aus starker Forschungslandschaft, hohen Qualitätsanforderungen und digitaler Kompetenz eine gute Ausgangslage, um eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Herausforderung besteht darin, Innovation, Patientensicherheit, ärztliche Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen in ein ausgewogenes Gesamtsystem zu bringen. Plattformen wie Evidena, Produzenten wie SwissExtract und Forschungspartner wie Vindica können gemeinsam dazu beitragen, dass aus der aktuellen Dynamik eine langfristig tragfähige, evidenzbasierte Cannabis-Versorgung entsteht.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zur Cannabis-Innovationspipeline und Therapie

Wie unterscheiden sich medizinisches Cannabis und Cannabis aus Pilotprojekten?

Medizinisches Cannabis wird in der Regel im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie eingesetzt, mit klarer Indikation, Dosierungsplan und Verlaufskontrolle. Die eingesetzten Präparate unterliegen hohen Qualitätsanforderungen und werden über Apotheken abgegeben. Cannabis aus Pilotprojekten wie «Züri Can» oder «Grashaus Projects» dient primär der Erforschung regulierter Genusskonsum-Modelle. Zwar gelten auch hier strenge Qualitätsstandards, aber der Einsatz erfolgt nicht als Medikament, sondern im Rahmen wissenschaftlich begleiteten Konsums. Erkenntnisse aus den Pilotprojekten fliessen indirekt in die Weiterentwicklung medizinischer Cannabis-Therapien ein.

Welche Rolle spielen Unternehmen wie SwissExtract und Vindica für Patientinnen und Patienten?

SwissExtract und Vindica stehen exemplarisch für den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt entlang der Produktionskette. SwissExtract produziert für Pilotprojekte und andere Anwendungen standardisierte Cannabisprodukte mit hoher Rückverfolgbarkeit. Vindica arbeitet an biotechnologischen Lösungen, die stabile Sorten und effiziente Produktionsprozesse ermöglichen. Für Patientinnen und Patienten sind diese Entwicklungen insofern relevant, als sie robuste, qualitativ hochwertige Ausgangsprodukte für medizinische Präparate ermöglichen und damit zur Sicherheit und Verlässlichkeit der Therapie beitragen.

Wie kann eine digitale Plattform wie Evidena die Versorgung mit medizinischem Cannabis verbessern?

Digitale Plattformen wie Evidena bündeln mehrere Versorgungsschritte in einem System: ärztliche Beratung (online und im hybriden Modell), Therapieplanung, Rezeptmanagement, Apothekenanbindung und Nachsorge. Dadurch werden Abläufe für Patientinnen und Patienten transparenter und organisatorisch einfacher. Gleichzeitig unterstützt eine strukturierte Dokumentation Ärztinnen und Ärzte bei der Dosisanpassung und beim Monitoring von Wirkung und Nebenwirkungen. Wichtig ist, dass die Plattform immer in ein ärztlich verantwortetes Behandlungskonzept eingebettet bleibt und medizinische Entscheidungen nicht automatisiert trifft.

Wie wird die Sicherheit von Cannabisprodukten in der Schweiz gewährleistet?

Die Sicherheit von Cannabisprodukten beruht auf mehreren Ebenen: gesetzlichen Vorgaben, Zertifizierungen, internen Qualitätsprozessen der Produzenten und unabhängigen Laborkontrollen. In der Schweiz sind insbesondere BAG und Swissmedic zentrale Akteure bei der Regulierung. Produzenten, die für medizinische Anwendungen oder Pilotprojekte liefern, müssen unter anderem Vorgaben zu Anbau, Rückständen, mikrobiologischer Qualität und exakter Deklaration der Inhaltsstoffe einhalten. Standardisierte Prüfverfahren und Dokumentationspflichten sorgen dafür, dass Chargen vergleichbar sind und im Fall von Auffälligkeiten rasch reagiert werden kann.

Ist medizinisches Cannabis für alle Patientinnen und Patienten geeignet?

Nein. Ob medizinisches Cannabis in Frage kommt, hängt von der individuellen Situation ab und wird von einer Ärztin oder einem Arzt beurteilt. Dabei werden die zugrunde liegende Erkrankung, bisherige Therapieversuche, Begleiterkrankungen, eingenommene Medikamente und mögliche Risiken berücksichtigt. In bestimmten Situationen – etwa bei Schwangerschaft, bestimmten psychiatrischen Erkrankungen oder erhöhtem Suchtpotenzial – kann eine Cannabis-Therapie nicht empfohlen werden. Deshalb ist eine individuelle, ärztlich geführte Abklärung unerlässlich.

Wie läuft die Dosierung bei einer medizinischen Cannabis-Therapie ab?

In der Praxis wird häufig nach dem Prinzip «start low, go slow» vorgegangen. Das heisst, es wird mit einer niedrigen Dosis begonnen, die schrittweise erhöht wird, bis ein angemessenes Verhältnis von erwünschten Effekten und Nebenwirkungen erreicht ist. Die Dosisanpassung erfolgt immer in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Digitale Tagebücher oder Patientenplattformen können dabei helfen, Wirkungen, Nebenwirkungen und Begleitumstände systematisch zu erfassen.

Verändert sich durch die Pilotprojekte die rechtliche Situation für medizinische Cannabis-Therapie?

Die Pilotprojekte zielen in erster Linie darauf ab, neue Modelle für regulierten Genusskonsum zu erproben. Die rechtliche Grundlage für medizinisches Cannabis ist davon getrennt geregelt. Dennoch können Erkenntnisse aus den Pilotstudien – etwa zur öffentlichen Gesundheit, zum Konsumverhalten oder zu Schutzmassnahmen – künftig in politische Diskussionen einfliessen, die auch die medizinische Versorgung berühren. Bis konkrete Gesetzesänderungen erfolgen, gelten jedoch weiterhin die bestehenden Bestimmungen und Zulassungswege für medizinische Cannabisprodukte.

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