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Cannabis Edibles: Vorteile, Risiken und medizinische Einordnung

10 Min. Lesezeit

Cannabis Edibles – also mit Cannabinoiden versetzte Lebensmittel – gelten als diskrete, rauchfreie Alternative zu klassischen Cannabis-Anwendungsformen. Gleichzeitig sind Wirkung, Dosierung und rechtliche Lage komplexer, als viele vermuten. • Verstehen Sie, wie Edibles im Körper wirken und warum sie oft stärker als Rauchprodukte sind • Lernen Sie zentrale Risiken wie Überdosierung, Abhängigkeit und Gefahren für Kinder kennen • Erfahren Sie, welche Rolle Edibles in der medizinischen Cannabis-Therapie in der Schweiz spielen können

Was sind Cannabis Edibles und wie unterscheiden sie sich von anderen Formen?

Cannabis Edibles sind essbare Produkte, die mit Cannabinoiden – meist Tetrahydrocannabinol (THC) und/oder Cannabidiol (CBD) – angereichert wurden. Typische Beispiele sind Kekse, Brownies, Schokolade, Gummibärchen oder Getränke. Im Unterschied zu gerauchtem oder verdampftem Cannabis werden die Wirkstoffe nicht über die Lunge, sondern über den Verdauungstrakt aufgenommen. Dadurch verändern sich sowohl der zeitliche Verlauf als auch die Intensität der Wirkung. Gerade diese Unterschiede werden im Alltag häufig unterschätzt und können zu unerwartet starken oder unangenehmen Effekten führen.

  • Lebensmittel oder Getränke mit zugesetzten Cannabinoiden
  • Aufnahme über Magen-Darm-Trakt statt über die Lunge
  • Deutlich verzögerter Wirkungseintritt, längere Wirkungsdauer
  • Subjektiv oft stärkere und schwerer steuerbare Effekte
  • Spezielle Rolle in der medizinischen Therapie im Vergleich zum Freizeitkonsum

Diese Merkmale machen Edibles zu einer besonderen Form der Cannabis-Anwendung. Für manche Patientinnen und Patienten können sie eine sinnvolle Alternative sein, etwa wenn eine langfristige, gleichmässige Wirkung gewünscht wird oder inhalative Formen (Rauchen, Vaporizer) aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage kommen. Gleichzeitig ist das Risiko für Fehleinschätzungen der Dosis höher, weil zwischen Einnahme und Wirkung teils 30 bis 120 Minuten vergehen. Wer diese Verzögerung nicht kennt, neigt leichter dazu, nachzudosieren, bevor die erste Dosis überhaupt voll wirkt. Ein fundiertes Verständnis der pharmakologischen Besonderheiten ist daher entscheidend, um Chancen und Risiken realistisch einzuordnen.

Übersicht medizinische Cannabis Anwendungsformen einschliesslich Edibles

Wie wirken Cannabis Edibles im Körper?

Die Wirkung von Cannabis Edibles beruht im Wesentlichen auf der Aufnahme und dem Abbau von THC und CBD im Verdauungstrakt und in der Leber. Nach der Einnahme gelangt das Edible zunächst in den Magen und anschliessend in den Dünndarm. Dort werden die fettlöslichen Cannabinoide resorbiert und mit dem Blut zur Leber transportiert. In der Leber wird ein Teil des THC in 11-Hydroxy-THC umgewandelt – einen Metaboliten, der die Blut-Hirn-Schranke gut überwindet und als besonders psychoaktiv gilt. Dieser Mechanismus erklärt, warum die Wirkung von Edibles nicht nur verzögert einsetzt, sondern von vielen Menschen als tiefer und intensiver beschrieben wird als bei inhaliertem Cannabis.

  • Wirkungseintritt meist nach 30–120 Minuten, bei vollem Magen teils später
  • Wirkmaximum nach 2–4 Stunden, Wirkdauer insgesamt 4–10 Stunden oder länger
  • Bildung von 11-Hydroxy-THC in der Leber mit oft stärkerer psychoaktiver Wirkung
  • Stärkere Schwankungen durch Unterschiede in Stoffwechsel, Körpergewicht und Nahrungsaufnahme
  • Im Vergleich zum Rauchen weniger akute Spitzen, dafür längere Wirkungskurven

Die verzögerte Pharmakokinetik birgt ein zentrales Risiko: Wer nach 30 oder 45 Minuten «noch nichts merkt», nimmt unter Umständen eine weitere Portion ein, bevor die erste überhaupt voll wirksam ist. Dieses sogenannte «Dose Stacking» ist eine häufige Ursache für Überdosierungen mit Symptomen wie starkem Herzklopfen, Schwindel, Desorientierung, Angst oder Panik. Für die medizinische Anwendung bedeutet dies: Beginn mit niedriger Dosis, langsame Steigerung und eine klare ärztliche Anleitung, wie schnell Dosisanpassungen erfolgen dürfen. Insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder psychischen Belastungen ist eine enge ärztliche Begleitung sinnvoll.

Grafik zum Cannabinoid Spektrum und Metaboliten wie 11-Hydroxy-THC

Vorteile von Edibles in der medizinischen Cannabis-Therapie

Im Rahmen einer medizinischen Cannabis-Therapie können Edibles – oder allgemein orale Cannabis-Präparate – für bestimmte Patientengruppen relevante Vorteile bieten. Diese betreffen nicht nur die reine Wirkdauer, sondern auch Aspekte wie Diskretion, Verträglichkeit und Alltagsintegration. Wichtig ist jedoch, Edibles nicht als eigenständige «Lösung» zu betrachten, sondern stets eingebettet in ein medizinisches Gesamtkonzept, das Diagnostik, Indikationsstellung, Dosierung und Verlaufsbeobachtung umfasst.

  • Langanhaltende Wirkung: Geeignet, wenn eine stabile Symptomkontrolle über mehrere Stunden gewünscht ist, z. B. bei chronischen Schmerzen oder nächtlichen Beschwerden.
  • Rauchfreie Anwendung: Kein Einatmen von Verbrennungsprodukten, potenziell vorteilhaft bei Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Diskrete Einnahme: Edibles lassen sich relativ unauffällig in den Alltag integrieren, etwa in Pflegeeinrichtungen oder im häuslichen Setting.
  • Standardisierbare Dosis: Bei pharmazeutisch hergestellten Präparaten lässt sich der THC- und CBD-Gehalt exakt bestimmen.
  • Bessere Therapietreue: Angenehme Einnahmeformen können dazu beitragen, Verordnungen zuverlässiger umzusetzen.

Besonders für Menschen mit schwer einschätzbaren Tagesverläufen – etwa bei Multipler Sklerose, onkologischen Erkrankungen oder langanhaltender Übelkeit – kann eine länger anhaltende Wirkung entlastend wirken. Gleichzeitig eignen sich Edibles weniger, wenn kurzfristig eine rasche Symptomlinderung notwendig ist oder Situationen bestehen, die eine schnelle Anpassung der Dosis erfordern. Häufig kommen deshalb in der Praxis Kombinationen zum Einsatz, etwa eine Basistherapie mit oralen Präparaten und zusätzlich bedarfsweise inhalative Formen. Welche Strategie sinnvoll ist, sollte immer individuell und gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Risiken, Nebenwirkungen und typische Fehler beim Konsum von Edibles

So überzeugend einzelne Vorteile von Edibles in der medizinischen Anwendung sein können, so ernst zu nehmen sind die Risiken, insbesondere im Freizeitkontext oder bei unkontrollierter Dosierung. Die optische Ähnlichkeit zu gewöhnlichen Lebensmitteln, fehlende oder unklare Angaben zum Wirkstoffgehalt und der verzögerte Wirkungseintritt führen dazu, dass Edibles leicht unterschätzt werden. Das Spektrum möglicher Nebenwirkungen reicht von unangenehmen, aber meist harmlosen Angstzuständen bis hin zu schweren Vergiftungen, die eine stationäre Behandlung notwendig machen können.

  • Unterschätzung der Potenz: Optisch harmlos wirkende Produkte enthalten teilweise hohe THC-Dosen pro Portion.
  • Verzögerter Wirkungseintritt: Nachdosierung vor Wirkungseintritt («Dose Stacking») als wichtiger Auslöser von Überdosierungen.
  • Psychische Reaktionen: Angst, Panik, Verwirrtheit, Wahrnehmungsveränderungen, in Einzelfällen psychotische Episoden.
  • Körperliche Symptome: Herzklopfen, Blutdruckveränderungen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufzusammenbruch.
  • Langfristige Risiken: Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit, insbesondere bei regelmässigem, hochdosiertem Konsum.

Viele dieser Effekte hängen von individuellen Faktoren ab: Vorerfahrungen mit Cannabis, aktuelle psychische Verfassung, Umgebungssituation, Kombination mit anderen Substanzen (z. B. Alkohol) und körperliche Vorerkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Risiken deutlich erhöht, da sie empfindlicher auf THC reagieren und bereits geringere Mengen zu schweren Symptomen führen können. Für medizinische Patientinnen und Patienten ist es deshalb entscheidend, Edibles ausschliesslich im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie mit transparenten Dosierungsangaben zu nutzen und auf unregulierte Produkte – etwa aus dem Internet oder aus dem Ausland – konsequent zu verzichten.

Infografik zur Dosierung und Titration bei Cannabis Edibles

Rechtliche Einordnung von Edibles in der Schweiz

Die rechtliche Situation rund um Cannabis und Edibles unterscheidet sich je nach Land teilweise erheblich. In der Schweiz ist der nicht-medizinische Konsum von Cannabis mit einem THC-Gehalt über 1 % nach wie vor grundsätzlich verboten. Der Besitz kleiner Mengen wird teilweise mit Ordnungsbussen geahndet, ändert aber nichts daran, dass Herstellung, Handel und Abgabe von THC-haltigen Edibles für Freizeitzwecke nicht erlaubt sind. CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter 1 % unterliegen anderen Regelungen, ersetzen aber keine ärztlich kontrollierte Therapie.

  • Freizeitkonsum von THC-haltigem Cannabis (inklusive Edibles) bleibt in der Schweiz grundsätzlich illegal.
  • THC-haltige Lebensmittel gelten als nicht verkehrsfähig und dürfen nicht frei verkauft werden.
  • Ausnahme: Medizinische Anwendung im Rahmen einer ärztlich verordneten Cannabis-Therapie.
  • CBD-Produkte mit weniger als 1 % THC folgen eigenen lebensmittel- oder produkterechtlichen Vorgaben.
  • Teilnahme an Pilotprojekten zur Cannabis-Regulierung kann zusätzliche Besonderheiten mit sich bringen.

Für Patientinnen und Patienten mit entsprechender Indikation kann medizinisches Cannabis in der Schweiz seit der Gesetzesänderung 2022 regulär verordnet werden. Je nach Präparat stehen verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung, darunter auch orale Lösungen oder Kapseln, die funktional einer Edible-Anwendung entsprechen. Entscheidend ist, dass diese Präparate unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden, definierte Wirkstoffgehalte enthalten und über Apotheken bezogen werden. Selbst hergestellte Edibles aus medizinischem Cannabis bergen dagegen erhebliche Risiken der Fehldosierung und können rechtliche Fragen aufwerfen, insbesondere wenn Produkte an Dritte weitergegeben werden.

Edibles im Vergleich zu anderen medizinischen Darreichungsformen

Im medizinischen Alltag stehen verschiedene Cannabis-Darreichungsformen zur Verfügung, die sich hinsichtlich Wirkungseintritt, Wirkdauer, Dosierbarkeit und Anwendungsaufwand unterscheiden. Edibles – verstanden als orale Aufnahme – sind nur eine Option unter mehreren. Ein systematischer Vergleich hilft, gemeinsam mit der behandelnden Fachperson eine zur individuellen Situation passende Form zu wählen.

  • Inhalation (Vaporizer): Schneller Wirkungseintritt (Minuten), vergleichsweise kurze Wirkdauer, geeignet für akute Symptome, aber inhalativ.
  • Ölige Lösungen / Tropfen: Orale Einnahme, relativ gut titrierbar, Wirkungseintritt nach 30–90 Minuten, mittlere bis längere Wirkdauer.
  • Kapseln / Tabletten: Standardisierte Dosis pro Einheit, geeignet für routinierte Tagesregime, verzögerter, aber reproduzierbarer Wirkungseintritt.
  • Edibles im engeren Sinn (z. B. Gebäck): Schwierigere Standardisierung, teils starke Dosis-Schwankungen, für medizinische Zwecke nur in kontrollierter Herstellung sinnvoll.
  • Topische Anwendungen (Cremes, Salben): Vorwiegend lokale Effekte, kaum systemische Wirkung, daher nicht mit klassischen Edibles vergleichbar.

In der Schweiz werden Edibles im engeren Sinne – etwa Kuchen oder Süsswaren mit THC – medizinisch derzeit kaum standardisiert angeboten. Stattdessen kommen vor allem ölbasierte Präparate und Kapseln zum Einsatz, die funktional einer Edible-Anwendung entsprechen, jedoch genauer dosierbar sind. Für Patientinnen und Patienten ist es wichtig, die eigenen Therapieziele zu klären: Geht es vor allem um eine flexible, schnell steuerbare Wirkung (eher inhalative Formen) oder um eine kontinuierliche, länger anhaltende Symptomlinderung (eher orale Formen)? Zusätzlich spielen Aspekte wie Schluckfähigkeit, gastrointestinale Verträglichkeit, Berufstätigkeit und Fahreignung eine Rolle. Eine ausführliche ärztliche Beratung unterstützt dabei, Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Ablauf vom Erstgespräch bis zum Cannabis-Rezept und Apothekenversorgung

Gefahren für Kinder, Jugendliche und vulnerable Gruppen

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Edibles, wenn Kinder, Jugendliche oder andere vulnerable Personen im Haushalt leben. Da Edibles optisch oft kaum von herkömmlichen Lebensmitteln zu unterscheiden sind, besteht ein erhebliches Risiko für unbeabsichtigten Konsum. International berichten Giftinformationszentren von einem deutlichen Anstieg entsprechender Vergiftungsfälle, insbesondere in Regionen, in denen Edibles für Freizeitkonsum legal erhältlich sind. Für die Schweiz sind solche Produkte zwar rechtlich stark eingeschränkt, dennoch können Edibles aus dem Ausland oder aus informellen Quellen in Umlauf kommen.

  • Hohe Attraktivität durch süssen Geschmack und bekannte Formen (z. B. Gummibärchen, Schokolade).
  • Bereits geringe Mengen THC können bei Kindern schwere Symptome auslösen.
  • Risiko von Bewusstseinsstörungen, Koordinationsproblemen, Erbrechen und in schweren Fällen Atemdepression.
  • Erhöhtes Risiko für psychische Komplikationen bei Jugendlichen, insbesondere bei hoher Dosierung und häufigem Konsum.
  • Vulnerable Gruppen (z. B. ältere Menschen mit Demenz) können Edibles versehentlich einnehmen.

Für Haushalte mit Kindern oder schutzbedürftigen Personen gilt daher: THC-haltige Präparate – unabhängig von der Form – sollten immer kindersicher und ausser Sichtweite aufbewahrt werden. Pharmazeutische Produkte verfügen in der Regel über kindersichere Verschlüsse und klare Kennzeichnungen, selbst hergestellte oder informell bezogene Edibles dagegen nicht. Bei ungeklärter Aufnahme ist eine rasche medizinische Abklärung ratsam, insbesondere wenn die aufgenommene Menge oder der genaue THC-Gehalt unbekannt sind. Im Rahmen einer ärztlich begleiteten Cannabis-Therapie gehört eine individuelle Risikoberatung, die auch das häusliche Umfeld einbezieht, zwingend dazu.

Edibles verantwortungsvoll nutzen: Rolle der ärztlichen Begleitung

Für Menschen, die von einer medizinischen Cannabis-Therapie profitieren könnten, ist die Wahl der Darreichungsform ein wichtiger Baustein innerhalb eines grösseren Behandlungsplans. Edibles beziehungsweise orale Präparate sind dabei kein Selbstzweck, sondern eine von mehreren Optionen, die je nach Diagnose, Begleiterkrankungen, bisherigen Therapieversuchen und Lebenssituation sinnvoll sein kann. Entscheidend ist, dass Indikation, Präparatwahl und Dosisanpassung immer durch ärztliches Fachpersonal begleitet werden und regelmässige Verlaufs- und Sicherheitskontrollen stattfinden.

  • Individuelle Indikationsstellung und Prüfung von Kontraindikationen (z. B. bestimmte psychische Erkrankungen).
  • Start mit niedriger Dosis und langsame Titration, besonders bei Edibles.
  • Aufklärung über verzögerten Wirkungseintritt, Fahruntüchtigkeit und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
  • Regelmässige Überprüfung von Wirksamkeit, Nebenwirkungen und allfälligen Anpassungen der Therapie.
  • Dokumentation und gemeinsame Entscheidungsfindung über die Fortführung oder Beendigung der Behandlung.

Digitale Plattformen wie Evidena können Patientinnen und Patienten unterstützen, indem sie ärztliche Betreuung, Rezeptmanagement und Apothekenanbindung in einer strukturierten Umgebung bündeln. Telemedizinische Kontakte, digitale Dosis-Tagebücher und sichere Kommunikationswege erleichtern die laufende Abstimmung zwischen allen Beteiligten. So lässt sich die komplexe Balance zwischen therapeutischem Nutzen und möglichen Risiken von Edibles besser steuern – immer mit dem Ziel, eine möglichst hohe Lebensqualität bei gleichzeitig hoher Sicherheit zu erreichen.

Grafik zur rechtlichen THC-Grenze und Einordnung in der Schweiz

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Cannabis Edibles

Wie lange dauert die Wirkung von Cannabis Edibles?

Die Wirkung von Cannabis Edibles setzt in der Regel verzögert ein – meist zwischen 30 und 120 Minuten nach der Einnahme, abhängig von Magenfüllung, Stoffwechsel und Präparat. Das Wirkmaximum wird häufig nach 2 bis 4 Stunden erreicht. Insgesamt kann die Wirkung 4 bis 10 Stunden oder länger anhalten. Im Vergleich zu gerauchtem Cannabis, dessen Effekte meist nach 2 bis 3 Stunden deutlich abklingen, sind Edibles daher deutlich langanhaltender. Diese verlängerte Wirkdauer ist therapeutisch teilweise erwünscht, erhöht aber das Risiko, die Intensität des Rausches zu unterschätzen. Aus diesem Grund sollte nie nachdosiert werden, bevor nicht mindestens mehrere Stunden vergangen sind und die Wirkung klar eingeschätzt werden kann.

Sind Edibles in der Schweiz legal erhältlich?

THC-haltige Edibles für Freizeitkonsum sind in der Schweiz nicht legal erhältlich. Der Besitz und die Abgabe von Cannabisprodukten mit mehr als 1 % THC sind grundsätzlich verboten, unabhängig davon, ob es sich um Blüten, Öle oder Lebensmittel handelt. Ausnahmen bestehen für medizinische Anwendungen: Ärztinnen und Ärzte können medizinisches Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen verordnen, das dann über Apotheken abgegeben wird. In diesem Rahmen kommen vor allem standardisierte orale Präparate wie Öle oder Kapseln zur Anwendung, die funktional Edibles entsprechen. Süsswaren oder Backwaren mit THC sind jedoch als freie Konsumprodukte nicht zugelassen.

Warum ist die Dosierung von Edibles schwieriger als beim Rauchen?

Beim Rauchen oder Verdampfen tritt die Wirkung von Cannabis innerhalb von Minuten ein, sodass Konsumierende die Intensität relativ rasch einschätzen und gegebenenfalls nachdosieren können. Bei Edibles verzögert sich der Wirkungseintritt häufig um eine Stunde oder mehr. In dieser Wartezeit wird die bereits eingenommene Dosis manchmal unterschätzt, was zu zusätzlichem Konsum führt. Zudem ist bei informell hergestellten Edibles der THC-Gehalt pro Portion oft unklar oder ungleichmässig verteilt. In der medizinischen Anwendung werden deshalb möglichst Präparate mit klar definierter Dosis pro Einheit bevorzugt, verbunden mit einer sorgfältigen, schrittweisen Dosisanpassung unter ärztlicher Anleitung.

Können Edibles abhängig machen?

Die Wirkung von Edibles beruht in der Regel auf THC, einem psychoaktiven Stoff mit Abhängigkeitspotenzial. Bei regelmässigem, hochdosiertem Konsum kann sich eine psychische Cannabisabhängigkeit entwickeln – unabhängig davon, ob THC inhaliert oder oral aufgenommen wird. Typisch sind ein starkes Verlangen nach der Substanz, Kontrollverlust über die konsumierte Menge und die Vernachlässigung anderer Aktivitäten. Körperliche Entzugssymptome wie Schlafstörungen, Unruhe oder Schwitzen können beim Absetzen auftreten. Innerhalb einer medizinischen Therapie wird versucht, durch klare Behandlungsziele, definierte Dosierungen und regelmässige Verlaufskontrollen dem Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung vorzubeugen.

Was ist bei der Teilnahme am Strassenverkehr nach Edibles zu beachten?

Nach dem Konsum von Edibles ist die Teilnahme am Strassenverkehr nicht sicher und rechtlich problematisch. Die Wirkung setzt verzögert ein und kann viele Stunden anhalten, während Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Urteilsfähigkeit beeinträchtigt sind. Anders als beim Rauchen ist der Zeitpunkt, zu dem die Wirkung vollständig abgeklungen ist, schwerer abzuschätzen. In der Schweiz gilt für den Strassenverkehr eine Nulltoleranz für bestimmte illegale Drogen, zu denen auch THC gehört. Personen, die medizinisches Cannabis einnehmen, sollten mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, inwieweit und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme am Strassenverkehr verantwortbar ist, und im Zweifel auf das Fahren verzichten.

Sind CBD-Edibles ohne THC unbedenklich?

CBD-haltige Edibles ohne oder mit sehr geringem THC-Gehalt (< 1 %) haben kein klassisches Rauschpotenzial, sind aber nicht automatisch frei von Risiken. Je nach Dosis und individueller Empfindlichkeit kann CBD Müdigkeit, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder gastrointestinale Beschwerden verursachen. Zudem sind viele frei erhältliche CBD-Produkte bezüglich Reinheit und Wirkstoffgehalt nicht so streng reguliert wie Arzneimittel. Für Menschen mit Vorerkrankungen, Polypharmazie oder Schwangerschaft ist es sinnvoll, die Einnahme von CBD-Produkten mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen – insbesondere, wenn sie regelmässig und in höheren Dosen genutzt werden sollen.

Welche Rolle spielen synthetische Cannabinoide in Edibles?

Auf informellen Märkten werden gelegentlich Edibles angeboten, die anstelle von natürlichem THC synthetische oder halbsynthetische Cannabinoide enthalten. Diese Substanzen können deutlich potenter und in ihrer Wirkung weniger vorhersehbar sein. Berichte über schwere Vergiftungen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle oder Herz-Kreislauf-Komplikationen sind dokumentiert. Da Zusammensetzung und Dosierung solcher Produkte meist unbekannt sind, ist ihr Konsum mit erheblichen Risiken verbunden. In einer medizinisch begleiteten Cannabis-Therapie sollten deshalb ausschliesslich geprüfte, standardisierte Präparate aus Apotheken verwendet werden; Edibles aus intransparenten Quellen – insbesondere aus dem Internet oder dem Ausland – sind zu meiden.

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