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Medizinischer Cannabis bei chronischen Schulterschmerzen

10 Min. Lesezeit

Chronische Schulterschmerzen können Alltag, Schlaf und Berufsleben massiv beeinträchtigen. Wenn etablierte Therapien nicht ausreichen, rückt medizinischer Cannabis als ergänzende Option in den Fokus – auch in der Schweiz. Dieser Beitrag ordnet Chancen und Grenzen nüchtern ein. - Einordnung: Was medizinischer Cannabis bei chronischen Schulterschmerzen realistischerweise leisten kann – und was nicht - Überblick: Wirkmechanismen, Darreichungsformen, Nebenwirkungen und rechtlicher Rahmen in der Schweiz - Orientierung: Wie eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie strukturiert ablaufen kann und welche Rolle digitale Versorgungsplattformen wie Evidena spielen

Chronische Schulterschmerzen zählen zu den häufigen Ursachen für anhaltende Beschwerden im Bewegungsapparat. Sie können durch Verschleiss (z. B. Arthrose), Sehnenreizungen, Rotatorenmanschetten-Läsionen, nach Unfällen oder Operationen entstehen und sich im Verlauf verselbstständigen. Viele Betroffene erleben eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität, benötigen wiederholt medizinische Behandlungen und entwickeln nicht selten Schlaf- oder Stimmungsschwankungen. Vor diesem Hintergrund rückt medizinischer Cannabis als mögliche ergänzende Option in den Fokus, insbesondere wenn etablierte Therapien nicht ausreichend helfen.

Einordnung: Chronische Schulterschmerzen und Grenzen klassischer Therapie

Chronische Schulterschmerzen entstehen oft aus ursprünglich akuten Beschwerden, die sich über Monate hinweg verfestigen. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen bei Überkopfbewegungen, nächtliche Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite oder eine zunehmende Bewegungseinschränkung. Häufige Ursachen sind Sehnenentzündungen, Engpasssyndrome (Impingement), kalkhaltige Tendinopathien, Arthrose im Schultergelenk oder auch Folgen von Brüchen und Operationen. Mit zunehmender Dauer spielen nervöse Sensibilisierung, Muskelverspannungen und psychische Faktoren wie Stress und Unsicherheit eine immer stärkere Rolle.

Die Standardbehandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Physiotherapie, Bewegungstraining, nicht-opioiden Schmerzmitteln (z. B. NSAR), lokalen Injektionen und – bei ausgewählten Befunden – operativen Eingriffen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Beweglichkeit wiederherzustellen und die Schulterfunktion im Alltag zu verbessern. In einem Teil der Fälle bleiben die Beschwerden jedoch trotz konsequenter Therapie bestehen oder kehren wieder. Dann stellt sich die Frage nach ergänzenden Behandlungsoptionen, ohne in eine reine Medikation mit steigender Dosis und zunehmenden Nebenwirkungen zu geraten. Hier wird in der Schweiz und international auch der Einsatz von medizinischem Cannabis diskutiert.

Medizinischer Cannabis: Grundlagen, Wirkstoffe und Wirkmechanismen

Unter medizinischem Cannabis versteht man Cannabinoid-Arzneimittel, die unter klar definierten gesetzlichen und medizinischen Bedingungen eingesetzt werden. Im Fokus stehen vor allem zwei Wirkstoffe der Cannabispflanze: Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Beide greifen in das sogenannte Endocannabinoid-System ein, ein körpereigenes Regulationssystem, das an Schmerzwahrnehmung, Entzündungsprozessen, Muskeltonus, Stimmung und Schlaf beteiligt ist.

THC wirkt vor allem über CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und kann die Schmerzwahrnehmung, aber auch die Wahrnehmung generell verändern. Es ist für die psychoaktiven Effekte („High-Gefühl“) verantwortlich, die in der medizinischen Anwendung unerwünscht oder nur in sehr kontrollierter Form toleriert sind. CBD wirkt weniger direkt psychoaktiv, moduliert Entzündungsreaktionen, beeinflusst das Schmerzsystem und kann angstlösende und entspannende Effekte haben. In der medizinischen Praxis werden reine THC-Präparate, CBD-dominierte Produkte oder kombinierte THC/CBD-Extrakte eingesetzt, je nach Indikation, Verträglichkeit und Zielsetzung der Therapie.

Infografik zur Rolle von THC und CBD bei der medizinischen Anwendung

Für chronische Schulterschmerzen ist vor allem die potenzielle Kombination aus schmerzlindernden, muskelentspannenden und schlaffördernden Effekten relevant. Das Ziel einer Cannabis-Therapie ist nicht Schmerzfreiheit, sondern eine spürbare, alltagsrelevante Verbesserung der Belastbarkeit, der Schlafqualität und der Funktionsfähigkeit der Schulter. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass die Studienlage insbesondere für muskulär-gelenkige Schmerzen – im Unterschied zu klar definierten Nervenschmerzen – begrenzt und die Wirksamkeit nicht abschliessend belegt ist.

Darreichungsformen und Anwendung bei Schulterschmerzen

In der medizinischen Praxis stehen unterschiedliche Darreichungsformen zur Verfügung, die sich im Wirkprofil, in der Steuerbarkeit und im Nebenwirkungsspektrum unterscheiden.

  • Orale Öle und Tropfen (z. B. Dronabinol, ölige Vollextrakte)
  • Sprays zur Anwendung in der Mundhöhle (z. B. THC/CBD-haltige Oromukosalsprays)
  • Kapseln oder standardisierte feste Formen
  • Inhalative Anwendungen von Medizinalblüten über Vaporizer (deutlich seltener empfohlen)

Diese Darreichungsformen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Aufnahmegeschwindigkeit und Wirkdauer, sondern auch in Bezug auf die Möglichkeit einer präzisen Dosierung und das Risiko unerwünschter Effekte. Bei chronischen Schulterschmerzen bevorzugen Fachgesellschaften und viele Behandler orale Präparate und Sprays, weil sie langsamer anfluten, eine längere Wirkdauer bieten und die Dosis schrittweise angepasst werden kann. Inhalative Anwendungen über einen Vaporizer können zwar rascher wirken, sind aber für die dauerhafte Behandlung chronischer Schmerzen weniger geeignet, da Wirkungsschwankungen und Dosierungsunsicherheiten grösser sind. Wichtig ist in jedem Fall eine ärztlich überwachte Titration („Start low, go slow“), bei der Dosis und Verhältnis von THC zu CBD individuell angepasst werden.

Grafische Übersicht medizinischer Darreichungsformen von Cannabis

Begleitend empfiehlt sich ein strukturiertes Schmerztagebuch, in dem Schmerzen, Schlaf, Alltagsaktivität und mögliche Nebenwirkungen dokumentiert werden. So kann beobachtet werden, ob sich unter einer Cannabis-Therapie tatsächlich eine relevante Verbesserung ergibt, etwa beim nächtlichen Durchschlaf, bei der Belastbarkeit im Beruf oder bei der Teilnahme an physiotherapeutischen Übungen. Ohne diese systematische Beobachtung besteht das Risiko, Wirkungen zu überschätzen oder Nebenwirkungen zu übersehen.

Wirksamkeit: Was ist für Schulterschmerzen belegt – und was bleibt unklar?

Die wissenschaftliche Evidenz zu medizinischem Cannabis in der Schmerztherapie ist insgesamt heterogen. Metaanalysen und HTA-Berichte – unter anderem des Bundesamts für Gesundheit (BAG) – zeigen, dass Cannabinoide bei bestimmten chronischen Schmerzformen, insbesondere bei neuropathischen Schmerzen und Spastik, zu einer moderaten Symptomlinderung beitragen können. Für klassische Schulterschmerzen, die meist primär muskulär-gelenkig („Nozizeptorschmerz“) geprägt sind, lassen die vorhandenen Daten jedoch keine eindeutige Aussage zu.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Patientinnen und Patienten unter Cannabispräparaten eine geringfügige Abnahme der Schmerzintensität und eine Verbesserung schlafbezogener Beschwerden berichten. Gleichzeitig fällt auf, dass der Anteil der Personen mit einer sehr deutlichen Schmerzreduktion (mindestens 50 %) eher klein ist. Viel häufiger wird eine moderate Verbesserung beschrieben, die sich vor allem in besserer Toleranz der Schmerzen, reduzierter Schmerzfixierung, etwas mehr Alltagsaktivität und weniger nächtlichem Aufwachen zeigt. Für Schulterschmerzen gelten diese Erkenntnisse nur eingeschränkt, da sie meist im Rahmen breiterer Gruppen von muskuloskelettalen Schmerzen untersucht wurden.

Infografik zu medizinischen Indikationen für Cannabis in der Schmerztherapie

Der HTA-Bericht des BAG kommt zum Schluss, dass die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei chronischen Schmerzen und krankhaften Muskelverspannungen unklar ist und dass die Behandlung mit Zusatzkosten verbunden ist. Wichtig ist daher eine realistische Erwartungshaltung: Cannabis ist kein Wundermittel gegen Schulterschmerzen. Es kann in Einzelfällen eine sinnvolle Ergänzung darstellen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben, eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität vorliegt und eine sorgfältige ärztliche Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgt.

Nebenwirkungen, Risiken und Kontraindikationen

Wie jede medikamentöse Therapie ist auch die Anwendung von medizinischem Cannabis mit Nebenwirkungen verbunden. Diese betreffen insbesondere das zentrale Nervensystem, aber auch Kreislauf, Appetit und Antrieb.

  • Müdigkeit, Benommenheit und Schwindel
  • Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und Denkfähigkeit
  • Mundtrockenheit, Übelkeit oder Appetitveränderungen
  • Stimmungsschwankungen, Angst oder – seltener – Verwirrtheit
  • Herz-Kreislauf-Effekte wie Pulsbeschleunigung oder Blutdruckschwankungen
  • Risiko einer Abhängigkeit bei längerfristiger, unkritischer Anwendung

Diese möglichen Nebenwirkungen machen deutlich, dass eine Cannabis-Therapie insbesondere zu Beginn und bei jeder Dosisänderung engmaschig ärztlich begleitet werden sollte. Personen mit bestehenden psychischen Erkrankungen – insbesondere Psychosen, schweren Depressionen oder Suchterkrankungen – benötigen eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung; in manchen Fällen ist eine Behandlung mit Cannabinoiden nicht angezeigt. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit wird von der Anwendung ausdrücklich abgeraten. Hinzu kommt, dass unter Therapie mit THC-haltigen Präparaten die Fahrtüchtigkeit und das sichere Bedienen von Maschinen zeitweise eingeschränkt sein können. Patientinnen und Patienten müssen daher umfassend aufgeklärt werden, wie sich die Behandlung auf ihre Teilnahme am Strassenverkehr und ihre berufliche Tätigkeit auswirken kann.

Grafik zum Schema von Dosierung und langsamer Titration bei medizinischem Cannabis

Langzeitdaten zur Sicherheit einer dauerhaften Behandlung über viele Jahre sind bislang begrenzt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, die Therapie regelmässig zu überprüfen, klare Therapieziele zu definieren und die Fortführung an eine anhaltende positive Wirkung zu knüpfen. Kommt es trotz angemessener Dosissteigerung zu keiner relevanten Verbesserung oder stehen Nebenwirkungen im Vordergrund, sollte die Behandlung wieder ausgeschlichen werden.

Rechtlicher Rahmen und Verschreibung in der Schweiz

In der Schweiz ist die medizinische Anwendung von Cannabis seit einer Gesetzesänderung unter klar definierten Bedingungen möglich. Ärztinnen und Ärzte können Cannabis-Extrakte und Cannabinoid-Medikamente verschreiben, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Im Mittelpunkt steht dabei die Schwere der Erkrankung: Es muss sich um eine Situation handeln, in der etablierte Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft oder nicht ausreichend wirksam sind und die Lebensqualität der betroffenen Person erheblich und dauerhaft eingeschränkt ist. Dazu können auch chronische Schulterschmerzen gehören, wenn sie zu massiven funktionellen Einschränkungen, Schlafstörungen oder Arbeitsunfähigkeit führen und andere Therapien nicht zum Ziel geführt haben.

Vor einer Verschreibung ist eine sorgfältige Anamnese mit Dokumentation bisheriger Behandlungsversuche erforderlich, ebenso eine Aufklärung über die begrenzte Evidenz, die möglichen Nebenwirkungen und die rechtlichen Konsequenzen – insbesondere im Zusammenhang mit der Fahrtüchtigkeit. Die Wahl des Präparats, die Startdosis, das Verhältnis von THC zu CBD und die schrittweise Dosistitration erfolgen individuell. Ärztinnen und Ärzte sind angehalten, die Therapie zu dokumentieren, regelmässige Verlaufskontrollen durchzuführen und bei unzureichender Wirkung oder relevanten Nebenwirkungen eine Anpassung oder Beendigung der Cannabis-Therapie zu prüfen.

Infografik zu rechtlichen THC-Grenzen und Rahmenbedingungen

Neben den medizinischen Kriterien spielen auch organisatorische und versorgungstechnische Aspekte eine Rolle: Verfügbarkeit geeigneter Präparate, Kostenübernahme durch Krankenversicherungen, Qualitätssicherung und der Schutz vor missbräuchlicher oder nicht fachgerechter Anwendung. Schweizer Behörden wie das BAG weisen darauf hin, dass angesichts der hohen Erwartungen und der bislang begrenzten Evidenz eine sorgfältige Überwachung der Verschreibungspraxis und der Produktqualität nötig ist.

Ganzheitliches Behandlungskonzept: Cannabis als Baustein, nicht als alleinige Lösung

Chronische Schulterschmerzen sind selten nur ein lokales Problem im Gelenk. Sie entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel von Gewebeschädigung, muskulärer Fehlbelastung, zentraler Schmerzsensibilisierung, psychischen Faktoren und Alltagsbelastungen. Entsprechend empfehlen Fachgesellschaften einen multimodalen Ansatz, der medizinische, physiotherapeutische und psychologische Elemente verbindet. Medizinischer Cannabis kann in diesem Rahmen – bei geeigneter Indikation – ein ergänzender Baustein sein, ersetzt aber weder aktive Bewegungstherapie noch schmerzpsychologische Strategien.

Konkret kann eine ganzheitliche Versorgung bei chronischen Schulterschmerzen unter anderem folgende Komponenten enthalten:

  • Strukturiertes physiotherapeutisches Übungsprogramm mit Fokus auf Beweglichkeit, Muskelbalance und Haltung
  • Aufklärung über Schmerzmechanismen und Umgang mit Belastungsgrenzen
  • Medizinische Basistherapie mit bewährten Schmerzmitteln und, falls erforderlich, Infiltrationen
  • Psychologische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren oder Schmerzakzeptanzprogramme
  • Ergonomische Anpassungen im Beruf und Alltag
  • Gegebenenfalls ergänzend eine sorgfältig überwachte Cannabis-Therapie

In diesem Zusammenspiel kann medizinischer Cannabis vor allem dann hilfreich sein, wenn er Schmerzen und Muskelspannung so weit reduziert, dass Bewegungstherapie besser toleriert wird, nächtlicher Schlaf stabiler wird und die Person wieder aktiver am Alltag teilnehmen kann. Entscheidend ist, dass Cannabis nicht als isolierte „Letzthoffnung“ verstanden wird, sondern als Bestandteil eines strukturierten Behandlungsplans mit klaren Zielen und regelmässiger Evaluation.

Digitale Versorgung: Wie Plattformen wie Evidena Patientinnen und Patienten unterstützen

Die Versorgung mit medizinischem Cannabis erfordert eine enge Abstimmung zwischen Ärztinnen und Ärzten, Apotheken und Patientinnen bzw. Patienten. Digitale Gesundheitsplattformen können diese Zusammenarbeit strukturieren, ohne den persönlichen medizinischen Entscheid zu ersetzen. Evidena versteht sich als integrierte Versorgungsplattform für Cannabis-Therapien in der Schweiz und nicht primär als Telemedizin-Anbieter. Telemedizinische Konsultationen sind ein Zugangskanal, die eigentliche Stärke liegt jedoch in der Verbindung von ärztlicher Betreuung, digitaler Rezeptabwicklung, Apothekenanbindung und Patientenportal.

Für Menschen mit chronischen Schulterschmerzen kann dies bedeuten: Die Indikationsstellung und Therapieplanung erfolgen durch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte, die auf medizinischen Cannabis und Schmerzmedizin spezialisiert sind. Digitale Prozesse erleichtern Terminvereinbarung, Dokumentation, elektronische Übermittlung von Rezepten und den Austausch mit Partner-Apotheken. Über ein Patientenportal lassen sich Schmerztagebücher, Fragebögen und Verlaufsdaten strukturiert erfassen, was die objektivere Beurteilung von Nutzen und Nebenwirkungen unterstützt. Das Ziel ist eine transparente, nachvollziehbare und rechtssichere Versorgung, die medizinische Qualität, effiziente Abläufe und eine verständliche Kommunikation verbindet.

Praktische Entscheidungsfindung: Wann kann Cannabis eine Option bei Schulterschmerzen sein?

Ob medizinischer Cannabis bei chronischen Schulterschmerzen in Betracht kommt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Stattdessen ist eine individuelle Abklärung notwendig, die medizinische, psychische, soziale und rechtliche Aspekte einbezieht. Hilfreich ist ein strukturiertes Vorgehen in mehreren Schritten:

  • Analyse der Ursache und des Verlaufs der Schulterschmerzen (Bildgebung, klinische Untersuchung, bisherige Therapien)
  • Bewertung der bisherigen Schmerztherapie und ihrer Grenzen
  • Abklärung von Kontraindikationen (z. B. bestimmte psychische Erkrankungen, Schwangerschaft, relevante Herz-Kreislauf-Risiken)
  • Realistische Zieldefinition (z. B. bessere Schlafqualität, mehr Belastbarkeit für Physiotherapie, Reduktion anderer Schmerzmittel)
  • Ärztliche Aufklärung über Evidenzlage, Nebenwirkungen, Fahrtüchtigkeit und Kosten
  • Festlegung eines individuellen Therapieversuchs mit klaren Kontrollzeitpunkten

In vielen Fällen können schon diese Schritte dazu beitragen, Erwartungen zu sortieren und gemeinsam zu entscheiden, ob ein Cannabis-Therapieversuch sinnvoll erscheint. Oft zeigt sich, dass zunächst andere Elemente der multimodalen Schmerztherapie intensiviert werden sollten – etwa physiotherapeutische Aktivierung, ergonomische Anpassungen oder schmerzpsychologische Unterstützung. Wenn trotz dieser Massnahmen eine erhebliche Belastung fortbesteht, kann ein zeitlich begrenzter, ärztlich überwachter Cannabis-Versuch diskutiert werden, verbunden mit der Verpflichtung, Wirkung und Nebenwirkungen transparent zu dokumentieren und die Therapie bei ausbleibendem Nutzen zu beenden.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Cannabis bei chronischen Schulterschmerzen

Kann medizinischer Cannabis Schulterschmerzen vollständig beseitigen?

Eine vollständige Schmerzfreiheit ist bei chronischen Schulterschmerzen selten, unabhängig von der Therapieform. Auch medizinischer Cannabis kann in der Regel keine komplette Beseitigung der Beschwerden bewirken. Ziel ist eher eine moderate, alltagsrelevante Verbesserung, zum Beispiel weniger nächtliche Schmerzen, bessere Belastbarkeit oder eine Reduktion der benötigten Dosis anderer Schmerzmittel. Wie stark dieser Effekt ausfällt, unterscheidet sich von Person zu Person und ist wissenschaftlich insbesondere für Schulterschmerzen nicht abschliessend belegt.

Ist medizinischer Cannabis bei Schulterschmerzen in der Schweiz grundsätzlich erlaubt?

Ja, medizinischer Cannabis kann in der Schweiz unter klar definierten Voraussetzungen verschrieben werden. Entscheidend ist, dass eine schwerwiegende Beeinträchtigung vorliegt, etablierte Behandlungen unzureichend geholfen haben und keine relevanten Kontraindikationen bestehen. Ob Schulterschmerzen diese Kriterien erfüllen, hängt von der individuellen Situation ab – etwa von der Dauer der Beschwerden, dem Ausmass der Funktionsbeeinträchtigung und den bereits ausgeschöpften Therapieoptionen. Die Entscheidung trifft immer eine Ärztin oder ein Arzt nach sorgfältiger Abklärung.

Welche Form der Einnahme ist bei chronischen Schulterschmerzen sinnvoll?

Bei chronischen Schmerzsyndromen werden in der Regel orale Präparate wie Öle, Tropfen oder Mundsprays bevorzugt. Sie lassen sich besser dosieren, wirken länger und führen seltener zu abrupten Wirkspitzen als inhalierte Cannabisblüten. Inhalative Anwendungen über Vaporizer kommen eher ausnahmsweise in Frage und sind für eine dauerhafte Standardtherapie weniger geeignet. Welche Darreichungsform im Einzelfall gewählt wird, hängt von der medizinischen Einschätzung, bisherigen Erfahrungen, Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit ab.

Darf ich unter medizinischem Cannabis Auto fahren?

THC-haltige Präparate können Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und Urteilsfähigkeit beeinträchtigen. Besonders zu Therapiebeginn, bei Dosisänderungen und bei höheren Dosierungen ist deshalb grosse Vorsicht geboten. Ob und in welchem Umfang das Führen eines Fahrzeugs zulässig ist, hängt von der individuellen Situation, der Dosis, der Stabilität der Behandlung und den rechtlichen Vorgaben ab. Eine ausführliche ärztliche Beratung ist unerlässlich. Patientinnen und Patienten sollten nur dann fahren, wenn sie sich sicher fühlen, keine akute Beeinträchtigung spüren und die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Welche Risiken bestehen bei längerer Einnahme von medizinischem Cannabis?

Zu den möglichen Risiken einer längerfristigen Therapie zählen unter anderem kognitive Beeinträchtigungen, Antriebsminderung, Gewichtszunahme, Herz-Kreislauf-Effekte und die Entwicklung einer Abhängigkeit. Da Langzeitstudien über viele Jahre noch begrenzt sind, lassen sich alle Risiken derzeit nicht abschliessend beurteilen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Cannabis-Therapien regelmässig zu überprüfen, klare Therapieziele zu definieren und die Fortführung nur bei anhaltendem Nutzen zu rechtfertigen. Bei ausbleibender Wirkung oder deutlichen Nebenwirkungen sollte die Dosis reduziert oder die Therapie beendet werden.

Übernimmt die Krankenversicherung die Kosten für medizinischen Cannabis?

Die Kostenübernahme hängt in der Schweiz von der konkreten Indikation, dem eingesetzten Präparat und der Beurteilung durch die jeweilige Krankenversicherung ab. In manchen Fällen werden Cannabis-Präparate als ergänzende Therapie übernommen, in anderen müssen Patientinnen und Patienten einen Eigenanteil tragen oder die Kosten vollständig selbst finanzieren. Eine frühzeitige Klärung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und – falls nötig – mit der Versicherung ist sinnvoll, insbesondere bevor eine längerfristige Behandlung geplant wird.

Kann ich die Cannabis-Therapie selbstständig beginnen oder anpassen?

Von einer eigenständigen Behandlung mit Cannabis – etwa mit nicht standardisierten Blüten oder Produkten aus unsicheren Quellen – ist ausdrücklich abzuraten. Dosierung, Zusammensetzung und Qualität sind dabei häufig unklar, und Nebenwirkungen können schwer einschätzbar sein. Medizinische Cannabis-Therapien sollten immer ärztlich verordnet, strukturiert dosiert und regelmässig überprüft werden. Eigenmächtige Dosisänderungen oder das Hinzufügen weiterer Cannabisprodukte ohne Rücksprache erschweren eine sachliche Bewertung von Nutzen und Risiken und erhöhen das Nebenwirkungsrisiko.

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