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Cannabis bei Epilepsie in der Schweiz: Möglichkeiten & Grenzen

10 Min. Lesezeit
Neurologische Ärztin in Schweizer Praxis erklärt einer Epilepsiepatientin sachlich die Möglichkeit einer CBD-basierten Cannabis-Therapie am Tablet

Medizinisches Cannabis, insbesondere Cannabidiol (CBD), wird in der Schweiz zunehmend als ergänzende Option bei schwer behandelbarer Epilepsie diskutiert. Dieser Beitrag ordnet die aktuelle Studienlage, die rechtliche Situation und die praktische Anwendung sachlich ein – speziell im Schweizer Versorgungssystem. - Verstehen, wann CBD bei Epilepsie sinnvoll sein kann – und wann nicht - Überblick zur Zulassung von Epidyolex® und zu Off-Label-Anwendungen in der Schweiz - Einblick, wie digitale Versorgungsmodelle wie Evidena eine strukturierte, ärztlich begleitete Therapie unterstützen

Epilepsie in der Schweiz: Warum alternative Therapieansätze diskutiert werden

Epilepsie gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Auch in der Schweiz sind mehrere zehntausend Menschen betroffen. Bei einem grossen Teil der Patientinnen und Patienten lassen sich Anfälle mit bewährten Antiepileptika gut kontrollieren. Dennoch bleibt bei rund einem Drittel der Betroffenen eine sogenannte therapieresistente Epilepsie bestehen: Trotz Einsatz mehrerer Medikamente kommt es weiterhin zu Anfällen, oft mit erheblichem Einfluss auf Lebensqualität, Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe.

In dieser Situation rückt die Frage nach ergänzenden Therapieoptionen in den Fokus. Dazu gehören neben Diättherapien (z. B. ketogene Ernährung), neurochirurgischen Verfahren oder Stimulationsverfahren auch pflanzlich basierte und neue pharmakologische Ansätze – unter anderem medizinisches Cannabis. Besonders Cannabidiol (CBD), ein nicht berauschendes Cannabinoid aus der Hanfpflanze, wird intensiv untersucht. Erwartungen sind hoch, nicht zuletzt durch mediale Berichte über Einzelfälle mit deutlicher Anfallsreduktion. Gleichzeitig mahnen Fachgesellschaften zur Vorsicht: Eine seriöse, evidenzbasierte Einordnung ist entscheidend, um Fehleinschätzungen, Übererwartungen und gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Dieser Beitrag beleuchtet daher praxisnah, wie Cannabis bei Epilepsie in der Schweiz derzeit eingesetzt werden kann, welche Patientengruppen potenziell profitieren, welche Risiken beachtet werden müssen und welche Rolle moderne, digitale Versorgungslösungen wie Evidena im Versorgungsalltag spielen.

Übersicht medizinische Indikationen von Cannabis, inklusive Epilepsie

Was ist medizinisches Cannabis? THC, CBD und das Endocannabinoid-System

Unter medizinischem Cannabis versteht man den gezielten, ärztlich verordneten Einsatz von Cannabis-basierten Arzneimitteln zur Behandlung definierter Erkrankungen. Dabei ist wichtig zu unterscheiden zwischen:

  • Tetrahydrocannabinol (THC): psychoaktiver Wirkstoff mit berauschender Wirkung, unterliegt in der Schweiz dem Betäubungsmittelgesetz und wird in der Epilepsietherapie nur in Ausnahmefällen eingesetzt.
  • Cannabidiol (CBD): nicht berauschender Wirkstoff mit geringem Missbrauchspotenzial, im Fokus der Epilepsieforschung und Basis des Arzneimittels Epidyolex®.
  • Vollspektrum- oder Breitspektrum-Extrakte: enthalten neben CBD weitere Cannabinoide und Terpene; ihre Rolle in der Epilepsie ist bislang wesentlich schlechter untersucht als die von reinem CBD.

Diese Unterscheidung ist zentral, da die Wirksamkeit und das Nebenwirkungsprofil der verschiedenen Cannabinoide deutlich variieren. CBD wirkt nicht über die typischen „Rausch“-Mechanismen von THC, sondern moduliert unter anderem das Endocannabinoid-System sowie weitere Signalwege im Gehirn, die an Erregbarkeit und Anfallsentstehung beteiligt sind. Genau hier setzen aktuelle Forschungsarbeiten an: Ziel ist zu verstehen, in welchen Epilepsieformen und unter welchen Bedingungen CBD tatsächlich anfallsreduzierend wirkt – und bei welchen Patientinnen und Patienten eher mit Nebenwirkungen oder einer Zunahme der Anfälle zu rechnen ist.

Grafik zum Vergleich von THC und CBD

Aktuelle Studienlage: Wo ist CBD bei Epilepsie belegt, wo nicht?

Die klinische Forschung zu CBD bei Epilepsie hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. Besonders gut untersucht ist die Anwendung bei zwei seltenen, schweren Epilepsieformen:

  • Dravet-Syndrom: eine früh beginnende, genetisch bedingte Epilepsie mit häufigen, oft therapieresistenten Anfällen.
  • Lennox-Gastaut-Syndrom: eine schwer verlaufende, meist im Kindesalter auftretende Epilepsie mit verschiedenen Anfallsformen.

Randomisierte, placebokontrollierte Studien konnten zeigen, dass Zusatztherapie mit hoch dosiertem CBD (in Form von Epidyolex®) bei einem Teil der betroffenen Kinder und Erwachsenen die Anfallshäufigkeit signifikant reduziert. Diese Daten führten zur Zulassung von Epidyolex® in der Schweiz. Gleichzeitig zeigte sich, dass nicht alle Patientinnen und Patienten ansprechen und dass die Therapie relevante Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

Für andere, häufigere Epilepsieformen fällt die Studienlage bisher deutlich dünner aus. Vereinzelte kleinere Studien und Beobachtungsdaten lassen zwar in einigen Subgruppen anfallsreduzierende Effekte vermuten, sind aber methodisch heterogen und erlauben keine abschliessenden Empfehlungen für den breiten Einsatz. Fachgesellschaften wie die Schweizerische Epilepsie-Liga raten darum von einer routinemässigen Anwendung von CBD bei „gewöhnlichen“ Epilepsieformen ausserhalb von Studien ab. Im Vordergrund stehen weiterhin etablierte Antiepileptika, deren Wirksamkeit und Risiken deutlich besser charakterisiert sind.

Wichtige Einordnung zur Evidenz

CBD ist aktuell kein „Allround-Medikament“ gegen Epilepsie. Die Evidenz basiert vor allem auf streng kontrollierten Studien bei ausgewählten, seltenen Syndromen. Für die grosse Mehrheit der Epilepsiepatientinnen und -patienten fehlen qualitativ hochwertige Daten. Eine CBD-Therapie sollte daher immer Teil eines strukturierten, ärztlich geführten Behandlungskonzeptes sein, in dem Nutzen, Risiken und Alternativen transparent besprochen werden. Unkontrollierte Selbstmedikation mit frei verkäuflichen CBD-Produkten – mit unbekannter Dosierung, Reinheit und Interaktionspotenzial – ist aus fachlicher Sicht klar nicht zu empfehlen.

Darstellung verschiedener Cannabinoide und ihres Spektrums

Zugelassene Therapie: Epidyolex® in der Schweiz

Epidyolex® ist ein hochreines Cannabidiol-Präparat in Form einer öligen Lösung. Es wurde in der Schweiz 2021 von Swissmedic als Zusatztherapie zugelassen für:

  • Kinder ab 2 Jahren und Erwachsene mit Dravet-Syndrom
  • Kinder ab 2 Jahren und Erwachsene mit Lennox-Gastaut-Syndrom

In beiden Fällen handelt es sich um Kombinationstherapien: Epidyolex® wird nicht als Ersatz, sondern zusätzlich zu bestehenden Antiepileptika eingesetzt. Die Dosierung erfolgt gewichtsabhängig und wird langsam eingeschlichen („Start low, go slow“), um Nebenwirkungen zu begrenzen und das individuelle Ansprechen zu beurteilen. Wichtig ist, dass die Therapie ausschliesslich unter ärztlicher Aufsicht erfolgt – idealerweise durch Neurologinnen oder Neurologen mit Erfahrung in der Behandlung schwerer Epilepsieformen.

Für andere schwer behandelbare Epilepsien besteht derzeit keine offizielle Zulassung. In begründeten Einzelfällen können Ärztinnen und Ärzte jedoch eine Off-Label-Verordnung prüfen und gleichzeitig ein Gesuch an die Krankenkasse zur Kostenübernahme stellen. Dies erfordert eine ausführliche Dokumentation der bisherigen Therapieversuche, des Erkrankungsverlaufs und der medizinischen Begründung für eine CBD-Therapie.

Infografik zu Dosierung und Titration bei Cannabistherapie

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von CBD bei Epilepsie

CBD wird häufig als „natürlich“ und damit als besonders verträglich wahrgenommen. Tatsächlich zeigen die Studien zu Epidyolex®, dass Cannabidiol im Vergleich zu vielen anderen Antiepileptika ein gut handhabbares, aber keinesfalls nebenwirkungsfreies Profil hat. Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen gehören:

  • Schläfrigkeit und Müdigkeit – mit möglichen Auswirkungen auf Konzentration, Schule und Beruf.
  • Appetitverlust und Gewichtsabnahme – besonders bei Kindern relevant.
  • Durchfall und gastrointestinale Beschwerden – vor allem zu Beginn der Therapie oder bei rascher Dosissteigerung.
  • Leberwerterhöhungen – insbesondere in Kombination mit bestimmten Antiepileptika (z. B. Valproat), weshalb regelmässige Labor-Kontrollen empfohlen werden.
  • Paradoxe Zunahme von Anfällen – bei einem Teil der Patienten wurden trotz CBD-Therapie vermehrte Krampfanfälle beobachtet.

Neben direkten Nebenwirkungen sind insbesondere Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bedeutsam. CBD wird über Enzymsysteme der Leber (z. B. CYP-Enzyme) verstoffwechselt und kann die Blutspiegel von Antiepileptika wie Clobazam, Valproat oder anderen Substanzen beeinflussen. In der Praxis bedeutet dies: Dosisanpassungen der Begleitmedikamente und engmaschige Kontrollen sind zwingend notwendig, um sowohl Wirkverlust als auch Überdosierungen mit vermehrten Nebenwirkungen zu vermeiden. Gerade bei Kindern, die häufig mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, ist eine strukturierte, digital gestützte Dokumentation und Verlaufsbeobachtung hilfreich.

Warum Selbstmedikation mit CBD problematisch ist

Frei erhältliche CBD-Öle und andere Produkte unterliegen anderen rechtlichen und qualitativen Anforderungen als zugelassene Arzneimittel. Gehalt, Reinheit und Deklaration können stark variieren, teilweise enthalten Produkte relevante Mengen an THC oder Verunreinigungen. Zudem fehlen standardisierte Dosierungsempfehlungen für Epilepsie und systematische Daten zu Interaktionen mit Antiepileptika. Aus medizinischer Sicht ist daher von einem eigenständigen Therapieversuch mit frei verkäuflichen CBD-Produkten ohne neurologische Begleitung klar abzuraten. Das Risiko einer unzureichenden Anfallskontrolle, unerwarteter Nebenwirkungen und gefährlicher Wechselwirkungen überwiegt potenzielle Vorteile deutlich.

Rechtliche Rahmenbedingungen für medizinisches Cannabis in der Schweiz

Die Schweiz verfügt über ein differenziertes Regelwerk für den Umgang mit Cannabis. Für die Epilepsietherapie sind vor allem folgende Aspekte wichtig:

  • Epidyolex® ist als Arzneimittel zugelassen und unterliegt den entsprechenden Vorgaben von Swissmedic. Verschreibung und Abgabe erfolgen über Ärztinnen, Ärzte und Apotheken im Rahmen der Zulassung oder im begründeten Off-Label-Use.
  • THC-haltige Cannabisarzneimittel fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Ihre Anwendung bei Epilepsie ist eher Ausnahme und sollte nur in spezialisierten Zentren mit entsprechender Erfahrung erwogen werden.
  • Frei verkäufliche CBD-Produkte werden je nach Zusammensetzung als Lebensmittel, Kosmetika oder „andere Produkte“ eingestuft, nicht als Arzneimittel. Sie sind nicht zur Behandlung von Epilepsie zugelassen.
  • Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) ist in der Regel eng an die Zulassung des Präparats und die Indikation geknüpft; bei Off-Label-Anwendungen ist ein individuelles Gesuch notwendig.

Swissmedic stellt für Fachpersonen eine Übersicht und Vollzugshilfe zu CBD-haltigen Produkten bereit. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies: Der sicherste Weg führt über eine qualifizierte ärztliche Beurteilung, eine gegebenenfalls verordnete, standardisierte Arzneimittelform und eine dokumentierte Therapieentscheidung. So lassen sich sowohl rechtliche Vorgaben als auch medizinische Qualitätsstandards einhalten.

Infografik zu rechtlichen THC-Grenzwerten in der Schweiz

Wie eine strukturierte Cannabis-Therapie bei Epilepsie aussehen kann

Wenn nach sorgfältiger neurologischer Abklärung und Ausschöpfung der Standardtherapien eine CBD-basierte Zusatztherapie in Betracht gezogen wird, empfiehlt sich ein klar strukturierter Ablauf:

  • 1. Neurologische Beurteilung: Diagnosebestätigung, Anfallstypisierung, bisherige Therapien, Komorbiditäten und aktuelle Medikation werden systematisch erfasst.
  • 2. Nutzen-Risiko-Abwägung: Diskussion, ob die vorliegende Epilepsieform zu den Indikationen mit evidenzbasierter Datenlage gehört oder ob ein individueller Off-Label-Versuch sinnvoll erscheint.
  • 3. Gemeinsame Entscheidungsfindung: Patientin, Patient und Angehörige werden über realistische Erwartungen, mögliche Vorteile, Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen informiert.
  • 4. Dosierungsschema und Monitoring: Festlegung von Startdosis, Titrationsschritten, Labor-Kontrollen (z. B. Leberwerte) und Anfallstagebuch, idealerweise digital.
  • 5. Regelmässige Evaluation: Beurteilung von Anfallshäufigkeit, Nebenwirkungen, Lebensqualität und Medikamentenspiegeln; Anpassung der Therapie bei unzureichendem Ansprechen oder relevanten Nebenwirkungen.

Digitale Tools – etwa elektronische Anfallskalender, Telekonsultationen und integrierte Plattformen zur Rezeptverwaltung – können diesen Prozess wesentlich erleichtern. Sie verbessern die Dokumentationsqualität, ermöglichen rasche Rückmeldungen bei Problemen und unterstützen eine transparente Kommunikation zwischen Patient, behandelndem Arzt und Apotheke. Damit wächst die Chance, dass eine CBD-Therapie verantwortungsvoll eingesetzt wird und mögliche Vorteile sicherer ausgeschöpft werden können.

Ablauf von ärztlicher Beurteilung bis Cannabis-Rezept

Digitale Versorgung: Wie Evidena die Cannabis-Therapie strukturiert unterstützt

Evidena positioniert sich als integrierter Gesundheitsdienstleister für medizinische Cannabis-Therapien in der Schweiz – nicht als reiner Telemedizin-Anbieter. Im Zentrum steht eine vollständige, digital gestützte Versorgungskette, die mehrere Bausteine miteinander verbindet:

  • Ärztliche Betreuung – durch qualifizierte Fachpersonen, mit Anamnese, Befundanalyse und Therapieplanung, bei Bedarf auch per Video.
  • Therapie mit medizinischem Cannabis – einschliesslich Indikationsprüfung, Aufklärung zu Chancen und Risiken, Verschreibung zugelassener Präparate und strukturierter Nachsorge.
  • Digitales Rezept- und Apotheken-Management – um Verordnungen sicher und effizient an geeignete Apotheken zu übermitteln und Lieferprozesse zu koordinieren.
  • Patientenplattform – für Terminorganisation, Dokumentenverwaltung, Verlaufserfassung (z. B. Anfallstagebücher) und sichere Kommunikation mit dem Behandlungsteam.

Für Menschen mit Epilepsie kann ein solches Setting besonders wertvoll sein: Anfälle treten oft unvorhersehbar auf, Präsenztermine sind nicht immer leicht planbar, und die Abhängigkeit von Angehörigen ist hoch. Digitale Strukturen ermöglichen eine flexiblere Betreuung, eine engere Rückkopplung bei Therapieanpassungen und eine transparente Dokumentation der Anfallsverläufe. So lassen sich Therapieentscheidungen – ob mit oder ohne Cannabis – auf einer soliden Datenbasis treffen.

Übersicht medizinischer Darreichungsformen von Cannabis

Stigmatisierung und Aufklärung: Cannabis, Epilepsie und gesellschaftliche Wahrnehmung

Epilepsie ist nach wie vor mit zahlreichen Vorurteilen und Unsicherheiten behaftet. Betroffene berichten häufig von Missverständnissen im Alltag, von Zurückhaltung am Arbeitsplatz oder in der Schule und von Unsicherheit in Bezug auf Themen wie Autofahren, Kinderwunsch oder Berufswahl. Wird zusätzlich eine Therapie mit medizinischem Cannabis angesprochen, verstärken sich bei manchen Umfeldpersonen Sorgen – etwa, Cannabis werde „als Droge“ missverstanden.

Fachgesellschaften wie die Schweizerische Epilepsie-Liga weisen darauf hin, dass Stigmatisierung die Krankheitsbewältigung und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erheblich beeinträchtigen kann. Eine sachliche, gut verständliche Aufklärung ist daher zentral – sowohl über Epilepsie selbst als auch über moderne Therapieoptionen wie CBD. Wichtig ist, klar zu unterscheiden zwischen medizinischer Anwendung unter ärztlicher Aufsicht und Freizeitkonsum. Medizinisches Cannabis ist dabei eine von mehreren möglichen Bausteinen im Behandlungsplan, nicht dessen alleiniger Mittelpunkt.

Digitale Informations- und Vergleichsplattformen können helfen, verlässliche, qualitätsgesicherte Inhalte bereitzustellen. Transparente Darstellung von Indikationen, Studienlage, rechtlichen Rahmenbedingungen und Alternativen unterstützt Patientinnen, Patienten und Angehörige dabei, informierte Entscheidungen zu treffen und Fehlinformationen – insbesondere aus unzuverlässigen Internetquellen – zu relativieren.

Ausblick: Zukünftige Forschung und individualisierte Epilepsietherapie

Die Entwicklung im Bereich medizinisches Cannabis und Epilepsie steht trotz bereits zugelassener Präparate weiterhin am Anfang. Zukünftige Studien werden voraussichtlich klären müssen:

  • Welche Epilepsiesyndrome ausser Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom potenziell von CBD profitieren können.
  • Welche Dosierungen und Kombinationen (z. B. mit bestimmten Antiepileptika) die günstigste Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit bieten.
  • Ob sich Biomarker identifizieren lassen, die vorhersagen, welche Patientinnen und Patienten mit grösserer Wahrscheinlichkeit ansprechen.
  • Inwieweit andere Cannabinoide oder Kombinationen (z. B. THC-arme Vollspektrum-Extrakte) bei spezifischen Untergruppen eine Rolle spielen könnten.

Parallel dazu schreitet die Digitalisierung der Versorgung voran. Elektronische Gesundheitsakten, strukturierte Register und digitale Anfallskalender können die Datengrundlage für Forschungsprojekte und Versorgungsanalysen erheblich verbessern. Evidena und vergleichbare Plattformen können hier eine Brückenfunktion übernehmen: Sie verbinden klinische Versorgung, dokumentierte Verläufe und anonymisierte Datenauswertung – immer unter strengen Datenschutzvorgaben. So kann langfristig eine individualisierte Epilepsietherapie entstehen, in der auch Cannabis – dort, wo es sinnvoll und sicher ist – einen klar definierten Platz findet.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Cannabis bei Epilepsie in der Schweiz

Kann Cannabis Epilepsie heilen?

Nein. Weder Cannabis noch Cannabidiol (CBD) können Epilepsie heilen. In Studien konnte bei bestimmten seltenen Epilepsiesyndromen (Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom) eine Reduktion der Anfallshäufigkeit unter Zusatztherapie mit Epidyolex® gezeigt werden. Ein vollständiges und dauerhaftes Verschwinden der Epilepsie ist jedoch nicht belegt. Medizinisches Cannabis kann – wenn überhaupt – ein ergänzender Baustein zur Anfallskontrolle sein, ersetzt aber weder eine gründliche Diagnostik noch andere etablierte Therapieverfahren.

Für welche Epilepsieformen ist CBD in der Schweiz zugelassen?

In der Schweiz ist das CBD-Arzneimittel Epidyolex® als Zusatztherapie für Kinder ab zwei Jahren und Erwachsene mit Dravet-Syndrom oder Lennox-Gastaut-Syndrom zugelassen. Für andere Epilepsieformen besteht derzeit keine offizielle Zulassung. In begründeten Einzelfällen können Neurologinnen und Neurologen Epidyolex® Off-Label einsetzen und ein Gesuch zur Kostenübernahme bei der Krankenkasse stellen. Ob ein solcher Therapieversuch sinnvoll ist, muss individuell und sorgfältig abgewogen werden.

Sind frei verkäufliche CBD-Öle zur Behandlung von Epilepsie geeignet?

Frei verkäufliche CBD-Öle sind in der Regel nicht als Arzneimittel zugelassen und wurden nicht systematisch für die Behandlung von Epilepsie geprüft. Gehalt und Qualität können stark schwanken, zudem fehlen standardisierte Dosierungsvorgaben und Daten zu Wechselwirkungen mit Antiepileptika. Aus fachlicher Sicht ist eine eigenständige Behandlung von Epilepsie mit solchen Produkten nicht zu empfehlen. Die Therapie sollte immer in Händen von Fachärztinnen und Fachärzten liegen und auf zugelassenen oder sorgfältig begründeten medizinischen Präparaten beruhen.

Welche Nebenwirkungen können bei einer CBD-Therapie auftreten?

In klinischen Studien zu Epidyolex® wurden unter anderem Schläfrigkeit, Müdigkeit, Appetitverlust, Gewichtsabnahme, Durchfall und Erhöhungen der Leberwerte beobachtet. In seltenen Fällen kam es paradoxerweise zu einer Zunahme der Anfallshäufigkeit. Zudem kann CBD die Spiegel anderer Medikamente, insbesondere bestimmter Antiepileptika, verändern. Regelmässige ärztliche Kontrollen – auch von Laborwerten – sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Cannabis-Therapie bei Epilepsie?

Bei zugelassener Indikation (Dravet- oder Lennox-Gastaut-Syndrom) kann die Kostenübernahme für Epidyolex® in der Regel im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung erfolgen, sofern die medizinischen Kriterien erfüllt sind. Bei Off-Label-Anwendungen und bei anderen Cannabisarzneimitteln ist meist ein individuelles Gesuch an die Krankenkasse notwendig. Die Entscheidung hängt von der konkreten Situation, der Begründung durch die behandelnde Fachperson und den gesetzlichen Vorgaben ab. Es empfiehlt sich, die Frage der Kostenübernahme frühzeitig mit Arzt oder Ärztin sowie der Versicherung zu besprechen.

Welche Rolle spielen digitale Angebote wie Evidena für Epilepsiepatienten?

Digitale Versorgungsmodelle wie Evidena können die Behandlung mit und ohne medizinisches Cannabis strukturieren und erleichtern. Sie ermöglichen niederschwellige ärztliche Konsultationen, ein sicheres Management von Rezepten und die Anbindung erfahrener Apotheken. Zudem unterstützen digitale Patientenplattformen das Führen von Anfallstagebüchern, die Organisation von Terminen und die sichere Kommunikation mit dem Behandlungsteam. Dies kann besonders bei chronischen Erkrankungen wie Epilepsie helfen, Therapieentscheidungen datenbasiert zu treffen und Anpassungen engmaschig zu begleiten.

Darf ich unter medizinischer Cannabis-Therapie Auto fahren?

Die Fahreignung bei Epilepsie hängt in erster Linie von der Anfallskontrolle und den nationalen medizinisch-rechtlichen Vorgaben ab. Unabhängig von der Therapie – ob mit oder ohne Cannabis – gelten klare Regeln, ab welcher Anfallsfreiheit Autofahren wieder zulässig sein kann. Unter Cannabis-Therapie kommt hinzu, dass mögliche Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Konzentrationsstörungen die Fahrsicherheit beeinträchtigen können. Besprechen Sie Ihre individuelle Situation unbedingt mit Ihrer behandelnden Fachperson; eigenständige Entscheidungen ohne fachliche Beurteilung sind nicht empfehlenswert.

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