Cannabis bei Burnout und Erschöpfung: Chancen, Grenzen, Schweizer Kontext
Burnout und chronische Erschöpfung betreffen in der Schweiz immer mehr Menschen – oft trotz guter medizinischer Versorgung und Therapieangeboten. Medizinisches Cannabis rückt als mögliche ergänzende Option in den Fokus, insbesondere bei stressassoziierten Beschwerden wie Schlafstörungen, innerer Unruhe und emotionaler Erschöpfung. - Verständnis: Wie Burnout entsteht und warum das Endocannabinoid-System dabei eine Rolle spielt - Einordnung: Was Studien zu CBD und medizinischem Cannabis bei Erschöpfung, Stress und Burnout zeigen – und was nicht - Orientierung: Wie eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie in der Schweiz ablaufen kann und welche Alternativen und Ergänzungen sinnvoll sind
Burnout und Erschöpfung: Worum geht es medizinisch genau?
Burnout beschreibt einen Zustand anhaltender emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung, der typischerweise in Zusammenhang mit chronischem Stress steht – häufig am Arbeitsplatz, aber auch durch familiäre oder pflegerische Belastungen. Betroffene fühlen sich „ausgebrannt“, ständig überfordert und innerlich leer. Konzentration, Motivation und Leistungsfähigkeit nehmen ab, gleichzeitig gelingt echte Erholung kaum noch. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) wird Burnout nicht als eigenständige psychische Störung geführt, sondern als „Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führt“.
Charakteristisch ist, dass Burnout sich meist über Monate oder Jahre entwickelt. Frühwarnzeichen wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, sozialer Rückzug oder das Gefühl, dauernd „funktionieren zu müssen“, werden oft lange übergangen. Wird der Stress zu einem Dauerzustand, gerät das körperliche und seelische Gleichgewicht aus der Balance: Stresshormone wie Cortisol bleiben erhöht, das Immunsystem wird belastet, und das Risiko für Depressionen, Angsterkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme oder chronische Schmerzen steigt. Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige Abklärung – idealerweise bei einer hausärztlichen oder psychotherapeutischen Fachperson, die zwischen Burnout, Depression und anderen Erkrankungen differenzieren kann.

Das Endocannabinoid-System: Warum es bei Stress und Burnout relevant ist
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Regulationssystem, das an zahlreichen Funktionen beteiligt ist: Stressreaktion, Stimmung, Schlaf, Schmerzverarbeitung, Entzündungsprozesse und Immunantwort. Es besteht im Wesentlichen aus Endocannabinoiden (vom Körper selbst gebildeten Botenstoffen), Cannabinoidrezeptoren (insbesondere CB1 und CB2) sowie Enzymen, die diese Botenstoffe auf- und abbauen. Das ECS hat keine „Einzelfunktion“, sondern wirkt wie ein feines Steuerungssystem, das verschiedene Prozesse in Richtung Gleichgewicht (Homöostase) reguliert.
Rolle von CB1- und CB2-Rezeptoren im Kontext von Stress
CB1-Rezeptoren finden sich vor allem im zentralen Nervensystem, insbesondere im Gehirn. Sie sind an der Modulation von Nervensignalen beteiligt, die Stimmung, Angst, Motivation, Gedächtnis und Schmerzwahrnehmung steuern. CB2-Rezeptoren sitzen hauptsächlich auf Immunzellen und in peripheren Geweben; sie beeinflussen Entzündungsreaktionen und Immunantworten. Unter chronischem Stress verändern sich Aktivität und Dichte dieser Rezeptoren – das kann mit dazu beitragen, dass Schlaf, Stimmung und Stresstoleranz aus dem Gleichgewicht geraten.
Pflanzliche Cannabinoide (Phytocannabinoide) wie THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) können an diesem System ansetzen. THC bindet teilweise direkt an CB1-Rezeptoren und kann dadurch kurzfristig entspannende und stimmungsaufhellende Effekte auslösen, bei empfindlichen Personen oder höheren Dosen aber auch Unruhe und Angst verstärken. CBD wirkt komplexer: Es bindet kaum direkt an CB1/CB2, beeinflusst aber andere Rezeptoren (u. a. Serotoninrezeptoren) und hemmt den Abbau des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid, das als stimmungsstabilisierend gilt. Dadurch kann CBD indirekt zu einer verbesserten Stressregulation beitragen, ohne einen Rausch auszulösen.

Was Studien zu CBD, Stress und Burnout bisher zeigen
Die wissenschaftliche Forschung zu medizinischem Cannabis bei Burnout steckt noch in den Anfängen. Es gibt jedoch mehrere Linien von Evidenz, die für den Umgang mit stressassoziierten Symptomen relevant sind:
- BONSAI-Studie: In einer brasilianischen Studie mit Gesundheitspersonal an vorderster Front während der COVID-19-Pandemie wurde untersucht, ob CBD zusätzlich zur Standardbetreuung emotionaler Erschöpfung entgegenwirken kann. Die Teilnehmenden erhielten entweder Standardversorgung oder Standardversorgung plus CBD.
- Studien zu Stress und Angst: Verschiedene Untersuchungen deuten darauf hin, dass CBD bei sozialen Angstsituationen, generalisierten Ängsten und stressbedingter Anspannung kurzfristig angstlösende Effekte haben kann.
- Schlaf und Erholung: In kleineren Studien und Fallserien wurde berichtet, dass CBD und bestimmte Cannabisarzneimittel bei Ein- und Durchschlafstörungen hilfreich sein können, insbesondere wenn diese mit Schmerz oder Unruhe verknüpft sind.
Diese Ergebnisse sind ermutigend, müssen aber vorsichtig interpretiert werden. Die BONSAI-Studie etwa zeigte zwar eine Reduktion der emotionalen Erschöpfung in der CBD-Gruppe, war aber nur einfach verblindet und auf medizinisches Personal begrenzt. Viele Studien arbeiten mit kleinen Fallzahlen, kurzen Beobachtungszeiträumen oder offenen Designs ohne Placebokontrolle. Zudem ist Burnout als eigenständige Diagnose wissenschaftlich weiterhin Gegenstand von Diskussionen, was den Vergleich zwischen Studien erschwert. Klar ist vor allem: Cannabinoide können Symptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen oder stressassoziierte Ängstlichkeit beeinflussen – sie ersetzen jedoch keine psychotherapeutische Aufarbeitung, arbeitsbezogene Anpassungen oder sozialrechtliche Unterstützung.
Die BONSAI-Studie im Detail: CBD bei emotionaler Erschöpfung im Gesundheitswesen
In der sogenannten BONSAI-Studie („Burnout and Distress Prevention With Cannabidiol in Front-line Health Care Workers Dealing With COVID-19“) wurden 120 Mitarbeitende eines brasilianischen Spitals untersucht, die während der COVID-19-Pandemie einer aussergewöhnlich hohen Belastung ausgesetzt waren. Alle Teilnehmenden erhielten psychologische Unterstützung; zusätzlich bekam eine Gruppe täglich CBD in einer Dosierung von 300 mg, während die Kontrollgruppe kein CBD erhielt. Die emotionale Erschöpfung wurde mittels Maslach Burnout Inventory (MBI) gemessen. Bereits nach zwei Wochen zeigte sich in der CBD-Gruppe eine statistisch signifikante Abnahme der emotionalen Erschöpfung, während sich die Werte in der Kontrollgruppe eher verschlechterten. Auch angst- und depressionsbezogene Symptome nahmen in der CBD-Gruppe stärker ab. Gleichzeitig berichteten einige Teilnehmende über Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden oder Schläfrigkeit. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass das Studiendesign (einfach verblindet, spezifische Population, begrenzte Dauer) keine abschliessenden Aussagen zulässt – die Daten sprechen jedoch für ein potenzielles ergänzendes Nutzenprofil von CBD bei hoher beruflicher Belastung unter fachlicher Betreuung.
Biologische Mechanismen: Wie medizinisches Cannabis auf Stress, Stimmung und Schlaf wirkt
Die Effekte von medizinischem Cannabis auf Stress und Burnout-assoziierte Symptome lassen sich nicht auf einen einzigen Mechanismus reduzieren. Vielmehr greifen mehrere biologische Ebenen ineinander:
Einfluss auf Serotonin und andere Neurotransmitter
CBD kann an bestimmten Serotoninrezeptoren (z. B. 5-HT1A) andocken oder deren Aktivität modulieren. Serotonin spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Stimmung, Angst und Impulskontrolle. In Tiermodellen und kleinen Humanstudien wurden für CBD angstlösende und stimmungsstabilisierende Effekte beschrieben, die teilweise vergleichbar mit klassischen Anxiolytika sein können – jedoch bei deutlich anderem Nebenwirkungsprofil. Gleichzeitig interagiert Cannabis auch mit GABA- und Glutamat-Systemen, die für die Balance zwischen Anspannung und Entspannung im Gehirn wesentlich sind.
Stresshormone und Cortisolregulation
Chronischer Stress führt häufig zu einer Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), die wiederum die Ausschüttung von Cortisol steuert. Erste Daten deuten darauf hin, dass Cannabinoide die Stressantwort modulieren können, etwa indem sie über das ECS die Ausschüttung von Stresshormonen dämpfen. Dadurch könnte sich langfristig die Stresstoleranz verbessern und die Erholungsphasen nach Belastung verkürzen. Wie relevant dieser Effekt beim Menschen im klinischen Alltag ist, muss jedoch noch systematisch erforscht werden.
Schmerz, Muskelverspannungen und Schlaf
Viele Menschen mit Burnout berichten über körperliche Begleitsymptome: Muskelverspannungen, Spannungskopfschmerzen, diffuse Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Medizinisches Cannabis wird in der Schweiz primär bei chronischen Schmerzen eingesetzt. Wenn Schmerzen und Schlafstörungen eine Burnout-Symptomatik verstärken, kann eine sorgfältig geprüfte Cannabis-Therapie indirekt auch das Stresserleben und die Erschöpfung positiv beeinflussen. Besserer Schlaf wiederum ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich emotionale und kognitive Funktionen erholen können.

Arten von medizinischem Cannabis: THC, CBD und das Cannabinoid-Spektrum
Medizinische Cannabistherapien umfassen heute ein breites Spektrum an Wirkstoffen und Darreichungsformen. Für Patientinnen und Patienten mit Burnout-assoziierten Beschwerden sind vor allem folgende Varianten relevant:
CBD-dominierte Präparate
CBD-dominierte Arzneimittel (z. B. ölige Lösungen oder Kapseln) enthalten Cannabidiol in definierter Dosierung, meist mit sehr geringem oder vernachlässigbarem THC-Gehalt. Sie machen nicht berauscht und werden vor allem zur Unterstützung bei Angst, innerer Anspannung, Schlafproblemen oder chronischen Schmerzen eingesetzt. Bei Burnout kann diese Form sinnvoll sein, wenn im Vordergrund Unruhe, Grübelneigung, Einschlafstörungen oder muskuläre Verspannungen stehen. Wichtig ist eine ärztlich begleitete, langsame Dosistitration („start low, go slow“), da Empfindlichkeit und optimale Dosis individuell variieren.
THC-haltige Präparate
THC-dominante oder ausgewogene Präparate (z. B. standardisierte Blüten oder Extrakte) enthalten relevante Mengen an Tetrahydrocannabinol. THC kann in niedrigen bis mittleren Dosen entspannend, stimmungsaufhellend und schlaffördernd wirken, in höheren Dosen oder bei entsprechender Veranlagung aber auch Angst, Herzklopfen oder kognitive Beeinträchtigungen auslösen. Im Kontext von Burnout werden THC-haltige Präparate eher zurückhaltend eingesetzt – meist dann, wenn gleichzeitig ausgeprägte chronische Schmerzen, Spastik oder andere, bereits etablierte Indikationen vorliegen. Für Menschen mit erhöhter psychischer Vulnerabilität ist besondere Vorsicht notwendig.

Vollspektrum-Extrakte und Entourage-Effekt
Manche ärztlich verschriebenen Cannabisarzneimittel enthalten ein „Vollspektrum“ aus verschiedenen Cannabinoiden (z. B. CBD, THC, CBG) und Terpenen. Die Hypothese des sogenannten Entourage-Effekts geht davon aus, dass diese Stoffe sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen und so ein anderes Profil erzeugen als isolierte Substanzen. Für Stress- und Burnout-Symptome könnten beispielsweise terpene Komponenten wie Linalool oder Myrcen mit beruhigenden Eigenschaften eine ergänzende Rolle spielen. Gleichzeitig erhöht ein breiter Wirkstoffmix die Komplexität der Therapie – ein weiterer Grund, weshalb die Auswahl und Dosierung immer ärztlich erfolgen sollte.

Wie eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie bei Burnout in der Schweiz aussehen kann
In der Schweiz ist der Einsatz von medizinischem Cannabis seit der Gesetzesänderung 2022 unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Cannabisarzneimittel sind verschreibungspflichtig und dürfen nur von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden. Für Menschen mit Burnout-ähnlichen Beschwerden bedeutet das: Eine mögliche Cannabis-Therapie ist immer Teil eines umfassenden medizinischen Vorgehens und niemals ein reines „Selbsthilfemittel“ ohne Fachbegleitung.
Typische Schritte in der Versorgungskette
Zunächst steht eine sorgfältige Anamnese: Welche Beschwerden bestehen genau (Schlaf, Stimmung, Schmerzen, Konzentration)? Wie lange schon? Welche bisherigen Therapien wurden versucht? Gibt es Begleiterkrankungen wie Depression, Angststörung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Substanzkonsum? Erst danach kann gemeinsam geprüft werden, ob medizinisches Cannabis überhaupt in Frage kommt oder andere Optionen im Vordergrund stehen sollten. Wird eine Cannabis-Therapie erwogen, folgt die Auswahl einer geeigneten Arzneiform (z. B. CBD-dominante Tropfen) und eine schrittweise Dosistitration über Wochen. Parallel bleiben nichtmedikamentöse Massnahmen zentral: Anpassungen im Arbeitsumfeld, psychotherapeutische Unterstützung, Schlafhygiene, Bewegungstherapie und – falls nötig – sozialrechtliche Beratung.
Cannabis-Therapie
Erfahren Sie, wie eine ärztlich begleitete Cannabis-Therapie in der Schweiz abläuft – von der Indikationsprüfung über die Wahl des Präparats bis zur regelmässigen Verlaufskontrolle.
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Allgemeine Fragen
Antworten auf häufige Fragen zu Wirksamkeit, Sicherheit, rechtlichem Rahmen und praktischer Anwendung von medizinischem Cannabis bei chronischem Stress und Erschöpfung.
Klinische Praxis: Wann kann medizinisches Cannabis bei Burnout-assoziierten Beschwerden sinnvoll sein – und wann nicht?
Die Entscheidung für oder gegen eine Cannabis-Therapie ist immer individuell und hängt von mehreren Faktoren ab:
- Art und Schwere der Beschwerden: Stehen Schmerzen, Schlafstörungen, innere Unruhe oder Angst im Vordergrund? Oder eher Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Interessenverlust im Sinne einer Depression?
- Bisherige Therapien: Wurden bereits psychotherapeutische, arbeitsbezogene oder medikamentöse Optionen ausgeschöpft oder gibt es Kontraindikationen für Standardmedikamente?
- Begleiterkrankungen: Bestehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Psychosen, substanzbezogene Störungen oder Schwangerschaft, bei denen Cannabis eher nicht infrage kommt?
- Risikonutzen-Abwägung: Wie hoch ist das Risiko für Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit bestehenden Medikamenten, und welcher potenzielle Zusatznutzen wird erwartet?
In der Praxis kann eine Cannabis-Therapie insbesondere dann erwogen werden, wenn trotz leitliniengerechter Behandlung relevante Symptome bestehen bleiben, die Lebensqualität einschränken – etwa persistierende Schlafstörungen, ausgeprägte Muskelverspannungen oder stressassoziierte Schmerzen. Klare Kontraindikationen, fehlende Therapietreue oder der Wunsch nach „schneller Lösung ohne weitere Massnahmen“ sprechen eher gegen eine Verschreibung. Wichtig ist eine transparente Aufklärung: Cannabis ist kein „Wundermittel“, sondern eine mögliche Ergänzung in einem umfassenden Behandlungskonzept.

Risiken, Nebenwirkungen und rechtliche Rahmenbedingungen in der Schweiz
Wie jede medizinische Behandlung ist auch die Cannabis-Therapie mit potenziellen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Dazu können – je nach Präparat, Dosierung und individueller Empfindlichkeit – Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verdauungsbeschwerden, Blutdruckschwankungen oder Konzentrationsprobleme gehören. Bei THC-haltigen Präparaten kommen mögliche psychische Effekte hinzu, etwa Angst, Unruhe, Wahrnehmungsveränderungen oder – selten – psychotische Symptome bei entsprechender Vulnerabilität. Zudem sind Interaktionen mit anderen Medikamenten möglich, etwa über Leberenzyme (CYP450), weshalb eine vollständige Medikamentenliste bei der ärztlichen Konsultation wichtig ist.
Rechtlich gilt in der Schweiz: Medizinisches Cannabis mit relevantem THC-Gehalt unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und darf nur mit ärztlicher Verschreibung verwendet werden. Die Fahrtauglichkeit und Teilnahme am Strassenverkehr müssen individuell beurteilt werden; bei regelmässiger Einnahme THC-haltiger Präparate ist besondere Vorsicht geboten. CBD-dominierte Arzneimittel können je nach Zusammensetzung und Zweck als Arzneimittel eingestuft werden. Eigenmedikation mit nicht standardisierten Produkten aus dem Freizeit- oder Onlinehandel ist aus medizinischer Sicht problematisch, da Qualität, Dosierung und Wechselwirkungen oft unklar sind. Eine enge Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und Apothekerinnen oder Apothekern ist deshalb zentral.
Häufig gestellte Fragen
Häufige Fragen zu Cannabis, Burnout und Erschöpfung
Kann medizinisches Cannabis ein Burnout heilen?
Nein. Burnout ist ein komplexer Prozess, der meist durch langanhaltenden Stress, strukturelle Belastungen und individuelle Faktoren entsteht. Medizinisches Cannabis kann – je nach Situation – einzelne Symptome wie Schlafstörungen, innere Unruhe, Schmerzen oder stressassoziierte Angst lindern, ersetzt aber keine Ursachenarbeit. Zentrale Bausteine bleiben weiterhin: Anpassung der Belastungssituation (z. B. Arbeitsbedingungen), psychotherapeutische Unterstützung, Aufbau gesunder Routinen (Schlaf, Bewegung, Pausen) und gegebenenfalls arbeitsmedizinische oder sozialrechtliche Massnahmen. Cannabis kann in Einzelfällen eine ergänzende Option sein, aber keine alleinige Lösung.
Ist CBD bei Burnout sicherer als THC?
CBD gilt in der Regel als besser verträglich als THC, da es nicht berauschend wirkt und weniger zu kognitiven Beeinträchtigungen oder psychischen Nebenwirkungen neigt. Allerdings ist „sicherer“ relativ: Auch CBD kann Nebenwirkungen verursachen, etwa Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden oder Veränderungen von Leberwerten. Zudem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. THC-haltige Präparate erfordern wegen möglicher psychoaktiver Effekte besondere Vorsicht, insbesondere bei Personen mit psychischen Vorerkrankungen oder erhöhtem Psychoserisiko. Welche Substanz in welcher Dosierung sinnvoll ist, sollte immer ärztlich geprüft werden.
Darf ich in der Schweiz mit medizinischem Cannabis Auto fahren?
Bei THC-haltigem medizinischem Cannabis ist die Teilnahme am Strassenverkehr heikel. THC kann Reaktionszeit, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beeinflussen. Auch bei ärztlicher Verschreibung können bei einer Kontrolle rechtliche Konsequenzen drohen, wenn Grenzwerte überschritten sind oder die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt ist. Ob und in welchem Rahmen Fahren zulässig ist, sollte immer individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Bei CBD-dominanten Präparaten ohne relevante THC-Gehalte ist die Situation weniger klar problematisch, dennoch empfiehlt sich auch hier eine vorsichtige Einschätzung, insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei Dosisänderungen.
Wie schnell wirkt medizinisches Cannabis bei Stress oder Erschöpfung?
Der Wirkungseintritt hängt von der Darreichungsform ab. Inhalierte Präparate (z. B. verdampfte Blüten) wirken meist innerhalb von Minuten, werden im Burnout-Kontext aber eher selten eingesetzt. Ölige Lösungen oder Kapseln, die geschluckt werden, entfalten ihre Wirkung typischerweise nach 30 bis 90 Minuten. Gleichzeitig entwickeln sich viele Effekte – etwa auf Schlafqualität, Grundanspannung oder Stimmung – eher über Tage bis Wochen. Wichtig ist eine langsame Dosistitration und realistische Erwartung: Ziel ist meist nicht ein „sofortiger Effekt“, sondern eine allmähliche Verbesserung einzelner Symptome im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplanes.
Kann ich CBD-Produkte aus dem Handel einfach selbst ausprobieren?
Rein rechtlich sind bestimmte CBD-Produkte in der Schweiz frei erhältlich. Aus medizinischer Sicht ist bei selbstständiger Einnahme jedoch Vorsicht geboten: Qualität, Gehalt an Wirkstoffen und mögliche Verunreinigungen können variieren. Zudem sind wichtige Fragen offen, etwa zu Wechselwirkungen mit bestehenden Medikamenten, zur geeigneten Dosierung oder zu Kontraindikationen. Wenn Sie CBD im Kontext von Burnout oder Erschöpfung in Erwägung ziehen, ist eine ärztliche Beratung sinnvoll – idealerweise bei einer Fachperson, die Erfahrung mit Cannabinoid-Therapien hat und die Einnahme in ein umfassendes Behandlungskonzept einbettet.
Woran erkenne ich, ob meine Erschöpfung ein Burnout oder eine Depression ist?
Burnout und Depression können sich überschneiden, unterscheiden sich aber in einigen Punkten. Beim Burnout stehen häufig arbeits- oder belastungsspezifische Erschöpfung, Zynismus bezogen auf die Tätigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Bei einer Depression treten oft zusätzlich ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust, Schuldgefühle oder Selbstwertprobleme auf – unabhängig von der Arbeitssituation. Eine sichere Unterscheidung ist im Selbsttest kaum möglich. Wichtig ist eine fachliche Abklärung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychologinnen und Psychologen. Erst auf dieser Basis lässt sich entscheiden, welche Therapieoptionen – inklusive oder exklusive Cannabis – sinnvoll sind.
Wie finde ich eine Ärztin oder einen Arzt in der Schweiz, die/der Erfahrung mit medizinischem Cannabis hat?
In der Schweiz gibt es zunehmend Praxen und Zentren, die sich mit Cannabis als Medizin befassen – häufig aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Schmerzmedizin, Neurologie oder Psychiatrie. Fragen Sie zunächst Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt nach einer Einschätzung und gegebenenfalls nach einer Überweisung. Spezialisierte Plattformen und Informationsangebote können helfen, geeignete Ansprechpersonen zu finden. Wichtig ist, dass die behandelnde Person sowohl Erfahrung mit Cannabinoid-Therapien als auch mit psychischen Belastungszuständen wie Burnout hat und bereit ist, Cannabis nur als einen Baustein in einem umfassenden Versorgungskonzept zu betrachten.